Nach Angriff auf Botschaft Frankreich lässt Soldaten in Zentralafrika anrücken

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich lässt zum Schutz ihrer Bürger in der Zentralafrikanischen Republik Soldaten anrücken. Bislang lehnt Paris es aber ab, sich in den Konflikt zwischen Regime und Rebellen einzumischen - und bringt so die Regierungsanhänger gegen sich auf.

Protestzug in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik.

(Foto: REUTERS)

Nach einem Angriff wütender Demonstranten auf die französische Botschaft in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, hat Frankreichs Präsident François Hollande die Armee zwar angewiesen, für die Sicherheit der Botschaft und der 1200 im Land lebenden Franzosen zu sorgen. Zugleich lehnte Paris jedoch eine Unterstützung der Regierung der Zentralafrikanischen Republik im Kampf gegen Aufständische ab.

"Wir sind dort nur zum Schutz unserer Bürger und unserer Einrichtungen präsent, nicht zum Schutz des Regimes", sagte Präsident François Hollande in Paris.

Insgesamt befinden sich verschiedenen Angaben zufolge 200 bis 250 französische Soldaten im Land. Ein Großteil sei am Flughafen von Bangui stationiert, 30 habe das französische Verteidigungsministerium in die Vertretung des Landes geschickt.

Mit diesem Schritt reagierte Hollande auf Proteste vor der Botschaft. Am Mittwoch hatten etwa einhundert aufgebrachte Demonstranten von der ehemaligen Kolonialmacht Unterstützung im Kampf gegen die aus dem Norden des Landes vorrückenden Rebellen gefordert. Dazu rief auch ein Regierungsmitglied auf.

"Nein zum Krieg!" und "Nein zu Frankreich" war auf Transparenten zu lesen. Die mit Knüppeln bewaffneten regierungstreuen Demonstranten hielten Autos an, um nach Ausländern zu suchen. Die französische Botschaft wurde mit Steinen beworfen, mehrere Fensterscheiben gingen zu Bruch. Nach Angaben des Botschafters Serge Mucetti holten die Demonstranten auch die französische Flagge ein. Der Botschafter nannte die Proteste nicht hinnehmbar. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Angriffe.

Rebellen nur 80 Kilometer von Bangui entfernt

In Bangui wächst die Angst, dass die Hauptstadt zu einem Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen wird. Die Aufständischen haben bereits mindestens zehn Städte erobert und sind nur noch etwa 80 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Das Rebellenbündnis Séléka ("Allianz"), in dem sich mehrere Gruppen von Aufständischen zusammengeschlossen haben, hat die Armee aufgefordert, sich zu ergeben.

Der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, Francois Bozizé, ist seit einem Putsch 2003 an der Macht. In der Vergangenheit benötigte er bereits mehrmals ausländische Unterstützung, um Aufstände niederzuschlagen. Auch diesmal hat die Regierung offenbar Truppen aus dem benachbarten Tschad zu Hilfe gerufen, die nun vor den Toren der Hauptstadt Stellung bezogen haben. Der bisherige Verbündete weigert sich jedoch, Bozizé explizit zu unterstützen. Die stationierten Truppen sollen offenbar nur eine Pufferrolle spielen.

Französische Offiziere dienen der Armee in der Zentralafrikanischen Republik als Berater. Seit 1960 existiert ein Verteidigungspakt. Allerdings ist Frankreich zunehmend zurückhaltend, wenn es um die direkte Einmischung in Konflikte in ehemaligen Kolonien geht.

200 UN-Mitarbeiter verlassen das Land

Die UN und die USA haben den zeitweisen Abzug ihres Personals aus der Zentralafrikanischen Republik bis auf eine Notbesetzung angekündigt. Nach Angaben von UN-Sprecher Martin Nesirky sollen 200 Mitarbeiter das Land verlassen. Das US-Außenministeriums forderte zudem alle US-Bürger vorsorglich zum Verlassen des Landes auf.

Nesirky schenkte den Beteuerungen der Rebellen wenig Glauben, wonach sie die Hauptstadt nicht einnehmen wollen. Ein Sprecher des US-Außenministeriums rief die Aufständischen zur Einstellung ihrer Offensive auf. Er begrüßte die Ankündigung der Wirtschaftsgemeinschaft der Zentralafrikanischen Staaten (CEEAC), sich für einen Waffenstillstand einzusetzen.

Eine deutsche Botschaft gibt es in Bangui seit 1997 nicht mehr. Das Auswärtige Amt warnt derzeit wegen "hoher Sicherheitsrisiken und zunehmender Kampfhandlungen" vor Reisen in das verarmte und zugleich rohstoffreiche Land.