Das Pentagon hat auf die massive Kritik an dem auf Kuba gelegenen Lager reagiert und alle laufenden Verfahren bis auf weiteres gestoppt. Ein schwacher Trost: Bislang wurden nur zehn von 460 Gefangenen angeklagt.

Die Ankündigung des amerikanischen Verteidigungsministeriums gibt keine Begründung für die Entscheidung. Der Oberste Gerichtshof der USA berät derzeit über die Rechtmäßigkeit der Militärtribunale.

Wachposten des Lagers Guantanamo Bild vergrößern

Wachposten des Lagers Guantanamo (© Foto: AP)

Anzeige

Die Tribunale sind umstritten, weil die Regierung als Ankläger, Geschworene und Richter auftreten kann. Nach den drei Selbstmorden war die US-Regierung hatten UNO und Menschenrechtler die Schließung des Lagers verlangt.

Derweil wurde bekannt, dass die im Lager Guantánamo einsitzenden Afghanen offenbar "sehr bald" wieder in ihrer Heimat sein werden. Es handle sich um 96 afghanische Bürger, sagte Abdul Dschabar Sabet, ein Berater des Innenministers. Er hatte eine afghanische Gesandtschaft geleitet, die das Lager der US-Armee in der vergangenen Woche besucht hatte.

Die USA halten in dem Lager auf Kuba derzeit noch rund 460 Gefangene fest, die sie für Terrorverdächtige halten. Sie verweigern den Gefangenen den Status und damit auch die Rechte von Kriegsgefangenen. Nur die wenigsten Häftlinge haben Rechtsbeistand und wissen überhaupt, was ihnen genau vorgeworfen wird.

Kein Zugang für UN-Leute

Die Häftlinge stammen aus rund dreißig verschiedenen Ländern und waren nach dem US-geführten Einmarsch in Afghanistan im Winter 2001 festgenommen worden, vor allem in Afghanistan und dem benachbarten Pakistan.

Nach dem Selbstmord von drei Häftlingen mehrten sich zuletzt die Rufe nach einer Schließung des Lagers.

Auch die Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen sprachen sich für diesen Schritt aus. "Der gleichzeitige Selbstmord von drei Gefangenen (...) war in gewisser Hinsicht vorhersehbar, wenn man die anhaltend harten Bedingungen ihrer Gefangenschaft betrachtet", hieß es in einer Erklärung.

Fünf UN-Menschenrechtsexperten hatten mehrmals versucht, im Gefangenenlager Interviews mit Inhaftierten zu führen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/AFP/dpa)