Warum die Sozialdemokraten in Hessen vor allem auf eine Koalition mit den Grünen und der FDP setzen.
Am Tag nach dieser bewegten Nacht von Wiesbaden bewegte sich erst einmal niemand. Das war nicht anders zu erwarten gewesen, in Hamburg steht die nächste Wahl an, weshalb für jede Aussage, die nun zu früh in die eine oder andere Richtung getroffen wird, prompt die Quittung der Wähler folgen kann.
Raues Klima: Nach diesem Wahlkampf sind die Fronten zwischen Roland Koch und Andrea Ypsilanti zusätzlich noch verhärtet. (© Foto: AP)
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Vor Hamburg wird in Hessen kaum etwas Entscheidendes passieren, weshalb man die festgefahrenen Positionen von Montag nicht überbewerten sollte. Was gehen könnte in Hessen, ist noch unklar; klar ist eigentlich nur, was nicht geht - oder dieser Tage noch nicht vorstellbar ist.
SPD und Grüne jedenfalls haben sehr schnell vernehmen lassen, was sie sich nun wünschen: ein Ampelbündnis mit der FDP. In dieser Situation konnte einem Dieter Posch beinahe leid tun. Von allen Parteienvertretern, die im Wiesbadener Landtag vor die Presse traten, wurde der ehemalige hessische Wirtschaftsminister der FDP am hartnäckigsten befragt - wobei der Kern sämtlicher Fragen darin bestand, ihm wenigstens einen Halbsatz zu entlocken, der in Richtung Ampel weisen könnte.
Bei den Sozialdemokraten verfolgten sie das Verhör mit Genugtuung. Es wird ein wichtiger Teil ihrer Strategie sein, über die Medien Druck auf die FDP aufzubauen. Umso bequemer war es am Montag, sich einfach zurückzulehnen und zu sehen, wie er von selbst entstand. Es dürfte nur eine harmlose Vorstufe gewesen sein: Bei den Sozialdemokraten hat die Ampel jetzt Priorität - und da die Liberalen sich kompromisslos geben, wird die SPD versuchen müssen, sie in die Rolle einer Partei zu drängen, die das Land blockiert - nur weil sie sich vor der Wahl auf einen anderen Partner festgelegt hat.
Deutliche Signale
Die Sozialdemokraten haben auch kaum eine andere Wahl. Ein rot-rot-grünes Bündnis wird derzeit nicht einmal von denen ernsthaft erwogen, die innerhalb der Partei weit links stehen. Als schlicht utopisch erscheint dort die Vorstellung, auf rein pragmatischer Ebene mit einer Partei zusammenzuarbeiten, die erstens die parlamentarischen Spielregeln noch nicht beherrscht und zweitens von einer Basis abhängt, die einer Regierungsbeteiligung zu großen Teilen kritisch gegenübersteht sowie auf Parteitagen zu Übersprungshandlungen neigt.
Hinzu kommt, dass die SPD-Spitzenfrau Andrea Ypsilanti eine Zusammenarbeit kategorisch ausschließt. Beides weiß auch der Linken-Landesvorsitzende Ulrich Wilken sehr genau - und öffnete doch am Montag die Arme wieder weit in Richtung SPD. "Es gibt eine Mehrheit links von der CDU, und wir werden uns auf keinen Fall verschließen, diese arithmetische Mehrheit auch zu einer politischen werden zu lassen", sagte er. Man sei jederzeit gesprächsbereit.
Womit als nächste Möglichkeit die Große Koalition bleibt. Da CDU und SPD gleich viele Sitze haben werden, wäre zunächst zu klären, wer den Ministerpräsidenten oder die Ministerpräsidentin stellt. Wegen des Vorsprungs der CDU von 0,1 Prozentpunkten aber bliebe der SPD wohl nur die Rolle des Juniorpartners, weshalb sie dieses Bündnis vermeiden will. Die CDU hingegen könnte so doch den Regierungschef stellen, weshalb die Große Koalition nun in der Bundespartei vernehmlich gefordert wird.
Hier aber kommt eine Komponente ins Spiel, die man in Hessen nicht unterschätzen darf. Das politische Klima ist dort so rau wie sonst wohl nirgends in der Republik; über die Jahre haben sich viele Verletzungen angehäuft. Nach diesem Wahlkampf sind die Fronten zusätzlich noch verhärtet, auf beiden Seiten blieben Narben zurück.
Andrea Ypsilanti etwa hat es tief verletzt, dass in der Schlussphase des Wahlkampfs ihr Privatleben thematisiert wurde: Sie hat ihren Sohn auf ein privates Gymnasium geschickt, was sie damit begründet, dass es keine Ganztagsschule in der Nähe ihres Wohnorts gebe. Daraus wurde dann der Vorwurf des Salonsozialismus abgeleitet - mit Auswirkungen auch für ihren Sohn.
Geduld und Zurückhaltung
Noch härter ist der Ton zwischen CDU und Grünen. Deren Fraktionschef Tarek Al-Wazir beharrt darauf, ein CDU-Abgeordneter habe ihm einst zugerufen "Geh zurück nach Sanaa" - während die CDU beteuert, der Halbjemenit sei als "ein Student aus Sanaa" tituliert worden. Gegen Roland Koch hegt Al-Wazir eine tiefe Abneigung, da er ihm noch immer dessen Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft von 1999 übelnimmt. Ein Jamaika-Bündnis ist in Hessen so wahrscheinlich wie eine Männerfreundschaft zwischen Koch und Oskar Lafontaine.
