Nach den Landtagswahlen Wahlverlierer am politischen Abgrund

Einige Spitzenkandidaten waren hoch geklettert - und sind bei den Landtagswahlen tief gestürzt. Zwei Wochen danach hängen manche noch über dem Abgrund, andere hangeln sich wieder nach oben.

Von Susanne Höll, Josef Kelnberger und Cornelius Pollmer

Der Gefangene: Guido Wolf (CDU)

Bis zum Wahltag hatte Guido Wolf immer wieder von Demut gesprochen. Hatte erklärt, die Niederlage der baden-württembergischen CDU im Jahr 2011 sei kein Zufall gewesen, kein unverdienter Schicksalsschlag. Doch seine Partei habe gelernt aus den Jahren ohne Bodenhaftung. "Nah bei den Menschen" lautete sein Slogan. Deshalb ist es eine fast tragische Wendung, dass Guido Wolf seit Schließung der Wahllokale am 13. März als ein Gefangener der alten Christdemokratischen Union gilt: Geht es ihnen am Ende doch nur um Macht?

Guido Wolf ist ein besonnener, verträglicher, humorvoller Mensch. Selbst Grüne halten ihn für einen weltoffenen Christdemokraten. Was ihn geritten hat, am Wahlabend den Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten als Chef einer schwarz-rot-gelben Koalition zu vertreten, kann sich niemand so recht erklären. Allen musste doch klar sein: Die SPD, seit fünf Jahren Partner der Grünen, würde legitimerweise nur das Lager wechseln können, falls Wolf auf Rang eins landet. Doch auf Rang eins kam Kretschmann. Das war ein Volksentscheid für den Grünen.

Guido Wolf, 54, war bis 2011 Landrat von Tuttlingen, von 2011 bis 2015 Landtagspräsident in Baden-Württemberg. Im Mitgliederentscheid um die Spitzenkandidatur setzte er sich gegen CDU-Landeschef Thomas Strobl durch.

(Foto: dpa)

Bestimmt war es eine bittere Erfahrung für Wolf, gegen diesen Volkshelden Wahlkampf zu führen. Umfrage für Umfrage ergab niederschmetternde Werte im persönlichen Vergleich, fast irrational, andererseits auch wieder logisch. Denn Wolf führte eine Partei, die den Anschluss an den Zeitgeist verpasst hatte. Mit einem Rücktrittsangebot nach der Wahl hätte Wolf die Lage bereinigen können. Doch seine Verweigerung wirkte selbst auf Parteifreunde befremdend: Man habe sich "geschämt" für ihn. Er blende die Realität aus, verschanze sich in einer Wagenburg, sei beratungsresistent, so heißt es.

Als Fraktionschef sondiert er nun ein Bündnis, das er so (Grün vor Schwarz) vor der Wahl für nicht akzeptabel erklärt hatte, in Konkurrenz zum Parteichef Strobl, mit steter Kritik aus der eigenen Partei konfrontiert: Repräsentant einer CDU, die ihre Mitte sucht.