Der in Frankreich lebende Ex-Geheimdienstler stand vor Jahren in Verbindung mit Litwinenko. Er verwies auf eine Todesliste, auf der er vermerkt sein soll. Nun bittet der Regierungskritiker um Polizeischutz.
Bei dem Ex-Agenten handelt es sich um Regierungskritiker Jewgeni Limarjow. Der 41-jährige Limarjow sagte der Zeitung Le Parisien, er habe sich in seinem Haus in Cluses (Obersavoyen) verbarrikadiert. Limarjow verwies auf eine mysteriöse Todesliste, auf der sein Name als Nummer drei hinter Litwinenko und dem italienischen Geheimdienstexperten Mario Scaramella stehe.
Ex-Geheimdienstler Wjatscheslaw Sokolenko (© Foto: AP)
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Limarjow sagte, er habe Scaramella über angebliche Machenschaften russischer Geheimdienst-Veteranen informiert. Es sei um "Verschwörungen der Veteranen-Organisation "Würde und Ehre"" gegen Scaramella und den italienischen Senator Paolo Guzzanti gegangen, der einen Parlamentsausschuss zur russischen Geheimdiensttätigkeit in Italien leitet.
Britische Zeitungen hatten Anfang Dezember über eine Verstrickung russischer Geheimdienst-Veteranen in den Tod Litwinenkos spekuliert. Der Vorsitzende der Vereinigung, Valentin Welitschko, hatte dies ebenso dementiert wie die Existenz einer Todesliste, auf der die Namen von im Exil lebenden Kremlkritikern stehen sollen.
Zur Ermordung Litwinenkos sagte Limarjow, das sei "zu 99 Prozent von Russland" ausgegangen. "Dieses Gefühl wird von meinen russischen Quellen bestätigt." Er selbst habe Litwinenko seit September 2003 nicht mehr gesehen.
Limarjow hatte drei Anzeigen erstattet, weil er sich verfolgt fühle, sagte Limarjow. Am 17. November sei in Rom sein Gepäck gestohlen worden. Zwei Tage später habe man in sein Haus in Cluses einzubrechen versucht und er habe anonyme Morddrohungen erhalten.
Litwinenko war vermutlich am 1. November in London mit einer tödlichen Dosis Polonium vergiftet worden. Scaramella hatte an dem Tag Litwinenko getroffen, um ihm Informationen über die Ermordung der Moskauer Journalistin Anna Politkowskaja zu geben.
Unterdessen hat die russische Generalstaatsanwaltschaft einen dritten Hauptzeugen, den Ex-Geheimdienstler Wjatscheslaw Sokolenko vernommen - im Beisein britischer Ermittler.
Der Chef eines Sicherheitsdienstes habe Dutzende von Scotland-Yard-Beamten vorbereitete Fragen beantwortet. Das meldete die Agentur Interfax am Freitag unter Berufung auf russische Ermittler.
Sokolenko war mit seinen Geschäftspartnern Dmitri Kowtun und Andrej Lugowoi angeblich zu einem Fußballspiel nach London gereist. Er bestreitet aber ein Treffen mit Litwinenko in einem Londoner Hotel. In Interviews hatte der Ex-Agent gesagt, er habe Litwinenko nie getroffen.
Aus Moskau hieß es, mit der Befragung Sokolenkos seien alle von den Briten erwünschten Zeugenaussagen eingeholt worden.
Auf Bitten deutscher Behörden wurde ein Flugzeug der Gesellschaft Aeroflot untersucht. Das Flugzeug war Ende November auf der Route Moskau - Hamburg im Einsatz. Laut dem Leiter der russischen Verbraucherschutzbehörde, Gennadi Onischtschenko, wurde bei ersten keine Spuren der hoch-radioaktiven Substanz Polonium entdeckt. Kowtun hatte Polonium-Spuren in Hamburg hinterlassen.
Beckstein kündigt Überprüfung von Sicherheitslücken an
Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) kündigte in der Passauer Neuen Presse Konsequenzen an. Derzeit werde im zuständigen Arbeitskreis Kriminalpolizei geprüft, ob es Sicherheitslücken bei der Flughafenkontrolle gegeben habe.
Beckstein nahm den Fall des Geschäftsmanns Dmitrij Kowtun zum Anlass für seine Äußerung. Kowtun hatte sich in London offenbar mit der giftigen radioaktiven Substanz Polonium 210 infiziert. Spuren davon waren in der Hamburger Wohnung von Kowtuns Ex-Frau und dem Haus seiner Ex-Schwiegermutter festgestellt worden.
Beckstein betonte: "Dieses hochradioaktive Material hätte an deutschen Flughäfen im Rahmen der Gepäck- und Personenkontrollen entdeckt werden müssen", betonte Beckstein und stellte klar: "Wenn es hier Sicherheitslücken gibt, müssen sie geschlossen werden."
(dpa)
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