Ein Kommentar von W. Roth

Schlamperei, Inkompetenz und haarsträubende Fehleinschätzungen: Es ist eine Katastrophe, wie die Bahn auf das ICE-Unglück im April reagierte. Sie muss Konsequenzen ziehen.

Wie schwer muss ein Unfall sein, dass man ihn als Katastrophe bezeichnen kann? Die Einschätzung wird unterschiedlich ausfallen, je nachdem, ob die Opfer und ihre Angehörigen oder Außenstehende sie vornehmen.

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Der zerstörte Triebwagen des im April verunglückten ICE. (© Foto: dpa)

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Eine einzige Katastrophe ist aber, was das Regierungspräsidium Kassel in seinem Bericht über das ICE-Unglück zutage brachte, das sich am 26. April im Landrückentunnel bei Fulda ereignete. Die Untersuchung offenbart einen Abgrund an Schlamperei, Inkompetenz und haarsträubender Fehleinschätzung der Lage, nachdem der Zug in eine Schafherde gerast war.

Straßentunnel werden üblicherweise mit Kameras überwacht, im Landrückentunnel aber: Fehlanzeige. Blindes Gottvertrauen ersetzt Unfallprophylaxe, und das auf Strecken, auf denen Hochgeschwindigkeitszüge verkehren.

Der Bericht über den Rettungseinsatz ist eine einzige Abfolge von Pannen, bei denen noch am wenigsten ins Gewicht fällt, dass einer der zur Hilfe gerufenen Zugführer nicht ganz nüchtern zu sein schien. Das Notfallmanagement lief dergestalt ab, dass so gut wie keine Information richtig war oder richtig weitergegeben wurde.

Die Eisenbahn ist tausendmal sicherer als das Auto. Wenn tausendmal nichts passiert, schwindet das Bewusstsein für Risiken. Die ICE-Katastrophe von Eschede und der schwere Unfall im Landrückentunnel mahnen aber zu großer Vorsicht.

Die Deutsche Bahn muss aus diesem Bericht die Konsequenzen ziehen und ein neues Sicherheitskonzept entwickeln. Bahnchef Hartmut Mehdorn aber sollte sich in Grund und Boden schämen, weil er nach dem Unfall sagte, das Krisenmanagement habe hervorragend funktioniert. Es war ein Desaster.

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(SZ vom 15.11.2008)