Ein Kommentar von Gunnar Herrmann, Stockholm

In nur vier Jahren will Islands Regierungschefin Johanna Sigurdardottir ihr beinahe bankrottes Land zum Mitglied der Eurozone machen. Ein großes Versprechen.

Es ist ziemlich ungewiss, ob sie es erfüllen kann. Mehrere isländische Parteien lehnen eine Mitgliedschaft ab. Der Ausgang des geplanten EU-Referendums ist völlig offen. Sigurdardottir wird es schwer haben, ihre Mitbürger von den Vorteilen der EU zu überzeugen. Denn Europäer und Isländer knüpfen sehr unterschiedliche Erwartungen an einen Beitritt. Die Isländer mögen die EU wegen ihrer stabilen Währung, sie wollen rasch den Euro. In anderen Bereichen dagegen würden sie lieber außen vor bleiben, etwa bei der Fischerei.

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Siegerin der Wahlen in Island: Johanna Sigurdardottir (© Foto: dpa)

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Die gemeinsame Fischereipolitik ist ein Kernbereich der Union. Kaum vorstellbar, dass Brüssel ein neues Mitglied auch nur teilweise davon befreit. Der Euro dagegen ist wirtschaftlich soliden Ländern vorbehalten. Ob Island mit einer Inflationsrate von gut 15 Prozent und stetig wachsender Verschuldung die Stabilitätskriterien erfüllen kann, ist fraglich. Auch in diesem Punkt ist eine Ausnahme unwahrscheinlich - denn die müsste dann auch für andere Schwellenländer gelten, etwa im Baltikum.

Bei allen Schwierigkeiten: Die EU hat auf Island eine Menge zu gewinnen. Die Beitrittsbestrebungen werden in Norwegen und Grönland, beides keine EU-Mitglieder, mit Interesse verfolgt. Die nordatlantischen Nachbarn haben ähnliche Vorbehalte, vor allem wenn es um die Fischerei geht. Gelänge es der EU, die Isländer zu überzeugen, hätte das Signalwirkung. Und Brüssel könnte seinen Einfluss in einer strategisch und wirtschaftlich immer wichtiger werdenden Region stärken.

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(SZ vom 27.04.2009/lala)