Nach Erschießung kurdischer Aktivistinnen Mord-Ermittlungen gegen Verdächtigen

Nach dem Mord an drei kurdischen Aktivistinnen gingen Tausende Kurden auf die Straße. Nun wurde ein Verdächtiger in Paris festgenommen

(Foto: AFP)

Nach der regelrechten Hinrichtung drei kurdischer Aktivistinnen hat die Pariser Staatsanwaltschaft gegen einen Verdächtigen ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes eingeleitet. Er soll aus dem engsten Bekanntenkreis der Frauen stammen.

Als Anfang Januar drei kurdische Aktivistinnen in Paris regelrecht hingerichtet wurden, war die Frage nach dem oder den Tätern noch völlig ungeklärt. Nun wurde der Chauffeur einer der Frauen einem Untersuchungsrichter in Paris vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft hat gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes eingeleitet.

Bei dem 30-Jährigen handele es sich möglicherweise "um den oder einen der Täter", sagte Staatsanwalt François Molins am Montag in Paris. Der Vorwurf gegen ihn lautet "Mord mit terroristischem Hintergrund" und "Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung zur Vorbereitung von Morden mit terroristischem Hintergrund."

Die Ermittlungen gingen derzeit in Richtung einer "internen Vergeltungstat", hieß es am Montag aus Ermittlerkreisen. Offenbar wurden an der Kleidung des MannesSpuren gefunden, die von Schüssen stammen könnten. Der Verdächtige weise zwar jede Verwicklung in die Mordfälle zurück; er habe sich aber in Widersprüche verstrickt.

Aus dem engsten Bekanntenkreis

Der Mann stammt nach Informationen der Agentur AFP aus dem engsten Bekanntenkreis der ermordeten Frauen. Er soll ein in der Türkei geborener Kurde sein, der in einem Vorort von Paris wohnt. Der Onkel des Mannes erklärte jedoch Berichten zufolge einem Nachrichtensender, sein Neffe sei kein Kurde und pflege auch keine Verbindungen zur PKK. Dies bestätigten Mitglieder der türkischen Gemeinde in Paris dem Independent.*

Am Donnerstagnachmittag war der 30-Jährige zusammen mit einem anderen Bekannten der Frauen beim Einsatz einer Antiterroreinheit und der Pariser Mordkommission festgenommen worden. Der zweite Bekannte sei kurz darauf aber wieder frei gekommen, zitiert die AFP aus Gerichtskreisen.

Bei der Erschießung kam Fidan Dogan, eine 32-jährige Mitarbeiterin des Kurdischen Informationszentrums Paris ums Leben. Sie war nach Angaben der Vereinigung der Kurdenverbände in Frankreich auch Vertreterin des Kurdischen Nationalkongresses in Paris. Auch Sakine Cansiz, eine Gründerin der verbotenen "Arbeiterpartei Kurdistans" (PKK), sowie die junge Aktivistin Leyla Söylemez wurden erschossen. Nach ihrer Ermordung waren Kurden in Frankreich und der Türkei zu Großkundgebungen und Trauermärschen auf die Straße gegangen.

* Update, 23. Januar 11:40 Uhr: Nach einem Leserhinweis ergänzt, Überschrift geändert