Nach dem Unfall Tsvangirai verlässt Simbabwe

Einen Tag nach seinem schweren Autounfall fliegt Simbabwes Ministerpräsident Tsvangirai ins Nachbarland Botswana.

Einen Tag nach seinem schweren Autounfall hat der simbabwische Ministerpräsident Morgan Tsangirai am Samstag das Krankenhaus verlassen und ist ins benachbarte Botswana geflogen.

Morgan Tsvangirai beim Verlassen des Krankenhauses. Seine Ehefrau ist bei dem Unfall ums Leben gekommen.

(Foto: Foto: AP)

Nach Angaben eines Arztes hatte Tsvangirai Kopf- und Brustverletzungen erlitten. Seine Frau Susan war bei dem Unfall ums Leben gekommen.

In Botswana werde sich der Ministerpräsident werde sich weiteren medizinischen Untersuchungen unterziehen, sagte ein Sprecher von Tsvangirais Partei Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC). Wann der Politiker zurückkehre, wisse er nicht. "Sein Wohlergehen hat jetzt höchste Priorität", sagte der Sprecher.

Der Präsident Botsuanas habe ihm sein Privatflugzeug zur Verfügung gestellt, hieß es ebenfalls aus Kreisen von Tsvangirais Partei MDC. Botsuanas Präsident Ian Seretse Khama gehört zu den wenigen führenden Politikern Afrikas, die Mugabe offen kritisieren.

Tsvangirais Partei fordert unterdessen Ermittlungen, wie es zu dem Unfall gekommen ist. Zugleich warnte Parteivize Tendai Biti angesichts aufkommender Gerüchte über einen möglichen Anschlag aber vor voreiligen Schlüssen. Bevor über den Unfall spekuliert werden könne, müsse untersucht werden, was passiert sei, erklärte Biti, der Generalsekretär der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC).

Seinen Angaben zufolge hätte der Zusammenstoß vermutlich vermieden werden können, wenn der bisherige Oppositionsführer, der das Land seit vergangenem Monat zusammen mit Präsident Robert Mugabe regiert, einen Konvoi wie der Staatschef zur Verfügung gehabt hätte.

Der Wagen Tsvangirais war gestern am Stadtrand von Harare mit einem Lastwagen zusammengestoßen, der amerikanische Hilfsgüter transportierte. Der Lkw kam nach Berichten des staatlichen Fernsehens auf einem kurvigen Stück der Straße von seiner Fahrbahn ab. Die staatliche Zeitung The Herald zitierte einen Polizisten mit der Aussage, der Transporter könnte zuvor über einen Gegenstand auf der Fahrbahn gefahren sein.

Ein Sprecher der US-Botschaft in Harare sagte, der Lastwagen sei von einem von den USA eingestellten Fahrer gesteuert worden. Er habe von den USA finanzierte Aids-Medikamente transportiert. Die Gruppe um Tsvangirai war unterwegs zu einer politischen Versammlung in die Heimatregion des Ministerpräsidenten südlich von Harare. Auch der Fahrer und ein Personenschützer im Wagen Tsvangirais wurden laut dem Herald-Bericht vom Samstag verletzt.

Die britische Regierung schließt indes einen Anschlag aus. Der Lastwagen, mit dem Tsvangirais Wagen kollidiert war, habe einer britisch-amerikanischen Organisation gehört, teilte das Außenministerium in London mit. "Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen wirklichen Unfall gehandelt hat", sagte eine Sprecherin. Am Samstag war spekuliert worden, dass der Politiker und seine Frau Opfer eines Attentats geworden waren.

Mit seiner Frau Susan war der Ministerpräsident seit mehr als 30 Jahren verheiratet. Das Paar hat sechs Kinder. Tsvangirai sei zutiefst erschüttert über den Tod seiner Frau, erklärte ein MDC-Sprecher. Noch am Freitagabend besuchte Staatschef Mugabe Tsvangirai kurz im Krankenhaus.

Tsvangirai ist der wichtigste Gegenspieler von Mugabe, der das südafrikanische Land seit 1980 mit eiserner Hand regiert. Seit Februar steht er als Ministerpräsident an der Spitze der Regierung der nationalen Einheit, der auch Mugabes Partei ZANU-PF angehört. Die Koalition kam nach langwierigen Verhandlungen und unter Druck der Nachbarländer, insbesondere Südafrikas, zustande. Auch nach dem Eintritt Tsvangirais in die Regierung sitzen immer noch Dutzende seiner Anhänger in Haft.

Simbabwe hat die mit Abstand höchste Inflationsrate der Welt. Die Arbeitslosigkeit liegt Schätzungen zufolge bei mindestens 80 Prozent. Die Menschen leiden Hunger, und einer Cholera-Epidemie sind seit August fast 4.000 Menschen zum Opfer gefallen.