Die USA boten Teheran Verhandlungen an, weil sie auf einen Machtwechsel hofften. Skeptiker halten das für naiv - und feilen schon an neuen Sanktionen.
Hillary Clinton hatte sich fest vorgenommen, nicht mehr als nichts zu sagen zur Lage in Teheran. Allenfalls Belangloses sollte ihr über die Lippen kommen, als sie sich am Rande eines Kurzbesuchs in Kanada zu einer Pressekonferenz aufraffte. Also etwa, dass "die Vereinigten Staaten sich eines Kommentars enthalten" zum Resultat der iranischen Wahlen. Oder dass "wir natürlich hoffen, dass das Ergebnis den wahren Willen und Wunsch des iranischen Volkes spiegelt."
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Der ultrakonservative Mahmud Ahmadinedschad wurde als iranischer Präsident bestätigt. Die USA hatten auf einen Machtwechsel gehofft - wie sie nun mit dem Ergebnis umgehen wollen, ist vorerst unklar. (© Foto: Getty)
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Allein, die Art und Weise wie die US-Außenministerin solcherlei Nichtssagendes von sich gab - das eben sprach Bände. Mit müden Augen blickte Clinton in die Kamera, ihre Stimme klang tonlos. Und Clintons blasse, fast fiebrig glänzende Miene ließ erkennen: Der Sieg des Mahmud Ahmadinedschad war eben genau nicht das Ergebnis, das sich die Obama-Regierung gewünscht hatte. Doch nur Vizepräsident Joe Biden ließ das offiziell durchblicken und äußerte Zweifel an der Korrektheit der Wahl.
Von den Protesten beeindruckt
Amerikas Enttäuschung offen eingestehen angesichts der neuen (und zugleich schrecklich alten) Lage in Teheran - das mag keiner der engen Berater von Barack Obama. Anonym loben sie, wie viele Iraner sich am Freitag an der Wahl beteiligt haben. Und höchst inoffiziell zeigt sich Washington beeindruckt von "den lebhaften Protesten" der Opposition. Aber die Frage, ob oder wann die US-Regierung nun den Wahlsieg Ahmadinedschads - also eines selbsterklärten US-Feindes und Holocaust-Leugners - anerkennen wolle, bleibt unbeantwortet. Vorerst jedenfalls.
Am Freitag hatte das alles noch anders geklungen. Da hatte sich Barack Obama sehr launig und erstaunlich undiplomatisch eingemischt in "die robuste Debatte, die im Iran stattfindet." Er habe, so erklärte Obama, mit seiner Rede in Kairo "eine klare Botschaft geschickt, dass wir denken, dass es eine Möglichkeit des Wandels gibt." Und sehr unverhohlen räumte der Präsident ein, er wünsche sich im Iran ein ähnlich pro-westliches Ergebnis wie am vorherigen Wochenende im Libanon: "Wir sehen, dass die Menschen nach neuen Möglichkeiten suchen."
Die Hoffnung auf einen amerikanisch-iranischen Neuanfang hat nun einen argen Dämpfer erhalten. "Dies ist das schlechteste Ergebnis überhaupt," kommentiert Thomas R. Pickering, unter Präsident Bill Clinton einst Staatssekretär im State Department, die Lage im Interview mit der New York Times. Zusätzlich zum ohnehin feindseligen Image, das Ahmadinedschad verkörpere, komme nun noch, dass dessen Legitimität als Machthaber auch im Iran bestritten werde: "Der Eindruck, dass sie einen solchen Präsidenten umgarnt, muss der US-Regierung Sorgen machen."
"Nicht bereit sein zum Dialog"
Umgekehrt sieht Bruce Riedel, ein Brookings-Experte und einflussreicher Vordenker der US-Politik im Mittleren Osten, auch Teheran vorerst unfähig zum Dialog mit dem amerikanischen Erzfeind: "Ein Iran, der selbst Unruhen erlebt, wird nicht bereit sein zum Dialog mit Obama."
Genau dafür wollte Obama sich viel Zeit nehmen. Mitte Mai hatte er persönlich angekündigt, er werde Teherans Bereitschaft zu ernsthaften Gesprächen bis Ende des Jahres testen - und ausloten, was das Regime zu sagen habe zum mutmaßlichen Sponsoring von Terrorgruppen oder zu den suspekten Plänen, per Urananreicherung die Fähigkeit zum Bau von Atombomben zu erlangen.
Obamas großzügiger, weil geduldiger Zeitplan überraschte viele Nahost-Experten - und schockierte Benjamin Netanjahu, den israelischen Premier. Denn der saß, da Obama seinen Kalender zum Frieden im Oval Office offenbarte, versteinert neben ihm. Am Wochenende höhnte nun Israels Vize-Premier Silvan Shalom, Irans Wahlergebnis sei "ein Schlag ins Gesicht" für alle, die da glaubten, "dass der Iran bereit sei zum ehrlichen Dialog mit der freien Welt über einen Stopp seines Atomprogramms."
Schärfere Sanktionen
Im US-Kongress dürfte Ahmadinedschads Sieg vor allem jene Skeptiker stärken, die Obamas Strategie eh für naiv halten. "Dies kann bedeuten, dass wir unter Druck geraten mit unserem Zeitplan", räumt am Sonntag ein hochrangiger Diplomat ein.