Auf der persönlichen Ebene wäre die Ampel noch am unkompliziertesten. Und inhaltlich, so bemühen sich die Sozialdemokraten jetzt klarzustellen, seien die Differenzen zu überbrücken. Man wolle gar nicht sofort eine Gemeinschaftsschule einführen, heißt es mit Verweis auf den parteilosen Schatten-Bildungsminister Rainer Domisch - der tatsächlich moderatere Positionen vertritt, als sie im Wahlprogramm stehen. Auch für den Ausbau des Frankfurter Flughafens ist der Weg bereits frei, eine neue Regierung muss den Prozess vor allem moderieren - wobei sich die SPD ohnehin zum Ausbau bekennt.
Nun wird es auf Geduld ankommen. Die SPD will die Arme so lang für die FDP offenhalten, bis die Liberalen kaum noch anders können - auch um den Preis, dass Roland Koch über den 5.April hinaus als geschäftsführender Ministerpräsident im Amt bleiben könnte, jenen Tag, an dem sich der neue Landtag konstituiert. Man werde die Liberalen dann schon mit der staatspolitischen Räson packen können, heißt es. Die FDP wiederum könnte sich in ihrer Verweigerung einrichten und hoffen, die SPD doch in ein rot-rot-grünes Bündnis zu drängen, das schnell platzt.
Sollte sich Andrea Ypsilanti als Ministerpräsidentin zur Wahl stellen, hätte sie die Stimmen der Linken in jedem Fall - ob sie diese will oder nicht. Die Linke hat das mehrmals angekündigt, stets mit schadenfrohem Unterton.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 29.01.2008/ckn)
Stockender Kita-Ausbau
Das ganze Koalitions-Hickhack könnte man sich sparen, wenn alle Beteiligten erst mal den Kopf einschlaten würden und das Problem "salomonisch" elegant lösen würden.
asdasd
Sind die Rituale für die Medien und für uns. Roland und Andrea laden zu Gesprächen ein, logischerweise die Linken nicht, vor 30 Jahren hat auch keiner die Grünen eingeladen.
Dann ewige Interviews mit den bekannten Zahlenspielen. Die üblichen Drohgebärden und -adressen an den vermeintlichen Bündnispartner.
Im Hintergrund werden in der zweiten Reihe aber schon Gespräche und Verbindungen geknüpft, in kleinen Lokalen, die sind wichtig.
Das geht so bis zur Hamburgwahl.
Wenn die vorbei ist, geht es Schlag auf Schlag.
Koch und Ypsilanti stellen sich zur Wahl Andrea Ypsilanti wird gewählt.
Wette 100,-- EUR.
Danach wird die CDU lamentieren, das Ypsilanti ja mit den Stimmen der Linken gewählt.
Ypsilanti wird erklären, sie könne ja nicht den Linken das wählen verbieten.
Und gut ist.
Für mich ist interessant, ist die Show bis zur Wahl unterhaltend oder nicht?
Wie kreativ gestalten die Parteien und Medien diese Show für mich?
Sich mal bis Ende Februar zurücklehnt und zu guckt..
Die Zustimmung der Wähler zu YXlern und Kochs beschränkt sich auf jeweils ein Drittel der zur Wahl erschienenen Wahlberechtigten. Das berechtigt weder die YXler noch die Kochs, von irgendeinem "Neuen Deutschland Dank Yxler" oder "...alles in Ordnung Dank Kochs" zu sprechen. Beide einschließlich ihrer Brüder und Schwestern im Geiste bei FDP und "Die Grünen" sollten ganz ruhig sein und sich in ihrem Berufspolitikertum ein wenig von "Der Linken" beraten lassen. In Kürze werden sich sowieso die YXler samt den Grünen den Linken anbiedern und klammheimlich gegenseitige Absprachen treffen. Die Steigbügelhalter für Rot-Grün wird "Die Linke" sein. Und das ist auch gut so - endlich wieder eine Linke in Deutschland an der Macht, die anders als die SPD nicht verheimlicht und vertuscht, daß sie LINKS ist.
Dass sich Guido Westerwelle immer noch erhofft früher oder später eine stabile Koalition mit der CDU bilden zu können, ist nicht nur ein grosses Ärgernis für die SPD, sondern schlicht und ergreifend verantwortungslos. Die Politik versteht es nämlich keinesfalls mehr, die Unternehmen in ihrem Hunger nach Rendite zu zügeln und deshalb erweisen sich Westerwelles neoliberale Träumereien auch immer mehr als grosser Unfug. In NRW wurde dies nun endlich deutlich.
Natürlich wollen es auch die Wirtschaftsliberalen in der Union nicht wahrhaben, dass sich die Wähler wegen der Sehnsucht nach mehr sozialer Gerechtigkeit mal mehr und mal weniger von der CDU abwenden, sondern wollen uns allen Ernstes glauben machen, die Union verliere Wähler an die SPD weil sie zu wenig wirtschaftsliberal sei.
Diese Logik verstehe wer will. Es ist eben die von selbsternannten Experten, die unbedingt verhindern wollen, dass sich die Deutschen von der Geissel des Neoliberalismus befreien, die nur mehr Armut sogar für die Mittelklasse erzeugt.
Dass eine 10% Prozent-Datei, der es vor sozialer Verantwortung graust, sich den deutschen demokratischen Gesetzen so verweigert ist ein grosser Skandal.
Paging