Gerade hat der Bundestag der Verlängerung des Bundeswehreinsatzes am Hindukusch zugestimmt - nach dem Tod zweier Soldaten steht nun eine neue Diskussion bevor.

Nach dem Anschlag auf deutsche Soldaten in Afghanistan ist die Debatte über den Einsatz am Hindukusch wieder entbrannt. "Es muss klar sein, dass wir in Afghanistan nicht auf ewig bleiben können", sagte der designierte Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir dem Hamburger Abendblatt.

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Soldaten einer Fallschirmjäger-Patrouille sichern den Nahbereich des Bundeswehr-Feldlagers in Kundus. (© Foto: dpa)

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Kanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse der Bevölkerung "endlich erläutern, warum unsere Soldaten überhaupt am Hindukusch sind und wie lange sie noch bleiben müssen". Bisher sei die Kanzlerin beim Thema Afghanistan "merkwürdig leise" gewesen, kritisierte Özdemir.

Der Europa-Abgeordnete betonte: "Afghanistan steht am Scheideweg. Mit einem bloßen 'Weiter-so' werden wir Afghanistan nicht zum Erfolgsmodell machen." Özdemir forderte einen Strategiewechsel. Die Vorgehensweise der Vereinigten Staaten, "den Fokus nur auf die Bekämpfung der Gegner zu legen", führe nicht weiter. Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt alle Anstrengungen darauf verwenden, die afghanische Armee und Polizei in die Lage zu versetzen, "ihre Aufgaben selbstständig und kompetent zu erfüllen".

Bei einem Selbstmordanschlag im Norden Afghanistans waren am Montag zwei Bundeswehrsoldaten und fünf afghanische Kinder getötet worden. Zwei weitere deutsche Soldaten wurden leicht beziehungsweise mittelschwer verletzt; ein weiteres Kind trug schwere Blessuren davon.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung, der seinen Urlaub unterbrochen hatte und nach Berlin zurückgekehrt war, äußerte große Betroffenheit über den "feigen und hinterhältigen" Selbstmordanschlag nahe Kundus. Dieser mache die "brutale und menschenverachtende Einstellung der Taliban" deutlich, die sich zu dem Anschlag bekannt hätten. Nach Informationen von Spiegel Online drohte das Terrornetzwerk bereits mit weiteren Attentaten, wenn weitere Soldaten in den Norden des Landes kämen.

Grünen-Politiker warnt vor neuer Grundsatzdebatte

Auch der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckart von Klaeden, wertete den Anschlag als Beleg für die "Brutalität und Hinterhältigkeit" der Taliban. Weil diese nicht einmal auf einheimische Muslime Rücksicht nähmen, werde "die Anwesenheit der Bundeswehr in Afghanistan von den Afghanen selbst mit großer Mehrheit gewünscht", sagte von Klaeden dem Hamburger Abendblatt. Ein sofortiger Rückzug der Bundeswehr würde Afghanistan seiner Ansicht nach "in die Terrorherrschaft der Taliban zurückwerfen".

Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana verurteilte den Terrorakt scharf. "Solche hinterhältigen Angriffe dienen nur dem Ziel, Stabilisierung und Wiederaufbau in Afghanistan zu untergraben", sagte Solana der Zeitung.

Mit Blick auf den Anschlag warnte der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Nachtwei, vor einer Grundsatzdebatte über den Einsatz. "Es ist völlig falsch und unangebracht, bei jedem dieser schrecklichen Anschläge grundsätzlich wieder die Sinnfrage zu stellen", sagte er laut Frankfurter Rundschauund fügte hinzu: "Wir haben gerade intensiv darüber diskutiert, das Bundeswehrmandat zu verlängern."

Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Walter Kolbow. Der Bundestag habe vor zwei Wochen "einem weiteren Einsatz in Afghanistan zugestimmt. Es muss dabei bleiben, denn er dient auch der eigenen Sicherheit unserer Soldaten und der Zukunft des Landes", wird Kolbow zitiert.

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(AFP/AP/gdo)