Jene, die wirklich wichtig sind in der CDU, nehmen Merkel in Schutz. Wenn aber Christian Wulff und Jürgen Rüttgers die Kanzlerin verteidigen müssen, dann ist es schon ein schlechtes Zeichen, dass sie das überhaupt nötig hat. Und wenn sich Althaus und Müller zu lange an die Macht klammern, wirft das ein schlechtes Licht auf die CDU.

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Merkels zweites Problem besteht darin, dass selbst sie trotz aller Popularität einen Koalitionspartner braucht. Die Ergebnisse vom Wochenende werden aber die Unruhe in der FDP nicht mindern. Die Liberalen fühlen sich im Saarland und in Thüringen um die Chance gebracht zu regieren, weil die CDU ihren Teil nicht liefert. Und sie sorgen sich, dass es am 27. September im Bund auch so sein könnte.

Die FDP verschweigt dabei gerne, dass ihre Zugewinne vor allem vom Unions-Konto abgebucht werden. Das war in Hessen so, in Bayern, bei der Europawahl und auch an diesem Sonntag. Die Sorge der Union, jenseits von ihr könne eine Protestpartei entstehen, so wie die SPD es mit der Linken erlebt hat, ist überholt. Es gibt sie schon: die FDP.

Ob ein drittes Problem für Merkel dazukommt, hängt davon ab, ob die SPD irgendwann den Unsinn glaubt, den sie selbst erzählt. Dafür spricht zum Beispiel der Jubel, mit dem die SPD im Saarland mehr als sechs Prozentpunkte Verlust quittiert. Die Sozialdemokraten haben seit Monaten nichts als Niederlagen zu verkraften, daran ändert auch ein kleiner Zugewinn in Thüringen nichts. Sie delektieren sich an den schwarzen Verlustbalken und kneifen bei den roten die Augen zu.

Die CDU-Mehrheiten in Saarbrücken und Erfurt sind vor allem von der Linken gebrochen worden, Schwarz-Gelb ist von Linken und Grünen verhindert worden, die SPD profitiert nur davon. Die Sozialdemokraten hängen in einem zerbeulten Auto am Abschleppwagen von Oskar Lafontaine und rufen: Seht her, wie gut wir vorankommen!

"Künstliche Euphorie"

Diese Euphorie ist künstlich. Aber die SPD hätte nicht elf Jahre lang regiert, verfügte sie nicht unter allen Parteien über die größte Fähigkeit, sich ihre Lage autosuggestiv schönzureden. Und man darf die Wirkung nicht unterschätzen, die selbst das Irrationale in der Politik erzielen kann. Die Union und Merkel selbst haben das in einem ganz anderen Zusammenhang vor einigen Monaten erlebt: Mitten in der Wirtschaftskrise ist damals Merkels Wirtschaftsminister zurückgetreten, im Grunde ein Desaster. Der Nachfolger war eine Notlösung, profilierte sich gegen die Kanzlerin und gehört heute trotzdem neben ihr zu den populärsten Politikern in Deutschland. Man nennt das ein Paradoxon.

Genau darauf setzt jetzt auch die SPD. Im Saarland will sie einen Ministerpräsidenten von Lafontaines Gnaden einsetzen. Es wäre eine Koalition mit der Linkspartei, von der Franz Müntefering nach der Europawahl gesagt hatte, sie habe ihren Höhepunkt überschritten, obwohl sie inzwischen stärker geworden ist, als sie unter seinem Vorgänger Kurt Beck je war. Und im Bund setzt die SPD zwar nicht auf eine Regierungs-, wohl aber auf eine Verhinderungsmehrheit mit der Linken. Sollte Oskar Lafontaine, der die SPD so brutal bekämpft hat, jetzt den Sozialdemokraten helfen, eine Koalition aus Union und FDP zu verhindern, wäre das auch ein Paradoxon. Und Oskar Lafontaine in gewisser Weise der Karl-Theodor zu Guttenberg der SPD.

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(SZ vom 01.09.2009/segi)