Schon lange rechts außen
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Vor dem Holocaust-Museum wurden Blumen für den ermordeten Wachmann niedergelegt. (© Foto: AFP)
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Das Southern Poverty Law Center ist eine Institution der Bürgerrechtsszene, sie informiert seit Jahren die Öffentlichkeit über die Aktivitäten der Rechten in den USA, der sogenannten Suprematisten. Es hatte Brunn seit 1981 im Visier. Zu recht, wie sich damals bald herausstellte.
Denn am 7. Dezember 1981 stürmte von Brunn - fast so wie am Mittwoch - in das Foyer der Federal Reserve, der US-Notenbank, in Washington. Er konnte aber von Wachleuten gestoppt werden. In einer braunen Papiertüte hatte er ein Gewehr, eine Pistole, ein Messer und ein Elf-Seiten-Traktat, in dem er eine "internationale Verschwörung der Banker" beklagte. In seiner Website rechtfertigt er die Tat noch heute. Er habe versucht, den "verräterischen Notenbankrat unter legalen, gewaltfreien Bürgerarrest zu stellen". Dafür kam er acht Jahre ins Gefängnis.
Danach verkaufte er in Altenheimen, bei Waffenschauen und in Restaurants ein in rechten Kreisen verbreitetes Blatt der antisemitischen Liberty Lobby. Zeitweise lebte er bei seinem Sohn in Florida, weil er offenbar in Geldnöten steckte. Seine 20 Jahre jüngere Frau hatte sich bereits Ende der siebziger Jahre von ihm scheiden lassen, weil sie, wie sie dem Fernsehsender CNN sagte, seine Tiraden gegen Juden und Schwarze nicht mehr ertragen konnte.
Einzelgänger und Künstler
Zuletzt wohnte Brunn in Annapolis, eine Autostunde östlich von Washington und versuchte sich als Künstler. Ein Galerist in der Kleinstadt Easton nahe Annapolis sagte der Nachrichtenagentur Associated Press, Brunn habe vor allem Tierbilder gemalt, Pferde und Büffel im amerikanischen Westen, auch mal einen Adler, der die amerikanische Flagge hält. "Er war ein Mann, der als Einzelgänger alt wurde", sagt Mark Potok, der Leiter des Southern Poverty Law Centers, "er schien nicht Teil zu haben an den Aktivitäten der Szene."
Doch, wer wie Potok diese Szene seit Jahrzehnten verfolgt, dem ist nicht entgangen, wie viel Zulauf die " hate groups" in den vergangenen Jahren und besonders in den vergangenen Monaten gefunden haben. Seit 2000 hat sich die Zahl der rechten Gruppierungen, die Rassenhass und Antisemitismus predigen, mehr als verdoppelt. Das Center zählte im vergangenen Jahr 926 solcher Gruppen in den USA. Der Ku-Klux-Klan hat wieder Zulauf. Rassistische Skinhead-Gruppen nehmen zu. Neo-Nazi-Trupps finden sich praktisch in jedem Bundesstaat. Die Suprematisten, die die Überlegenheit der weißen Rasse predigen, legen zu. Und die Anschläge, oft mit tödlichem Ausgang, häufen sich seit einem Jahr. "Es gibt erschreckende Hinweise auf die Gewalttätigkeit, die mit dem Anwachsen der radikalen Rechten droht", sagt Potok. Und die meisten Zwischenfälle machen kaum Schlagzeilen, ganz und gar etwa im Unterschied zu dem Mord an dem Abtreibungsarzt in Kansas vor ein paar Tagen.
Zunehmende Gewaltbereitschaft
Doch erst im April erschoss ein Mann in Okaloosa in Florida zwei Sheriffs. Der Täter gehörte zur rechten Szene und war, wie seine Frau der Polizei sagte, "extrem verstört" durch die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten. In Pittsburgh wurden, ebenfalls im April, drei Polizisten von einem Mann erschossen, der im Internet antisemitische Parolen verbreitet hatte und davor gewarnt hatte, dass Obama das Recht auf Waffenbesitz einschränken könnte. Im Januar erschoss ein junger Mann zwei Schwarze und gab später als Motiv zu Protokoll, er habe im Internet gelesen, dass die Weißen in Amerika davor stünden, Opfer eines Völkermordes zu werden. Und im Oktober waren in Tennessee zwei junge Skinheads festgenommen worden, nachdem ihr Plan aufgeflogen war, hundert schwarze Kinder zu töten und Barack Obama zu ermorden. Damals wurde das als Spinnerei verirrter Einzelgänger abgetan.
Doch offenbar gibt es einen Trend zunehmender rechter Gewaltbereitschaft in rechten Kreisen in den USA. So beunruhigend ist er, dass das Heimatschutzministerium unter neuer Führung im April einen Bericht verlegen wollte über den Rechtsextremismus in den Vereinigten Staaten. Darin heißt es: "Das gegenwärtige wirtschaftliche und politische Klima heizt die Radikalisierung und neue Rekrutierung der Szene an."
Eine gefährliche Zeit
Dahinter verbergen sich drei Warnungen. Die Wirtschaftkrise mit Hunderttausenden Zwangsversteigerungen von Eigenheimen, die steigende Arbeitslosigkeit und die Kreditknappheit könnten ein "fruchtbares Rekrutierungsumfeld" für die weißen Suprematisten schaffen. Die Rechtsextremisten hätten eindeutig auch von der Wahl Obamas zum Präsidenten profitiert, hätten neue Mitglieder gewinnen und die alten mobilisieren können.
Kriegsveteranen aus dem Irak und Afghanistan, die oft Schwierigkeiten hätten, sich wieder einzugliedern, könnten zur Bildung terroristischer Vereinigungen führen. Vor allem Letzteres zog einen Aufschrei bei Republikanern in Washington nach sich - so laut, dass die neue Heimatschutzministerin Janet Napolitano den noch nicht einmal offiziell veröffentlichten Bericht verschreckt gleich wieder in den Schubladen verschwinden ließ.
Wie sich jetzt herausstellt, vielleicht zu Unrecht. Denn in der Studie wird ausdrücklich genau vor einem Täter wie James von Brunn gewarnt: "Das Heimatschutzministerium hält einsame Wölfe und kleine Terrorzellen, die einer gewaltbereite rechtsextreme Ideologie anhängen, für die gefährlichste Terrorgefahr von innen in den Vereinigten Staaten." Und noch eine Warnung ist in dem Papier zu lesen. Die gegenwärtige Entwicklung erinnere sehr an das Erstarken der Rechten in den USA Anfang der neunziger Jahre. An dessen Ende stand der schreckliche Anschlag von Oklahoma im April 1995: 168 Menschen starben damals.
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(SZ vom 12.6.2009)
Szene München
wie ein 11. September im Kleinen.
Die zunehmende Radikalisierung von White Pride-Gruppen in den Staaten ist seit Jahren zu beobachten. Und was macht man dagegen? Nichts.