Post von den Behörden: Der mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk muss sich beim US-Immigrationsbüro melden - bereits am Montag könnte er nach Deutschland abgeschoben werden.

Nach seiner jüngsten Niederlage vor dem Obersten US-Gericht wird eine Abschiebung des mutmaßlichen NS-Verbrechers John Demjanjuk in Kürze erwartet. US-Beamte überbrachten dem 89-Jährigen am Freitag einen Vollstreckungsbefehl mit der Anweisung, sich der Immigrationsbehörde in Cleveland (Ohio) zwecks Abschiebung nach Deutschland zu stellen. Demjanjuk lebt in Seven Hills, einem Vorort der Stadt.

John Demjanjuk, AP

Der mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk könnte bereits am Montag nach Deutschland ausgeflogen werden. (© Foto: AP)

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Einem Bericht der Zeitung Cleveland Plain Dealer zufolge wird erwartet, dass er innerhalb "weniger Tage" Folge leisten werde. Nach dem Bericht der Zeitung hat Demjanjuks amerikanischer Anwalt John Broadley das US-Justizministerium inzwischen darüber informiert, dass er keine weiteren gerichtlichen Vorstöße in den USA zur Verhinderung der Abschiebung unternehmen werde. Einige Beobachter halten eine Abschiebung schon am Montag für möglich.

Vorwurf: Beihilfe zum Mord

Welche Frist die Behörden Demjanjuk konkret setzten, das Gebäude der Immigrationsbehörde in Cleveland aufzusuchen, blieb am Wochenende unklar. Das dortige Büro verfügt auch über Zelle, in der Demjanjuk bis zur Abschiebung festgehalten werden könnte. Experten gehen aber davon aus, dass er ausgeflogen wird, sobald er sich gestellt hat.

Richter John Paul Stevens vom Obersten Gerichtshof der USA hatte am Donnerstag einen Antrag Demjanjuks auf eine Blockade der Abschiebung abgelehnt. Danach wäre noch eine Anrufung des gesamten neunköpfigen Supreme Courts möglich gewesen, aber offensichtlich räumte Broadley einem solchen Schritt keine Chance mehr ein. Auch ein neuer Vorstoß Demjanjuks vor einem deutschen Gericht war in der vergangenen Woche gescheitert. Sollte die US-Seite die Abschiebung einleiten, das heißt, Demjanjuk in ein Flugzeug setzen, gilt es nunmehr als praktisch ausgeschlossen, dass die Prozedur noch gestoppt wird oder Demjanjuk gar in die USA zurückgeschickt wird, da sich Deutschland schon zur Aufnahme bereiterklärt hat.

Die Staatsanwaltschaft München wirft Demjanjuk vor, während des Zweiten Weltkrieges als 23-jähriger Wachmann im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen Beihilfe zum Mord an mindestens 29.000 Juden geleistet zu haben. Das Amtsgericht München hatte im März dieses Jahres Haftbefehl gegen ihn erlassen.

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(sueddeutsche.de/dpa/tob)