Montenegro Pro-EU-Kandidat gewinnt Präsidentenwahl

Gilt als pro-europäisch: Milo Djukanovic, der Sieger der Präsidentenwahl in Montenegro.

(Foto: REUTERS)
  • Bei der Präsidentschaftswahl in Montenegro hat der frühere Amtsinhaber Milo Đukanović die meisten Stimmen erhalten.
  • Er gilt als EU-freundlich und Russland-kritisch. Kritiker werfen ihm jedoch vor, die Korruption und organisierte Kriminalität in dem Balkanland nicht ausreichend zu bekämpfen.

In Montenegro ist am Sonntag ein neuer Staatspräsident gewählt worden. Erste Prognosen sehen am Abend den proeuropäischen Politiker Milo Đukanović in Führung. Nach der Auszählung von mehr als 80 Prozent der Stimmen kommt der sozialistische Politiker auf etwa 53 Prozent der Stimmen, sein schärfster Rivale Mladen Bojanic auf 34 Prozent. Sollte sich das Ergebnis bestätigen, wäre keine Stichwahl nötig.

Đukanovićs Partei hatte sich gegen den Einfluss Russlands verwahrt und das Land 2006 zunächst zur Unabhängigkeit von Serbien und im vergangenen Dezember in die Nato geführt. Trotz der traditionell engen Bindung seines Landes zu Moskau will der 56-jährige Đukanović Montenegro stärker in Europa integrieren und hofft, es bald in die Europäische Union bringen zu können.

Đukanović ist seit rund einem Vierteljahrhundert der einflussreichste Politiker der kleinen Balkanrepublik, die früher zu Jugoslawien gehörte. Sechs Mal übte er in der Zeit das Amt des Regierungschefs aus, zwischen 1998 und 2002 war er schon einmal Präsident. Im Oktober 2016 trat er zurück. Doch in den vergangenen Monaten gelang ihm ein Comeback. Er ließ sich als "Anführer, Staatsmann und Präsident aller Bürger" feiern. Gegner werfen Đukanović autoritäres Gebaren, Korruption, Vetternwirtschaft und Verbindungen zur organisierten Kriminalität vor. Sein Gegenkandidat Bojanic sagte bei der Stimmabgabe, Đukanović wolle Montenegro in eine "Diktatur" verwandeln.

In dem 620 000-Einwohner-Staat kommt es immer wieder zu Morden auf offener Straße und Autobombenanschlägen, die der organisierten Kriminalität zugeschrieben werden. Đukanović weist jegliche Verbindung zum organisierten Verbrechen von sich. Im Wahlkampf versprach er, alles tun zu wollen, damit die Polizei die Bürger schützen könne.

Der Streit um die Ausrichtung Montenegros nach Brüssel oder Moskau war aber nicht das einzige Wahlkampfthema. Montenegro leidet unter einer hohen Arbeitslosenquote von etwa 20 Prozent. Der durchschnittliche Lohn liegt bei nur ungefähr 500 Euro monatlich. Montenegro gilt zusammen mit Serbien als Favorit für einen künftigen Beitritt in die Europäische Union. Als mögliches Eintrittsdatum gilt das Jahr 2025. Eine Kuriosität ist in diesem Zusammenhang, dass Montenegro bereits jetzt den Euro nutzt, ohne Mitglied der Währungsunion und der Euro-Zone zu sein.

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