Nach dem Flugzeugabsturz in Ägypten Terror, Tourismus, Tragödie

Wer noch kommt, so ist für die Ägypter zu befürchten, wird bei den Pyramiden nicht Schlange stehen.

(Foto: AP)

Einer von neun Jobs hängt in Ägypten am Tourismus, nach dem Absturz eines Airbus am vergangenen Wochenende sind viele davon in Gefahr. Damit gerät auch die Stabilität der Gesellschaft ins Wanken.

Ein Kommentar von Paul-Anton Krüger, Scharm el-Scheich

Für Ägypten ist der Absturz von Kogalymavia-Flug 9268 eine Katastrophe, wie sie schlimmer kaum kommen konnte. Was immer sich einmal als Ursache des Crashs herausstellt, der Schaden ist da. Präsident Abdel Fattah al-Sisi und die Regierung haben sich alle Mühe gegeben, Ägypten als sicheres Reiseland darzustellen - was es bisher schon nicht war.

Das aber wurde nun durch die britische Entscheidung, alle Flüge nach Scharm el-Scheich auszusetzen, konterkariert. Und die Lösung, die britischen Urlauber ohne Gepäck nach Hause zu fliegen, ist nicht dazu angetan, das Vertrauen in die ägyptischen Sicherheitsvorkehrungen zu stärken. Gleiches gilt für die Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, den Sisi zu seinen politischen Freunden rechnet, vorerst auch alle russischen Flüge zu stoppen.

Anschläge trotz aller Bemühungen

Ägypten hat versucht, die Aktivitäten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf den Norden der Sinai-Halbinsel zu begrenzen. Doch hat es schwere Autobomben-Anschläge in Kairo gegeben, für die sich die Dschihadisten verantwortlich erklärten. Ein Kroate wurde auf einer viel befahrenen Hauptstraße nahe Kairo entführt und später vom IS enthauptet. Angreifer mit Kalaschnikows und einem Sprengstoffgürtel versuchten, den Karnak-Tempel in Luxor zu attackieren, eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes.

Im Urlaub gefangen

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Dass sie kein Blutbad anrichteten, wie die Attentäter im tunesischen Nationalmuseum Bardo oder am Strand von Sousse, ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass nicht gerade ein Bus mit Touristen auf dem Parkplatz vorfuhr.

Ausländer aus dem Westen und nun auch aus Russland gelten den Terroristen in Ägypten als Ziel, das ist klar. Der Staat des Ex-Generals Sisi mag hart gegen den Terror vorgehen. Zugleich aber nährt die unterschiedslose Repression gegen alles, was nach Muslimbruderschaft riecht oder sonst das Regime kritisiert, jene Kräfte, die Gewalt im Namen des Islam propagieren. Wer das kritisiert, riskiert, als Defätist diffamiert zu werden - und als Ägypter ins Gefängnis zu kommen.

Die Terroristen wissen um die Bedeutung des Tourismus

Für Ägypten ist es eine Tragödie, dass viele Menschen in einem ohnehin armen Land fürchten müssen, ihre Arbeit zu verlieren. Einer von neun Jobs hängt am Tourismus, er gibt vielen weniger gut Ausgebildeten ein Auskommen. Zudem ist er eine der wichtigsten Devisenquellen des klammen Staates. Der ist auf harte Währung angewiesen, nicht nur um für seine ehrgeizigen Rüstungsvorhaben oder für Entwicklungsprojekte zu zahlen, sondern auch für den Weizen, mit dem er die Armen speist.

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Die Terroristen wissen, dass sie die Gesellschaft ins Wanken bringen können, wenn sie diesen wichtigen Zweig der Wirtschaft attackieren, ausgerechnet jetzt, wo das Weihnachtsgeschäft bevorsteht.

Islamistischer Terror, das ist seit dem 11. September 2001 immer klarer geworden, kann einen überall treffen, in New York, Paris, Madrid, London; und auch Berlin, München, Hamburg sind davor nicht gefeit. Doch das Risiko in Ägypten ist deutlich höher. Der Staat ist verrottet, Schlendrian und Korruption sind ein großes Problem. Die Gastfreundschaft der Ägypter wird das Risiko für viele Menschen nicht aufwiegen. Wer noch kommt, so ist für die Ägypter zu befürchten, wird bei den Pyramiden nicht Schlange stehen und leere Strände am Roten Meer finden.

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