Spitzenposten bei der Bahn Pofalla will sein Bundestagsmandat offenbar aufgeben

In der Kritik: der frühere Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU).

Sollte der Bahn-Aufsichtsrat ihn in den Vorstand berufen, will Ex-Kanzleramtschef Pofalla laut eines Medienberichts sein Bundestagsmandat aufgeben. Die Kritik an seinem möglichen Wechsel zur Bahn nimmt trotzdem weiter zu: Widerstand formiert sich in der Opposition, Pofallas eigener Partei - und bei seinem künftigen Arbeitgeber.

Der bisherige Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) will sein Bundestagsmandat aufgeben, sollte der Aufsichtsrat der Bahn ihn in den Vorstand berufen. Das berichtete die Bild am Sonntag unter Berufung auf Informationen aus der Unionsführung. Damit würde Pofalla auf die Kritik an seinem möglichen Wechsel zur Bahn reagieren.

Selbst in der eigenen Partei stößt der mögliche Wechsel auf Vorbehalte: Der baden-württembergische CDU-Fraktionschef Peter Hauk riet Pofalla, sein Bundestagsmandat niederzulegen. Da es sich bei der Bahn um ein Unternehmen in Staatsbesitz handele, müsse "eine Interessenskollision auch dem Anschein nach vermieden werden", sagte Hauk der Welt. Grundsätzlich seien Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft aber zu begrüßen, da ein Erfahrungsaustausch im Interesse aller liege, sagte Hauk.

Bei der Bahn formiert sich derweil dem Spiegel zufolge offenbar Widerstand gegen die geplante Berufung des Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nach Informationen des Magazins wollen Teile des Aufsichtsrats verhindern, dass die Führungsspitze weiter aufgebläht wird. "Unser Ziel ist es eigentlich seit längerem, die Zahl der Vorstände zu reduzieren", sagte ein Aufsichtsratsmitglied. "Deshalb wird das Upgrade für Pofalla mit Sicherheit nicht einfach durchgewinkt." Die nächste Sitzung des Gremiums ist Ende März.

Angeblich habe Pofalla seinen Wechsel in den Bahn-Vorstand schon seit längerem geplant, schreibt das Nachrichtenmagazin. Nach Aussage eines Bahn-Insiders wird in dem Unternehmen bereits seit mehr als einem halben Jahr darüber gesprochen, einen Vorstandsposten für Regierungskontakte zu schaffen. Dabei sei von Anfang an der Name Pofalla im Spiel gewesen.

SPD für Sperrzeit von 18 Monaten

Die Grünen forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, zu Plänen ihres Vertrauten Stellung zu beziehen. "Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung jetzt so tut, als habe sie mit dem Wechsel nichts zu tun, nur weil er seit ein paar Wochen dem Kabinett nicht mehr angehört", sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Britta Haßelmann, der Rheinischen Post.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs sprach sich dafür aus, eine Sperrzeit für ausscheidende Regierungsmitglieder von 18 Monaten festzulegen. "Trotz der Empörung muss ein Wechsel von Politik zur Wirtschaft möglich sein", sagte er im RBB-Inforadio. "Allerdings braucht man Regeln, damit nicht jeder, der das tut, unter einen entsprechenden Verdacht kommt." Laut Koalitionsvertrag wollen Union und SPD eine "angemessene Regelung" erarbeiten, "um den Anschein von Interessenkonflikten zu vermeiden".

Als CDU-Generalsekretär hatte Pofalla Karenzzeiten einst schon als vorstellbar bezeichnet. "Ich könnte mir eine Art Selbstverpflichtung von Regierungsmitgliedern vorstellen, für die Zeit nach Ausscheiden aus dem Amt sich geschäftliche Rücksicht aufzuerlegen", sagte er Ende 2005 mit Blick auf das geplante Engagement von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) bei der deutsch-russischen Gaspipeline-Gesellschaft Nord Stream.

CDU-Wirtschaftsflügel für Übergangsgeld im Falle von Sperrzeiten

Der CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs sprach sich dafür aus, dass Politiker im Fall vorgeschriebener Sperrzeiten staatliche Ausgleichszahlungen erhalten müssten. "Es kann nicht sein, dass Politiker schlechter behandelt werden als Manager, die für eine Übergangszeit nicht zum Wettbewerber wechseln dürfen", sagte Fuchs der Rheinischen Post. Für Manager seien dann Kompensationszahlungen des alten Arbeitgebers üblich.

Der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sagte dem Spiegel: "Solange jeder Bürgermeister in diesem Land die Bahn als sein Eigentum betrachtet, braucht der Konzern einen starken hauptamtlichen Lobbyisten. Pofalla ist die perfekte Wahl."