Video der Morde von Toulouse Al-Dschasira verzichtet auf Sendung von Mord-Videos

Mohamed Merah soll seine Morde in Toulouse und Umgebung gefilmt haben. In Besitz des Filmmaterials will der arabische TV-Sender al-Dschasira sein. Frankreichs Präsident Sarkozy reagierte "empört" auf die Ankündigung des Senders, eine Ausstrahlung zu prüfen. Nun zieht der Sender zurück. Doch das angebliche Video schürt Spekulationen über einen Komplizen.

Schon kurz nach den Anschlägen des damals noch unbekannten Serienmörders von Toulouse hatte Innenminister Claude Guéant gesagt, der Täter habe eine kleine Videokamera um den Hals getragen. Kurz nach dem Tod von Mohamed Merah im Kugelhagel französischer Elitepolizisten soll das Material aufgetaucht sein - beim TV-Sender al-Dschasira.

Mohamed Merah auf Privataufnahmen, die kurz nach seinem Tod im französischen Fernsehen ausgestrahlt wurden. Mit einer Videokamera soll er seine Mordtaten dokumentiert haben.

(Foto: Reuters)

Die arabische Fernsehstation mit Hauptsitz in Katar bestätigte mehreren Medien die Existenz des Videos. Es soll auf einem USB-Stick mit der Post ins Pariser Büro geschickt worden sein. "Man sieht alle Taten darauf", sagte Zied Tarrouche, Büroleiter des Senders in der französischen Hauptstadt, dem TV-Kanal BFM. Die Chefredaktion prüfe, ob Teile des Materials gesendet würden, erklärte Tarrouche zunächst. Auf eine Anfrage von Süddeutsche.de reagierte al-Dschasira bislang nicht. Die Entscheidung ist aber nach wenigen Stunden gefallen: Man verzichte auf eine Ausstrahlung.

Zuvor hatte Nicolas Sarkozy dazu aufgerufen, das Video "unter keinen Umständen" zu verwenden. "Aus Respekt vor den Opfern und vor der Republik" solle das Video nicht gesendet werden, mahnte der französische Präsident.

Vater des Attentäters will gegen Frankreich klagen

Dem Video soll ein handgeschriebenes Bekennerschreiben beigelegen haben. Kopien des Materials hat al-Dschasira den Behörden übergeben, die es für authentisch halten. "Das ist eine Videomontage mit Bildern der verschiedenen Morde mit Musik und Koranversen versehen", sagte ein Ermittler der Nachrichtenagentur AFP.

Der handschriftliche Bekennerbrief sei von Mohamed Merah unterzeichnet worden. Er sei "gespickt mit Rechtschreibfehlern" und von einem "verblüffenden Dilettantismus", wird der Ermittler zitiert.

Rätselhaft ist, wer den USB-Stick am vergangenen Mittwoch an den Sender verschickt hat. Es könne nicht Merah selbst gewesen sein, sagte die Polizei der AFP. Der Zeitung Le Parisien zufolge trug das Päckchen den Poststempel von vergangenem Mittwoch. An jenem Tag war Merah ab dem frühen Morgen in seiner Wohnung im südfranzösischen Toulouse von der Polizei umzingelt, nach mehr als 30-stündiger Belagerung wurde er erschossen. Die Ermittler prüfen nun, ob der USB-Stick von einem Komplizen abgeschickt worden ist.

Merah hatte an drei Tagen im März insgesamt sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer einer jüdischen Schule. Er bezeichnete sich als Mitglied des Terrornetzwerks al-Qaida.

Der in Algerien lebender Vater des Attentäters, Mohamed Benalel Merah, hatte am Montagabend eine Klage gegen Frankreich angekündigt, weil der Staat seinen Sohn getötet habe. Sarkozy zeigte sich darüber "empört" und sagte mit Blick auf den Vater: "Ich möchte diesen Mann daran erinnern, dass sein Sohn seine Verbrechen gefilmt und die teuflische Vorsorge getroffen hat, diese schändlichen Bilder einem Fernsehsender zukommen zu lassen."