Nach dem Anschlag Chinesische Gefahren

Mit detaillierten Berichten schürt Peking kurz vor den Spielen Terrorangst. Das lässt befürchten, dass die chinesische Regierung mit weiteren Anschlägen während der Spiele rechnet.

Von Ein Kommentar von Henrik Bork

Sechzehn getötete Polizisten kurz vor den Olympischen Spielen - das ist Anlass zur Sorge. Sollten etwa die Warnungen Pekings vor "Terroranschlägen uigurischer Separatisten" ernst zu nehmen sein, fragen sich Sportfunktionäre, Athleten und Journalisten. Wie sicher sind diese Spiele noch?

Die Einzelheiten, die Chinas staatliche Medien bisher verbreitet haben, lassen eher eine Verzweiflungstat im fernen Westen des Landes vermuten, weniger einen Terroranschlag zu Beginn der olympischen Wochen. Die Angreifer in der Provinz Xinjiang waren schlecht bewaffnet. Mit Messern seien sie auf die Polizisten losgegangen, heißt es. Vorher hätten sie zwei Sprengsätze geworfen und einen Mülllaster in die Gruppe gefahren.

Warum aber schürt Peking mit solch detaillierten Berichten kurz vor den Spielen die Angst vor dem Terror? Hunderte gewalttätige Überfälle, auch auf Polizeistationen, gibt es in China jedes Jahr. Fast immer versucht die Regierung, dies geheim zu halten.

Doch seit Monaten warnt Peking mittlerweile vor "uigurischen Terroristen", hat sie sogar als "größte Gefahr für die Spiele" bezeichnet. Kritiker werfen den Kommunisten vor, sie bauschten die Terrorgefahr auf, um so ihre militärische Präsenz und etliche Verhaftungen in Xinjiang und auch in Tibet rechtfertigen zu können.

Doch müsste Peking so kurz vor den Olympischen Spielen nicht bemüht sein, die anreisenden Teilnehmer aus aller Welt zu beruhigen? Die neue, für China ungewöhnliche Informationspolitik lässt befürchten, dass die chinesische Regierung ernsthaft mit Anschlägen während der Spiele rechnet. Offenbar will sie die Weltöffentlichkeit schon jetzt auf Schlimmeres vorbereiten.