Myanmar "Paradebeispiel für ethnische Säuberungen"

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte sieht in der Vertreibung der muslimischen Minderheit der Rohingya aus Myanmar Anzeichen einer ethnischen Säuberung. Auch die Bundesregierung übt scharfe Kritik.

Die Vertreibung der unterdrückten muslimischen Minderheit der Rohingya aus Myanmar kommt nach UN-Angaben einer ethnischen Säuberung gleich. Die abschließende Beurteilung der Lage sei zwar schwierig, sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, am Montag zum Auftakt der Sitzung des Menschenrechtsrats in Genf. "Aber es sieht alles aus wie ein Paradebeispiel für ethnische Säuberungen." Auch die Bundesregierung appellierte an die Führung in dem südostasiatischen Land, ihrer Verantwortung für alle Bevölkerungsgruppen gerecht zu werden. "Das erwarten wir gerade auch von der Friedensnobelpreisträgerin und Staatsrätin Aung San Suu Kyi", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Mindestens 313 000 Rohingya sind nach neuen Zahlen der Organisation für Migration (IOM) seit dem 25. August aus Myanmar in das überwiegend muslimische Nachbarland Bangladesch geflohen. In den vergangenen Tagen seien täglich 20 000 neue Flüchtlinge gekommen. Rohingya-Rebellen hatten Polizei- und Militärposten angegriffen, worauf Myanmars Armee nach eigenen Angaben mit einer "Räumungsoperation" antwortete. Geflüchtete berichteten, dass ihre Häuser niedergebrannt und Familienangehörige erschossen worden seien. Die Rohingya sind staatenlos, seit das mehrheitlich buddhistische damalige Birma ihnen 1982 die Staatsbürgerschaft aberkannte.

Die Flüchtlingslager sind längst überfüllt im Bezirk Cox's Bazar im Süden Bangladeschs, wohin bereits vor dem jüngsten Gewaltausbruch etwa 400 000 Rohingya geflohen waren. Bangladeschs Regierung kündigte an, mehr Land für Camps zur Verfügung zu stellen. Insgesamt haben internationale Organisationen um 64 Millionen Euro Spenden für die Rohingya und Bangladesch gebeten.

Friedensnobelpreisträger wie der Dalai Lama, Malala Yousafzai und Desmond Tutu forderten Aung San Suu Kyi auf, etwas gegen die Gewalt zu tun. Die Staatsrätin und Außenministerin Myanmars, die faktisch die Regierung führt, schwieg lange zu der Situation. "Ethnische Säuberung ist ein zu hartes Wort, um zu beschreiben, was passiert", hatte sie im April in einem Interview gesagt.