Die Videos verstören selbst den Staatsanwalt: Mitarbeiter einer diakonischen Schule sollen autistische Kinder misshandelt haben. Politiker sind alarmiert - und fordern schärfere Gesetze.
Nach der Aufdeckung von Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen kommen jetzt auch Vorkommnisse in einer Schule der evangelischen Kirche ans Licht.
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Dem Düsseldorfer Staatsanwalt zufolge hatten die Kinder in den Schulen unter "extrem rüdem Umgang" zu leiden. (© Symbolfoto: ddp)
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Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt gegen 17 ehemalige Mitarbeiter eines Tochterunternehmens der Graf-Recke-Stiftung. Dabei gehe es um Misshandlung Schutzbefohlener, Freiheitsberaubung und Nötigung - unter anderem - autistischer Kinder bei der Stiftungstochter Educon, die Schulen für behinderte und verhaltensauffällige Kinder betreibt.
Die Vorwürfe seien der Geschäftsführung im Sommer 2009 bekanntgeworden. Daraufhin sei Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf und dem Landesjugendamt erstattet worden, teilte die Stiftung am Montagabend mit. Die betroffenen Mitarbeiter und die Bereichsleitung seien zunächst vom Dienst suspendiert worden, ihnen sei später gekündigt worden, hieß es. Staatsanwalt Johannes Mocken sprach von einem "extrem rüden Umgang" mit den Kindern.
Grundlage der Ermittlungen seien unter anderem zahlreiche Videos, auf denen der Umgang gefilmt worden sei: "Die Bilder sind teilweise extrem erschreckend", sagte Mocken. Die Ermittlungen würden Monate dauern. Zu den konkreten Vorwürfen wollte sich ein Sprecher der Stiftung nicht äußern.
Der Stiftungsmitteilung zufolge wurden erste Vorwürfe gegen Mitarbeiter von Educon bereits 2008 bekannt. Educon habe sich damals ebenfalls von der zuständigen Gruppenleitung getrennt. Zur Aufarbeitung der vergangenen Geschehnisse sei eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden.
Neue Vorwürfe
Nachdem Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen zuletzt für weltweites Aufsehen sorgten, erreicht der Skandal nach Informationen der Nassauischen Neuen Presse jetzt auch die Limburger Domsingknaben. Ein ehemaliges Chormitglied habe Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst angeschrieben und ihm von Übergriffen des damaligen Dirigenten zwischen 1967 und 1973 berichtet. Der beschuldigte Domkapellmeister und Priester ist 2002 gestorben.
Unterdessen räumte der frühere Regensburger Domkapellmeister Georg Ratzinger ein, selbst Chormitglieder der Domspatzen geschlagen zu haben. "Ich habe am Anfang wiederholt auch Ohrfeigen ausgeteilt", sagte Ratzinger, der von 1964 bis 1994 im Amt war. Nie habe er allerdings jemanden "grün und blau" geschlagen.
Er gab auch zu, von Prügeln in der Internatsvorschule gewusst zu haben. "Mir war bekannt, dass Direktor M. sehr heftige Ohrfeigen verteilt hat", sagte der Bruder von Papst Benedikt XVI. der Passauer Neuen Presse. "Wenn ich gewusst hätte, mit welch übertriebener Heftigkeit er vorging, dann hätte ich schon damals etwas gesagt", so Ratzinger weiter. Er verurteile das Geschehene und bitte die Opfer um Verzeihung.
Als Reaktion auf die bekanntgewordenen Missbrauchsfälle rufen unterdessen immer mehr Politiker nach Gesetzesänderungen: Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) fordert die Erhöhung der Mindeststrafe von sechs Monaten auf ein Jahr. "Jeder sexuelle Missbrauch muss wieder als das Verbrechen gebrandmarkt werden, das es nach früherem Recht war und im Verständnis der Bürger immer geblieben ist", sagte sie der Zeitung Die Welt. Schließlich gehöre sexueller Missbrauch "zu den abscheulichsten Dingen, die ein Mensch einer unschuldigen Kinderseele antun kann", sagte Merk weiter.
Verjährungsfrist verzehnfachen
In der schwarz-gelben Koalition in Berlin gibt es Überlegungen, das Recht von Opfern sexuellen Missbrauchs auf finanzielle Entschädigung zu stärken. Die Verjährungsfrist für solche Ansprüche solle auf 30 Jahre verzehnfacht werden, sagte der FDP-Innen- und Rechtsexperte Hartfrid Wolff der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Anders als im Strafrecht sehen wir im Zivilrecht Handlungsbedarf", sagte auch der parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, der FDP-Politiker Max Stadler. "Die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren, um Schmerzensgeld und Schadenersatz geltend zu machen, ist deutlich zu kurz." Unionsfraktionsvize Günter Krings sprach sich ebenfalls für längere zivilrechtliche Fristen bei Missbrauch aus.
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx begrüßte den von der Bundesregierung geplanten runden Tisch zur Bekämpfung sexuellen Missbrauchs an Schulen. "Es ist gut, dass Vertreter aller relevanten gesellschaftlichen Gruppen eingeladen sind", sagte Marx dem Münchner Merkur. Er nannte die Meldungen über die Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche entsetzlich: "Ich empfinde Scham." Marx räumte auch ein, dass die Kirche in der Vergangenheit möglicherweise nicht genug an die Opfer gedacht habe.
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(sueddeutsche.de/ddp-bay/AP/Reuters/dpa/jab)
UN-Tourismusorganisation
... was wir in den letzten Wochen und Monaten über "christlich" motivierte Gewalt an Schutzbefohlenen erfahren haben. Es ist kaum mehr zu fassen und doch wird es wohl auch erst die Spitze des Eisberges gewesen sein.
