Nach Amoklauf an Grundschule Connecticut will schärfstes US-Waffenrecht einführen

Es ist eine der weitreichendsten Reformen des US-Waffenrechts: Monate nach dem Amoklauf an einer Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut haben sich Demokraten und Republikaner dort auf schärfere Regelungen geeinigt. Die Waffenlobby fordert dennoch, dass Lehrer und Hausmeister aufrüsten.

Von Vanessa Steinmetz

Eine halbautomatische Waffe vom Typ Bushmaster und zehn Magazine mit je 30 Patronen hatte Adam Lanza dabei, als er das Feuer in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown eröffnete. 154 Mal schoss er - in vier Minuten. 20 Kinder und sechs Lehrerinnen kamen bei dem Amoklauf im Dezember 2012 ums Leben. Fast vier Monate später will der US-Bundesstaat Connecticut nun die Konsequenzen aus dem Massaker ziehen: Nach langen Verhandlungen einigten sich Demokraten und Republikaner auf ein verschärftes Waffenrecht.

Befürworter der Reformen feiern den Gesetzesentwurf als "Meilenstein". Senatspräsident Donald E. Williams sagte der New York Times, die Verhandlungen hätten eines "der strengsten und umfassendsten Waffengesetze der USA" hervorgebracht.

Wird der Gesetzesentwurf am Mittwoch verabschiedet, werden damit Schusswaffenmagazine mit mehr als zehn Patronen in Connecticut verboten. Wer ein Gewehr, eine Schrotflinte oder Munition kaufen will, braucht dem Entwurf zufolge künftig einen speziellen Schein. Dafür muss der Käufer einen Fingerabdruck abgeben, ein Schusswaffen-Training absolvieren und nachweisen, dass er bislang nicht psy­ch­i­a­t­risch behandelt wurde. Außerdem dürften die meisten halbautomatischen Sturmgewehre nicht mehr verkauft werden.

Das Gesetz könnte den Abgeordneten zufolge Modell stehen für landesweite Reformen: "Es ist wichtig, dass wir damit eine Botschaft an Washington und den Rest des Landes rausschicken", sagte Demokrat Brendan Sharkey. Das Thema müsse von beiden Seiten effektiv angegangen werden. "Wir bekommen es hier hin und auch die anderen Bundesstaaten und der Kongress sollten dazu in der Lage sein", sagte Senatspräsident Williams der Huffington Post.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Zwar hatte US-Präsident Obama nach dem Amoklauf an der Grundschule von Newtown versprochen, sich mit "aller Macht des Amtes" für eine Verschärfung der Waffengesetze einzusetzen. Die von ihm angestrebten Reformen. wonach Sturmgewehre verboten und die Munitionszahl in Magazinen limitiert werden sollen, werden aber vermutlich nicht bundesweit durchgesetzt werden können - Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus sperren sich gegen schärfere Waffengesetze. Lediglich in den Bundesstaaten New York und Colorado wurden strengere Schusswaffengesetze beschlossen. So sind in New York seit Januar Sturmgewehre ebenso verboten wie Magazine mit mehr als sieben Schuss.

Aufrüstung statt Verbote

Nun zieht Connecticut mit einem Gesetzesentwurf nach, der den Angehörigen der Opfer aber nicht weit genug geht. Sie hatten einen generellen Verkaufsstopp für alle Magazine gefordert, mit denen der Schütze häufig feuern kann, ohne nachzuladen. "Als er seine Waffe in dem Klassenraum nachladen musste, konnten elf Kinder entkommen", sagte die Mutter eines der Opfer auf einer Pressekonferenz. "Wir fragen uns jeden Tag, jede Minute: Wenn diese Magazine nur zehn Schuss gehabt hätten und der Schütze sechsmal häufiger hätte nachladen müssen, würden unsere Kinder heute noch leben?"

Vor allem kritisieren die Angehörigen aber einen offensichtlichen Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern. Demnach müssen Waffenbesitzer ihre Magazine mit mehr als zehn Schuss registrieren lassen, aber nicht abgeben. Wer solche Magazine besitzt, kann sie also behalten - und auch weiter darauf zugreifen. Dennoch: "Wenn man alles miteinander vergleicht, denke ich, dass man rechtlich gesehen von dem landesweit strengsten Gesetz sprechen kann", sagte der Vorsitzende der Vereinigung Connecticut Against Gun Violence, Ron Piciaro, der New York Times.

Die Waffenlobby NRA hält die schärferen Restriktionen erwartungsgemäß für sinnlos - vielmehr sollten Lehrer, Hausmeister und andere Schulangestellten mit Schusswaffen ausgerüstet werden, um Amokläufe zu verhindern. Ein entsprechendes Gesetz wurde im März bereits in South Dakota verabschiedet. Am Dienstag will die NRA weitere Ideen zur Bewaffnung an Schulen bekanntgeben. Die Lobby bekommt dafür sogar breite Unterstützung: Einer Umfrage des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Gallup zufolge hält mehr als die Hälfte der Amerikaner eine Aufrüstung des Schulpersonals für effektiv; ein Verbot von Sturmgewehren halten 36 Prozent für nicht wirksam.