Panama Papers Wie einfache Bürger billige Dienste für Offshore-Kunden leisten

Scheindirektoren unterzeichnen die wichtigen Verträge der Briefkasten-Firmen in Panama - doch in Wahrheit haben sie nichts zu sagen.

Von Bastian Brinkmann, Frederik Obermaier und Bastian Obermayer

Da ist zum Beispiel die Bavarian Pretzel Factory. Die bayerische Brezenfabrik. Ein hübscher Firmenname. In Panamas offiziellem Firmenregister ist nachzulesen, wer angeblich die Geschäftsführer dieses Unternehmens sind: Ein gewisser Michael Jackson gehört dazu. Michael Jackson? Ja, wirklich. Natürlich handelt es sich bei diesem Michael Jackson nicht um den verstorbenen Sänger. Aber dennoch: eine fürwahr herrliche Kombination.

Michael Jackson aus Panama ist ein Scheindirektor. Ein Mensch, der ständig wichtige Verträge unterzeichnet, Dokumente abgesegnet - und dennoch nichts zu sagen hat. Solche Menschen findet man zuhauf in den Panama Papers, und man findet sie eben auch im frei zugänglichen Firmenregister des mittelamerikanischen Landes. Sie führen aus, was die wahren Eigentümer der Briefkastenfirmen ihnen auftragen. Bei Hunderten Firmen, bei Tausenden, manchmal gar über bei Zehntausend. Und so zeichnen sie - ohne es zu wissen, denn wer kann schon so viele Dokumente lesen - auch ab, was Drogenkartellen, Autokraten oder Steuerhinterziehern nutzt, um ihre verbotenen Geschäfte zu tarnen. Falsche Geschäftsführer sind notwendig, damit die Schatten-Scharade funktioniert. Sie verleihen ihre Namen, damit die wahren Eigentümer nicht auftauchen.

So erfährt niemand, wer in Wahrheit die Konten kontrolliert

Wer eine Bank überfallen will, setzt eine Skimaske auf, und wenn Polizisten einen vermummten Räuber erwischen, können sie ihm die Maske vom Gesicht ziehen. Wenn Ermittler aber wissen wollen, wer hinter einer Briefkastenfirma steckt, finden sie oft nicht mal einen Zipfel, nach dem sie greifen könnten - und das liegt nicht zuletzt am System der Scheindirektoren. Mossack Fonseca nutzt dieses System, aber auch andere Dienstleister aus dem mittelamerikanischen Land.

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So erfährt niemand, wer in Wahrheit die Konten kontrolliert und wer die Geschäfte steuert. Denn auch für Beamte sind nur die Daten einsehbar, die in staatlichen Registern hinterlegt sind. In den meisten Steueroasen sind diese Informationen sehr dürftig, viele Register nennen neben dem Namen der Firma immerhin auch die Geschäftsführer. Allerdings nicht die echten. Hier stößt man dann auf Menschen wie Michael Jackson.

Wer sich höflich ausdrücken will, nennt diese Scheindirektoren Treuhänder. Das klingt nach einer ehrenwerten Rolle in der Finanzwelt. Tatsächlich sind Scheindirektoren die Fußsoldaten der Offshore-Industrie. Nichts geht ohne sie, und doch sind sie leicht austauschbar — und billig.