Nach dem Massaker in Las Vegas Trump: "Zu früh für eine Debatte über das Waffenrecht"

Die meisten Demokraten werden auf Veränderung pochen. Die meisten Republikaner aber, die sich auf den zweiten Verfassungszusatz berufen und am Recht auf den Besitz von Schusswaffen festhalten, werden warten, bis sich die Empörungswelle legt. "Es war eine Tat des absolut Bösen", sagte etwa Präsident Donald Trump. Gemäß seiner Sprecherin Sahra Huckabee Sanders aber sei es zu früh, eine Debatte über das Waffenrecht zu führen: "Es gibt eine Zeit und einen Ort für eine politische Debatte, aber jetzt ist die Zeit, um als Land zusammenzustehen." Wann wird die Zeit für die Debatte sein?

Die beiden unterschiedlichen Positionen in Washington lassen sich gut anhand zweier Politiker nachzeichnen, die beide von Kugeln wildgewordener Amokschützen getroffen wurden. Die damalige Abgeordnete Gabrielle Giffords, eine Demokratin aus Arizona, verlor 2011 beinahe ihr Leben, als ihr während einer Rede aus nächster Nähe in den Kopf geschossen wurde. Bei einem Politiker-Baseballspiel im Sommer dieses Jahres erwischte es den Republikaner Steve Scalise aus Louisiana. Während Giffords am Montag sagte, es sei Zeit für strengere Gesetze, gab sich Scalise bedeckt. Er wiederholte die Worte seines Präsidenten, sprach von Solidarität und forderte die Menschen auf, Blut zu spenden.

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Amerikanisches Volk offen für mehr Regulierungen

30 Millionen Dollar investierte die Waffenlobby NRA in den Wahlkampf und den Sieg Donald Trumps, der im Gegenzug versprach, am Recht jedes Amerikaners auf eine Waffe nicht zu rütteln. Doch dieser zweite Verfassungszusatz stammt aus dem Jahr 1791 und bezog sich auf Gewehre, die man mühselig mit Schwarzpulver laden musste, um einen Schuss abzugeben. Nicht auf Maschinengewehre, wie sie der Schütze in Las Vegas, Stephen Paddock, 64, bei sich im Hotel hatte.

Umfragen zeigen regelmäßig, dass das amerikanische Volk offen wäre für mehr Regulierungen. Insbesondere für sogenannte "Background checks", also Abklärungen der Käufer, und für Verkaufsverbote bei Personen, die sich in psychologischer Behandlung befinden. Immer wieder wird auch diskutiert, ob die Anzahl Waffen, die ein Einzelner kaufen kann, limitiert werden soll. Gemäß Vergleichsstudien mit anderen Ländern würden diese Maßnahmen die Anzahl der Schießereien und Todesopfer reduzieren. Doch die Republikaner blockieren sämtliche Vorstöße mit den immer gleichen Argument: Gegen einen Schützen könne man sich nur wehren, indem man sich selbst bewaffnet. Es ist das Mantra der Waffenlobby NRA.

Wie wenig dieses Argument bringt, zeigen die Worte von Caleb Keeter, dem Gitarristen der Band, die am Abend des Attentats in Las Vegas spielte. Er sei ein Waffenbefürworter gewesen, schrieb Keeter nach dieser Nacht, in der er um sein Leben fürchtete. "Wir haben selbst Waffen in unserem Bus", schrieb er, doch die waren nutzlos. "Hätten wir sie geholt, hätte uns die Polizei womöglich für Täter gehalten", ein Chaos wäre ausgebrochen. Keeter, der Waffenfreund, schrieb, es brauche strengere Waffengesetze - und zwar sofort. "Wie konnten wir nur alle so blind sein."

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