Wirbel um mutmaßlichen Bombenfund Deutschland im Herbst: Terrorangst und Polizeipräsenz

Sind die Terrorwarnungen ernstzunehmen? In Namibia taucht eine vermeintliche Bombe auf, die womöglich nach München gelangen sollte. Mehrere Extremisten sollen unterdessen auf dem Weg in die Bundesrepublik sein. Und dann sind da noch zwei Daten im Umlauf, an denen angeblich Anschläge geplant sind.

Von Susanne Höll und Annette Ramelsberger

Nach dem Fund eines verdächtigen Koffers in Namibia, der für ein Flugzeug nach München bestimmt gewesen sein soll, hat die Bundesregierung den Eindruck verstärkt, Deutschland stehe im Visier von Terroristen. Obwohl am Donnerstagabend noch unklar war, ob es sich bei dem Fund um eine Bombe handelt, blieben die Behörden in Alarmbereitschaft.

Der Koffer war am Mittwoch auf dem Flughafen Windhuk in Namibia gefunden worden, kurz bevor er in eine Air-Berlin-Maschine mit Ziel München verladen werden sollte. Laut Bundeskriminalamt enthielt er Zünder, Batterien und eine laufende Uhr. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung war die Zündvorrichtung in einem Kissen versteckt, das in einer Laptoptasche steckte. Diese war mit Folie verschweißt. Die namibische Polizei hatte am Mittwoch die deutsche Botschaft alarmiert und ihr den Koffer als "wahrscheinlich sehr gefährlich" präsentiert. Die Maschine wurde daraufhin entladen und mit Spürhunden durchsucht. Die Luftfracht musste aus Sicherheitsgründen am Boden bleiben.

Am Donnerstag tauchten Zweifel auf, ob der Koffer wirklich eine Bombe war. Doch allein der Verdacht reichte, um die Sicherheitsbehörden zu alarmieren. Bundesinnenminister Thomas de Maizière erklärte, er nehme an, dass die mutmaßliche Bombe für den Air-Berlin-Flug nach München bestimmt war. Das Bundeskriminalamt wartet auf Informationen aus Windhuk. Zurückhaltend hieß es: Möglicherweise könnte es sich um einen Testkoffer handeln, mit dem die Sicherheitskontrollen in Windhuk geprüft werden sollten. Ein hoher Sicherheitsbeamter sagte der SZ, dazu würden sehr authentische Vorrichtungen benutzt, die nicht sofort als Attrappe erkennbar seien.

Nach den Funden von Sprengstoffpaketen aus dem Jemen würden überall an Flughäfen solche Tests gemacht. Zwei Aufkleber auf dem Koffer könnten diese These stützen: "x-ray" (Röntgen) und "non-hazard" (ungefährlich) steht darauf sowie die Adresse einer US-Alarmanlagenfirma. Auch der US-Sender CNN berichtete am Abend unter Berufung auf Ermittlungskreise, das Gepäckstück habe kein explosives Material enthalten.

Terroristen auf dem Weg nach Deutschland?

Ob Bombe oder nicht - die deutschen Bürger müssen sich darauf einstellen, dass die seit Mittwoch landesweit höheren Sicherheitsvorkehrungen längere Zeit erhalten bleiben. Das machte de Maizière in Hamburg deutlich, wo er mit seinen Länderkollegen das Vorgehen bei der Terrorabwehr besprach. Zwar ist nach wie vor unklar, wo und wann in Deutschland ein Anschlag stattfinden könnte. Doch gehen die Sicherheitsbehörden Warnungen nach, eine Gruppe von vier oder mehr islamistischen Terroristen sei auf dem Weg nach Deutschland, um hier alsbald ein Attentat zu verüben.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen gibt es ernstzunehmende Hinweise, dass es am 22.November zur Einreise eines Terroristen kommen und auch ein Sprengstoffsatz aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland gelangen könnte. Quellen aus den USA, Israel sowie deutsche Dienste hätten zudem das Datum 30.November genannt, ohne dass man wisse, was an jenem Tag geplant sei.

In dieser Lage war die Bundesregierung bemüht, Zwist über Gesetzesverschärfungen, etwa zur Vorratsdatenspeicherung, zu vermeiden. Unionspolitiker sowie SPD-Innenminister hatten solche Forderungen erhoben. Man könne sich jetzt keinen Streit leisten, hieß es aus Regierungskreisen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte, sie sehe keinen Zeitdruck für eine Novelle.