Myanmar Die Lage in Myanmar eskaliert

Viele Rohingya kommen in Booten von Myanmar nach Bangladesch. Im Hintergrund soll ein brennendes Dorf zu sehen sein.

(Foto: Getty Images)
  • In Myanmar sind 370 000 Angehörige der muslimischen Rohingya vor der Armee ins Nachbarland Bangladesch geflohen.
  • Kritiker werfen Myanmars Staatsführerin, der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, Tatenlosigkeit vor.
  • Nun hat Suu Kyi ihre Teilnahme an der anstehenden UN-Vollversammlung abgesagt.

Inzwischen sind in dem Konflikt in Myanmar etwa 370 000 Angehörige der muslimischen Rohingya vor der Armee ins Nachbarland Bangladesch geflohen. Die meisten haben keine Unterkunft und nichts zu essen. Die Vereinten Nationen sprechen mittlerweile von "ethnischen Säuberungen". Myanmars Staatsführerin, Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, steht in der Kritik, weil bislang nicht in den Konflikt eingegriffen hat. Nun hat sie auch ihre Teilnahme an der anstehenden UN-Vollversammlung abgesagt. An diesem Mittwoch will sich der UN-Sicherheitsrat mit der Lage in Myanmar befassen.

Worum geht es in dem Konflikt?

Im Vielvölkerstaat Myanmar, dem ehemaligen Birma, ist die große Mehrheit der Bevölkerung buddhistischen Glaubens. Die Rohingya gehören zur muslimischen Minderheit. Seit das damalige Birma ihnen 1982 die Staatsbürgerschaft aberkannte, sind die Rohingya staatenlos.

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Auslöser der jüngsten Gewalt gegen sie ist eine Rebellengruppe namens Arakan Rohingya Salvation Army (Arsa). Ihr Kommandant Ata Ulla prangert in Videos und auf Englisch verfassten Twitter-Erklärungen immer wieder die Unterdrückung der Rohingya in Myanmar an. Im vergangenen Oktober verübte die bis dahin unbekannte Gruppe eine Reihe koordinierter Angriffe auf Polizei- und Militärposten. Myanmars Armee reagierte mit einem massiven Einsatz, bei Kämpfen wurden seither Hunderte Menschen getötet. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, sagte am Montag in Genf, es gebe Satellitenbilder, die zeigten, wie Rohingya-Dörfer niedergebrannt und fliehende Zivilisten erschossen würden. Die Vertreibung der Minderheit sehe aus "wie ein Paradebeispiel für ethnische Säuberungen". Am 10. September rief Arsa für einen Monat einen einseitigen Waffenstillstand aus.

Was sagt Aung San Suu Kyi?

Aung San Suu Kyi führt seit vergangenem Jahr in dem südostasiatischen Land als "Staatsrätin" praktisch die Regierung. Über die Gewalt der Armee gegen die Rohingya hat sie sich nur wenig geäußert. Sie warnt, es seien viele falsche Informationen im Umlauf.

Ihr Pauschalurteil, die Rohingya seien gewalttätig und die Unterstützung für die Rohingya diene den "Interessen von Terroristen", hat der einst als Heldin verehrten Friedensnobelpreisträgerin internationale Kritik eingetragen.

Wie geht es den Geflüchteten?

Die Lager für die geflüchteten Rohingya in Bangladesch sind überfüllt, viele Menschen haben sich deshalb außerhalb niedergelassen. Indonesien hat am Mittwoch einen ersten Transport von Hilfsgütern nach Bangladesch geschickt. Vier Flugzeuge brachten insgesamt 34 Tonnen - vor allem Lebensmittel, Zelte und Kleidung - in das südasiatische Land. Präsident Joko Widodo kündigte an, dass kommende Woche ein weiterer Transport folgen werde. Zudem soll Bangladesch, einem der ärmsten Staaten der Region, auch Geld zur Verfügung gestellt werden.

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