Musharraf in Pakistan Die Rückkehr des Anti-Demokraten

Pakistans Ex-Präsident Pervez Musharraf will bei den anstehenden Wahlen wieder antreten, gibt sich geläutert. Doch diese Pose ist lächerlich. Der geschasste Militär stellt seine Eitelkeit über das Wohl des Atomstaates.

Ein Kommentar von Tobias Matern

Er schien längst ein Relikt der Vergangenheit zu sein. Nun ist er aber doch aus dem Exil zurückgekommen. Pervez Musharraf, Pakistans früherer Präsidentengeneral, will bei den anstehenden Wahlen in seinem Land antreten. Ein längst geschasster Vertreter des übermächtigen Militärs stellt damit seine Eitelkeit über das Wohl des Landes.

Als sich der damalige Armeechef 1999 unblutig an die Macht putschte, war ihm das Volk noch dankbar. Er setzte eine korrupte, unfähige Politikerkaste ab, liberalisierte die Medien, trieb Friedensgespräche mit Indien voran und gab im Anti-Terror-Kampf des George W. Bush den Musterverbündeten - auch wenn er eher ein Meister des Doppelspiels war und weiter Deals mit den Taliban schloss.

Aber vor allem war Musharraf ein Anti-Demokrat, der die Justiz stutzte, als sie ihm seine Alleingänge nicht mehr durchgehen ließ. Musharraf gibt jetzt den Geläuterten. Diese Pose ist lächerlich, aber falls ihn die Armee stützt, kann er die anstehenden Wahlen zumindest durcheinanderbringen.

Dabei hätte Musharrafs Nachfolge-Regierung einen Moment der Anerkennung verdient: Zum ersten Mal ist in der Kasernenhof-Demokratie Pakistan ein Hauch von Wandel spürbar, beendet eine von Zivilisten und nicht von Generälen betriebene Regierung eine volle Amtszeit. Nach wie vor mischt sich jedoch das Militär über alle Maße in die Politik des Landes ein - zum Schaden des Atomstaates.