Nach der Expertenkritik nun der Gegenangriff der Bundesregierung: Die Kanzlerin verteidigt ihre Steuerpläne - und der Wirtschaftsminister schießt gegen die Wirtschaftsweisen.
Nach der Kritik der fünf Wirtschaftsweisen hat die Bundesregierung ihre Steuersenkungespläne verteidigt.
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Kanzlerin Angela Merkel hat die Kritik der fünf Wirtschaftsweisen an den Steuersenkungsplänen der schwarz-gelben Regierung zurückgewiesen. (© Foto: Reuters)
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"Selbstverständlich bleibt es richtig, dass wir die öffentlichen Haushalte konsolidieren müssen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Wenn wir aber bereits am wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise damit beginnen, verschärfen wir die Krise."
Die fünf Wirtschaftsweisen hatten der schwarz-gelben Koalition am Freitag vorgeworfen, keine solide Gegenfinanzierung für ihre Steuersenkungsversprechen zu haben. Dies sei unseriös. Die Sachverständigen sind die obersten Wirtschaftsberater der Bundesregierung. Sie werden von der Regierung berufen, arbeiten aber unabhängig.
Für und Wider
Merkel räumte ein, dass der Erfolg einer vor allem auf Wirtschaftswachstum setzenden Strategie zur Krisenbewältigung nicht garantiert sei. "Ich bin mir der Risiken voll bewusst, aber wir haben diese Entscheidung nach gründlichem Abwägen des Für und Wider und mit einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein getroffen", sagte die CDU-Chefin.
Nach dem dramatischen Einbruch der Weltwirtschaft in diesem Jahr sei eine rasche Rückkehr auf einen selbsttragenden Wachstumspfad nötig. "Eine ausbleibende Erholung mit Jahren schwachen und labilen Wachstums ist für die öffentlichen Haushalte teurer als beherztes Gegensteuern." Das sei eine Lehre aus der Weltwirtschaftskrise in den Jahren nach 1929.
"Es war immer klar, dass sich Steuersenkungen nicht hundertprozentig selbst finanzieren werden", sagte Merkel. Der Erfolg einer solchen Politik hänge aber auch von der Wirtschaftslage ab. So hätten noch vor gut einem Jahr große Steuersenkungen das seinerzeit beinahe erreichte Ziel eines ausgeglichenen Haushalts gefährdet. Der abrupte Absturz der Weltwirtschaft habe dann aber schnelles und deutliches Handeln nötig gemacht.
"In Übereinstimmung mit der Schuldenbremse werden wir nach Überwindung der Krise konsequent konsolidieren", versprach Merkel. Deshalb seien in der EU und der G-20 klare gemeinsame Kriterien nötig, ab wann der Verlauf der Krise ein Umsteuern erlaube.
Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wies die Kritik des Sachverständigenrates an den geplanten Steuersenkungen in scharfen Worten zurück. "Ratschläge von Professoren können das Nachdenken der Politiker nicht ersetzen", sagte Brüderle der Bild am Sonntag. "Darum sind sie ja auch Berater und nicht Entscheider." Union und FDP seien wegen ihrer Steuerpläne gewählt worden. "Dieses Versprechen werden wir halten."
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(sueddeutsche.de/Reuters/aho)
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Es ist ein Trauerspiel, wie Politiker mit den fachlichen Aussage von Wissenschaftlern umgehen, ihnen fehlenden Sachverstand vorwerfen und diesen für sich selbst beanspruchen. Hier bin ich mit @chinorius einig.
Wie sollte denn dieses Zusammenspiel zwischen Wissenschaft und Politik sein? Die Wissenschaft, an vorderster Front die Naturwissenschaften, die Fr. Merkel kennt, leitet aus Grundannahmen mit nachvollziehbar begründeten Schlüssen weitere Aussagen. Die abgeleiteten Aussagen sind zwar nicht zwingend korrekt, aber Fehler in der logischen und fachlichen Herleitung können aufgedeckt werden, d.h. wissenschaftliche Aussagen sind falsifizierbar. Dieses Vergehen ist in dieser Form Weltanschauungsfrei.
Die Politik darf sich nicht anmaßen, die Sachaussagen ohne Begründung zu verwerfen bzw. eigene Aussagen ohne nachvollziehbare Begründungen zu entscheiden. Den politischen Aussagen fehlt die Falsifizierbarkeit. Sie gelten per Definition für den betreffenden Politiker bzw. die Partei als wahr und entziehen sich damit der fachlichen Kritik.
Was kann dann die Politik entscheiden? In der Herleitung wissenschaftlicher Aussagen sind die Grundannahmen der kritische Punkt. Sie können in Zweifel gezogen werden. In diesem Sinne kann der Politiker "seine" die Grundannahmen erklären, sie zur Diskussion stellen und die Fachwelt auffordern, daraus die weiteren Konsequenzen nachvollziehbar herzuleiten.
Fr. Merkel, zeigen sie uns bitte, dass Sie in der Physik gelernt haben, dass man logische Schlüsse nicht durch Mehrheitsmeinung herbeizuführen kann. Es steht die Zukunft unserer Kinder auf dem Spiel!
"Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wies die Kritik des Sachverständigenrates an den geplanten Steuersenkungen in scharfen Worten zurück. "Ratschläge von Professoren können das Nachdenken der Politiker nicht ersetzen", sagte Brüderle der Bild am Sonntag. "Darum sind sie ja auch Berater und nicht Entscheider.""
Ist das nicht ein Offenbarungseid von Herrn Brüderle? Er benennt damit ein fundamentales Problem unseres politischen Systems: Wichtige Entscheidungen werden von Personen (Politikern) getroffen, die dafür gar nicht die notwendige Sachkompetenz besitzen. Das persönliche Qualifikation kein Kriterium ist, konnten wir ja erst kürzlich bei der Zusammenstellung unserer neuen Bundesregierung begutachten.
Das wirft eine ganz wesentliche Frage auf: Gibt es Fragen, die grundsätzlich nicht von Politikern entschieden werden sollten? Ja, die gibt es! Zwei Beispiele:
(1) Bildung. Bildung ist bisher der Spielball mit dem in der Regel Bundespolitiker (zweite Garde) von Landespolitikern (dritte Garde) erpresst werden. Jüngstes Beispiel: "Wenn der Bund die geplanten Steuersenkungen durchzieht, fehlt den Ländern das Geld im Bereich Bildung und Forschung."
(2) Klimaschutz. Es herrscht immer noch der Irrglaube "Klimaschutz ja, aber nur im Einklang mit wirtschaftlichen Interessen." Fundamentaler Irrtum. Wirtschaftliche Interessen haben uns das Problem eingebrockt. Vom Kopf auf die Füße stellen: "Wirtschaftspolitik ja, aber nur im Einklang mit Klimaschutz.
Was tun wir stattdessen?