Nach Anschlag in Istanbul Türkei startet Großangriff auf IS

Der türkische Präsident Erdoğan nach dem Anschlag von Istanbul. Die Türkei reagiert mit einer Großoffensive gegen die Terrormiliz IS.

(Foto: AP)
  • Die Türkei hat nach eigenen Angaben in den vergangenen 48 Stunden Stellungen der Terrormiliz IS in Syrien und im Nordirak angegriffen.
  • Ankara zufolge steckt die Dschihadistenmiliz hinter dem Anschlag in Istanbul am Dienstag, bei dem zehn deutsche Touristen getötet wurden.
  • Die deutschen Sicherheitsbehörden können nicht bestätigen, dass der IS für den Selbstmordanschlag verantwortlich ist.

Türkei reagiert mit Artilleriegeschossen auf mutmaßlichen IS-Anschlag

Als Reaktion auf den Anschlag in Istanbul hat die türkische Armee nach offiziellen Angaben Hunderte Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) angegriffen.

Panzer und Artillerie hätten nach dem "feigen Attentat von Istanbul" IS-Stellungen entlang der Grenze zu Syrien und nahe einem türkischen Feldlager im Nordirak angegriffen, sagte Regierungschef Ahmed Davutoğlu in Ankara. 500 Panzer- und Artilleriegeschosse seien auf Stellungen der Extremisten abgefeuert worden. Dabei seien etwa 200 Kämpfer des IS getötet worden. Die Angriffe hätten in den vergangenen 48 Stunden stattgefunden.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte lediglich mit, türkische Artillerie habe das Grenzgebiet zu Syrien beschossen. Damit habe sie islamistische Rebellen und turkmenische Gruppen im Kampf gegen die Terrormiliz unterstützt, sagte der Leiter der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdelrahman, der Nachrichtenagentur dpa. Die große Zahl getöteter IS-Extremisten konnte er nicht bestätigen. Die Menschenrechtsbeobachter sitzen in England, stützen sich bei ihren Angaben aber auf ein Netz von Informanten in Syrien.

Die türkische Regierung macht die Terrormiliz für den Anschlag verantwortlich. Nach Angaben der türkischen Behörden sprengte sich ein 28-jähriger Syrer vor der Reisegruppe in die Luft. Er sei als Flüchtling getarnt ins Land gekommen und Anhänger des IS gewesen, hieß es.

Der IS selbst hat sich nicht dazu geäußert.

Deutsche Behörden: IS-Verantwortung nicht sicher

Für die deutschen Sicherheitsbehörden steht eine Verantwortung der IS-Miliz bislang hingegen noch nicht eindeutig fest. Basis für die Annahmen der Türkei ist nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière ein Personaldokument. Ob dieses dem Mann auch gehöre, sei aber "noch Gegenstand der Aufklärung", sagte er der ARD.

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Der Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, es stehe noch nicht fest, ob der IS tatsächlich für den Anschlag verantwortlich sei. "Manches spricht dafür, dass es der IS war", sagte Maaßen dem rbb Inforadio. Allerdings habe die Türkei mehrere innenpolitische Konflikte. Auch die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) habe wiederholt Anschläge verübt.

Bei dem Anschlag eines Selbstmordattentäters im Touristenviertel Sultanahmet in Istanbul waren am Dienstag zehn deutsche Touristen getötet worden.

Festnahmen nach dem Anschlag

Im Zusammenhang mit dem Anschlag sind dem türkischen Innenminister Efkan Ala zufolge bislang sieben Menschen in Gewahrsam genommen worden. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren.

Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums sagte, unter drei nach dem Anschlag festgenommen russischen Staatsbürgern sei ein Verdächtiger, der mutmaßlich Verbindungen zum IS habe.