Eine Kirche, deren gesalbte Vertreter sich vor Gott auf die Knie werfen, die Gottesmutter und ihren Sohn preisen, im Beichtstuhl von einem möglicherweise mit gleicher Schuld beladenen Mitbruder die Absolution erteilt bekommen, ihre Bussgebete flugs erledigen und weitermachen wie gehabt, die sich im übrigen im Wegsehen, Weghören und Wegdenken übt... eine solche Kirche ist nicht einmal mehr mit der Kohlenzange anzufassen!
Aber Gott wohnt nicht im Weihrauchnebel zwischen steinernen Mauern und schon gar nicht auf den verlogenen Lippen und in den verhärteten Herzen seiner kirchlichen Diener.
Zumindest bis 1960 waren Prügelstrafen in Schulen meines Erachtens normale Tagesgeschehnisse. Ich selbst ging bis zur 8. Klasse in eine reine Bubenklasse einer Volksschule in München mit bis zu 63 Kindern. Watschn, Kopfnüsse, Haareziehen, waren täglich verabreichte Disziplinierungsmaßnahmen. Das ziehen an den Koteletten beidseitig, Schläge mit einer Weidenrute auf die Fingerinnenseite und als Steigerung bei dem Ordnungsruf Finger auf die Bank auf die Oberseite der Finger hatten oftmals tagelange Schmerzen an diesen Stellen zur folge, Schläge damit auf das Hinterteil war eher selten. Das werfen mit Kreide, Schlüssel oder was da gerade auf dem Pult herumlag wurde von uns jedenfalls gar nicht registriert. Ich war da immer mit dabei, habe aber keinen seelischen Schaden davon getragen. Im Gegenteil aus mir wurde sogar etwas obwohl ich eher bei den schlechteren Schülern angesiedelt war. So ab 1959 wurden diese Vorfälle von den öffentlichen Lehrern spürbar weniger, die Priester als Religionslehrer haben zugegebenermaßen die neueren pädagogischen Erkenntnisse erst später gelernt.
..""Ich habe am Anfang wiederholt auch Ohrfeigen ausgeteilt", sagte Ratzinger, ... Mir war bekannt, dass Direktor M. sehr heftige Ohrfeigen verteilt hat", sagte der Bruder von Papst Benedikt XVI. der Passauer Neuen Presse. "Wenn ich gewusst hätte, mit welch übertriebener Heftigkeit er vorging, dann hätte ich schon damals etwas gesagt"
Und wer enrscheidet denn ab wann welche Schläge "heftig" sind oder nicht? Es kann ja wohl nicht angehen, dass man selbst Kinder schlägt, das so billig rechtfertigt und dann auch noch von einem der "heftige Ohrfeigen" verteilt hat solange gewusst hat.
Irgendwie schon krass dass man sich traut so frank und frei von "Ohrfeigen" zu prechen als sei das noch Normalität und dass man über etwaige Gesetzgebungen offensichtlich einfach mal so hinwegsieht und diese ignoriert. Dann auch noch am Ende wo alles herauskommt ein kleinlautes "Sorry, war nicht so gemeint" und damit ist alles wieder gut oder was?
Was kann man zB am Terminus "Schläge ins Gesicht" oder ähnlich falsch verstehen ? Wusste Herr Ratzinger etwa nicht, daß das Schlagen von Kindern ein Verbrechen ist ?
Also ich bin jetzt 38 Jahre alt und ich habe es in meiner Grundschulzeit selber noch erlebt, daß mehrere Lehrer auf Fehlverhalten wie Schwätzen und z.B. Kartenspielen während dem Unterricht ect. mit Kopfnüssen, Hamsterbacken und mit Ohrenlangziehen reagierten (mehr aber auch nicht, wobei ich sagen muß, daß die Kopfnüsse schon grenzwertig waren und auch nicht ungefährlich, weshalb ich den Lehrer damals als nicht ganz sauber bezeichnete).
Ich will solche Methoden sicher nicht entschuldigen, sie waren damals aber noch üblich und akzeptiert. Ich wäre nie auf die Idee gekommen davon zu Hause zu erzählen. Ich konnte damit Leben, solang es Einzelfälle blieben und wir dem Lehrer einen Anlaß/Grund für sein Vorgehen geliefert hatten bzw. ihn zuvor regelrecht zur Weißglut getrieben hatten, was nicht selten der Fall war.
Es kommt also wie immer auf den Einzelfall, die Umstände und die Dosis an. Jeder weiß das Kinder nicht nur nett und lieb sondern auch wahre Bestien sein können. Das einem Lehrer da mal der Gaul durch geht und er eine Watschen austeilt/bzw. einem die Ohren langzieht finde ich nicht dramatisch (ich finde es auch lächerlich wenn Eltern deswegen auf die Barrickaden gehen, hyperventilieren und Anzeige erstatten anstatt ihr Kinder vernünftig zu erziehen). Solange es Einzelfälle bleiben, ein trifftiger Grund vorlag und das ganze nicht darüber hinausgeht, bringt das einen normalen Menschen/Kind nicht um.
Diesen Fall sollte man nicht mit anderen Missbrauchsfällen vermischen. Ursachen sind hier wohl nicht Machtfantasien irgendwelcher Sadisten, sondern schlicht Überforderung und fehlendes Geld in der Pflege.
Meine Freundin wurde in Ihrem FSJ nach 14 Tagen Einarbeitung alleine auf eine ganze Station losgelassen. Sie hatte mit 20 Jahren ohne Ausbildung und selbstverantwortlich acht körperlich und geistig Behinderte zu betreuen. Das dies nicht erlaubt ist hat niemanden interessiert.
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