Mordfall in Mainz Bestürzung über den Tod der 14-jährigen Susanna F.

Das Mädchen wurde Opfer eines Sexualmords. Einer der beiden Tatverdächtigen setzte sich in den Irak ab.

Von Jan Bielicki

Ein seit zwei Wochen vermisstes Mädchen aus Mainz ist vergewaltigt und ermordet worden. Polizisten hatten die Leiche der 14-jährigen Susanna F. am Mittwoch in einem Erdloch auf einem schwer zugänglichen Gelände im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim entdeckt. Die Tote sei durch eine DNA-Analyse "zweifelsfrei" als das vermisste Mädchen identifiziert worden, teilte die Staatsanwaltschaft Wiesbaden am Donnerstag mit. Die 14-Jährige sei durch "Gewalteinwirkung auf den Hals" getötet worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Achim Toma. Es müsse von einem Sexual- und Gewaltverbrechen ausgegangen werden.

Die Ermittler verdächtigten zunächst zwei Männer, die 14-Jährige vergewaltigt und getötet zu haben. Beide lebten als Asylbewerber in Flüchtlingsunterkünften in Wiesbaden. Die Polizei hatte einen der Männer am Mittwoch festgenommen, ließ den Türken am Donnerstagabend jedoch wieder frei. Gegen ihn bestehe kein dringender Tatverdacht mehr, sagte Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn. Nach dem zweiten Mann fahndeten die Ermittler noch. Der 20-jährige Iraker Ali B. ist jedoch den Ermittlungen zufolge bereits am vergangenen Samstag zusammen mit sieben Familienmitgliedern aus Deutschland ausgereist. Er soll von Düsseldorf aus erst nach Istanbul und von dort weiter in die Stadt Erbil im nordirakischen Kurdengebiet geflogen sein. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Polizei und Staatsanwaltschaft veröffentlichten ein Foto des Gesuchten. Die Wiesbadener Kriminalpolizei rief Zeugen auf, sich zu melden, die den Mann seit den Tagen von Susannas Verschwinden gesehen haben.

Susanna F. war Mitglied der Jüdischen Gemeinde Mainz, wie der Zentralrat der Juden am Donnerstag bestätigte. "Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden", heißt es in einer Presseerklärung, "wir erwarten von den Strafverfolgungsbehörden eine rasche und umfassende Aufklärung sowie harte Konsequenzen für den oder die Täter. Alle voreiligen Schlüsse oder gar Ressentiments verbieten sich jedoch."

Das Mädchen war am 22. Mai mit Freunden in der Wiesbadener Innenstadt unterwegs gewesen, nicht nach Hause zurückgekehrt und von seiner Mutter als vermisst gemeldet worden. Laut Ergebnis der Obduktion ihrer Leiche soll sie am selben Abend getötet worden sein.

Der geflohene Ali B. war 2015 nach Deutschland gekommen, sein Asylantrag wurde Ende 2016 abgelehnt, allerdings läuft noch ein Klageverfahren. Der 20-Jährige ist der Polizei mehrmals aufgefallen, unter anderem mit Pöbeleien und Prügeleien. Sein Name soll auch im Zusammenhang mit der Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens aus seiner Flüchtlingsunterkunft gefallen sein, sagte Wiesbadens Polizeipräsident Stefan Müller. Die Polizei habe diese Hinweise aber nicht erhärten können.