Und Insider, die zuletzt schon von einem Kompromiss über Irans Atomprogramm raunten (etwa sehr begrenzte Erlaubnis von Urananreicherung bei zugleich scharfer internationaler Kontrolle), fürchten nun Rückschläge: Im Repräsentantenhaus feilt eine Gruppe Israel-freundlicher Abgeordneter bereits an einem Gesetz für schärfere US-Sanktionen gegenüber Teheran.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 15.06.2009/mikö)
Das Iranische Volk hat gewählt. Ahmadinedschad hat haushoch gewonnen, demokratische
Länder sollten dies akzeptieren und respektieren.
Westliche Länder, generell, sowie Regierungen sollten sich nicht in innerpolitische
Angelegenheiten anderer Länder einmischen. Siehe u. a. Deutscher Bundestag
Drucksache16/65116, Wahlperiode14. 02. 2006, Antrag der Abgeordneten Jürgen Trittin etc.
Die Bundesregierung ist aufgefordert, die Herausbildung ...................
Obiger Eingangs-Text ging bei der Übertragung verloren.
Neuronet
Die Bundesregierung ist aufgefordert, die Herausbildung einer demokratischen iranischen Opposition politisch und soweit gewünscht und erforderlich finanziell zu unterstützen, um eine handlungsfähige Alternative zum iranischen Regime zu fördern.
Die Bundesregierung soll die Opposition unterstützen und gleichzeitig
"vertrauensvolle Atomgespräche" mit Ahmadinedschad führen !!!
Mir ist nicht bekannt, dass der Iran sich jemals in innerpolitsche Angelegenheiten
Deutschlands, insbesondere Wahlen eingemischt hat.
Inwieweit Regierungen involviert sind mag jeder selbst recherchieren.
Es besteht eine hohe Diskrepanz in der deutschen Berichterstattung, Realitätswahrnehmung und des Global Peace Index, bezüglich Iran und Israel. Der Global Peace Index wir von Experten aus aller Welt u. a. aus USA, Kanada , Niederlande und Australien erstellt. Kriterien sind z. B. Beziehungen zu Nachbarländern, Zahl der verdrängten Personen in Prozent der Einwohnerzahl, Möglichkeit von Terroranschlägen, Anzahl von Morden, Grad des Respektes für Menschenrechte usw.. Während sich der Iran zum Vorjahr um 6 Plätze verbesserte auf Rang 99, rutschte Israel von Platz 136 auf Platz 141 (viertletzter Platz). Nordkorea liegt einige Plätze vor Israel. Das friedlichste Land ist Neuseeland.
Kommentieren ! Ich bin nicht Mölle - Mann.
Das iranische Atomprogramm ist nach einem gemeinsamen Bericht aller US-Geheimdienste offenbar weit weniger bedrohlich. In einem veröffentlichten "National Intelligence Estimate" kommen die 16 US-Geheimdienste zu dem Schluss, dass Teheran im Herbst 2003 als Reaktion auf den internationalen Druck sein Atomwaffenprogramm eingestellt habe. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass das Programm inzwischen wieder aufgenommen worden sei.
Obamas Rechnung wird aufgehen. Die Amerikaner wollen einen Wandel, auch in der
Außenpolitik. Netanyahus Grundsatzrede hat die Amerikaner herausgefordert.
Neuronet
Die voreilige Kritik an Obamas Aussenpolitik gegenüber der muslimischen Welt im Allgemeinen und dem Iran im Besonderen geht fehl. Wer Obama Naivität unterstellt, hat den grundlegenden Gedanken seines Ansatzes nicht verstanden und macht sich zum Sprachrohr der Kritiker Obamas aus den Reihen der Republikaner in den USA. Obamas Kairoer Rede war nicht in erster Linie an die autoritären Regime, sondern an die Menschen der muslimischen Welt gerichtet. Nicht die Erwartung einer plötzlichen Verhaltensänderung der Regime ist das Grundmotiv, sondern die Vertrauensbildung in den Bevölkerungen der Staaten des nahen und mittleren Ostens. Nicht Ahmadinejad und Chamene'i waren der vorrangige Adressat der Kairoer Rede, sondern die nach mehr Freiheit lechzende Jugend Irans. Wer dies verstanden hat, wird die Bedeutung der gegenwärtigen Ereignisse im Iran nicht im - tatsächlich vorhersehbaren - besitzstandswahrenden Verhalten des iranischen Regimes sehen, sondern in der Bereitschaft der iranischen Bevölkerung, endlich auf die Strasse zu gehen und ihrem Unmut Luft zumachen. Es ist etwas in Bewegung geraten im Iran. Für viele Menschen im Iran ist das Feindbild nicht mehr länger der amerikanische Präsident, sondern das iranische politische Establishment. Im Lichte einer solchen Perspektive auf die Folgewirkungen der Wahl im Iran hat Obama schon einiges erreicht. Naiv ist, wer dies nicht sieht.
Niemand entgeht dem Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen. Ahmadinedschad hat das Vertrauen seines Volkes eingebüßt. Alle Schreierei gegen den Westen kann es ihm nicht wieder bringen. Auch der Wächterrat der Ayatollahs sieht vermutlich nunmehr ein, dass er von jetzt ab innenpolitisch weniger erfolgreich sein wird.
Der Westen kann ruhig abwarten und Tee trinken.
In der amerikanischen Außenpolitik wird es wieder so laufen wie schon immer. Man unterstützt die Gegner des Regimes. Man rüstet sie auf, man gibt ihnen Geld, ... . Und nach 10 Jahren stellt man fest, dass das der falsche Weg war.
Jedes Volk hat die Regierung die es verdient. Iran verdient einen Ahmadinedschad. Amerika auch einen Obama.
Paging