Misshandlungen in Deutschland Karte der Leiden

In fast ganz Deutschland ist es in den vergangenen 50 Jahren zu Misshandlungen und sexuellem Missbrauch an Schulen und Internaten gekommen.

In fast ganz Deutschland ist es in den vergangenen 50 Jahren zu Misshandlungen und sexuellem Missbrauch an katholischen Schulen und Internaten gekommen. Mittlerweile sind mindestens 23 Schulen und Internate von den Vorwürfen betroffen, insgesamt gibt es wohl mehr als 250 Opfer. Bis auf Ostdeutschland, wo es nur wenige katholische Internate gibt, liegen mittlerweile beinahe in allen Bistümern Verdachtsfälle vor - und fast täglich kommen neue hinzu. Das ergaben Nachfragen bei Bistümern und Internaten.

Die Anschuldigungen reichen von Priestern, die - wie zum Beispiel im Aloisiuskolleg in Bad Godesberg - Internatsschüler beim Duschen beobachtet, sie unsittlich angefasst oder Nacktfotos von ihnen gemacht haben sollen, bis hin zu Fällen von schwerem sexuellen Missbrauch.

Vieles ist verjährt

Die meisten Fälle liegen viele Jahre zurück, wie etwa jener am Musikgymnasium Regensburg, bei dem ein Präfekt im Jahr 1958 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, da man ihn bei unsittlichen Handlungen mit seinen Schützlingen ertappt hatte. Andere Fälle stammen aus der jüngeren Vergangenheit, wie etwa im Maristeninternat Mindelheim, wo der frühere Leiter des Internats wegen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen im Jahr 2008 zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt wurde.

Die meisten der bisher bekannten Fälle wurden jedoch nicht vor Gericht verhandelt. Für den Großteil dürfte es jetzt auch zu spät sein, da die Vorfälle entweder lange zurückliegen oder die mutmaßlichen Täter gestorben sind. Dennoch haben die Bistümer häufig die Staatsanwaltschaften eingeschaltet.

Nicht nur Katholiken betroffen

Die Recherchen zeigen jedoch auch, dass sexueller Missbrauch und Gewalt nicht nur in der katholischen Kirche vorkommen. So sind etwa aus der evangelischen Internatsschule Schloss Gaienhofen am Bodensee fünf Fälle von sexuellem Missbrauch bekannt und in der privat geführten, weltlichen Odenwaldschule in Heppenheim berichten 33 ehemalige Schüler von Missbrauch. Zudem haben Pädagogen in zahlreichen weltlichen Kinderheimen geprügelt und missbraucht. Nur einige davon - wie etwa das Vincenzhaus der Caritas in Hofheim oder das Vinzenzwerk in Münster - werden von kirchlichen Organisationen getragen.

Die Bistümer nehmen die Aufklärung der Fälle ernst, nicht überall sind die Diözesen jedoch zu Transparenz bereit. So wollen sich etwa die Bistümer Aachen, Erfurt und Magdeburg zur Zeit nicht zu den bisher bekannten Fällen auf ihrem Gebiet äußern. Sie verweisen auf die Deutsche Bischofskonferenz, die jedoch ebenfalls eine Stellungnahme ablehnt. Derzeit sei es für Berichte über Ergebnisse der Nachforschungen noch zu früh, wird argumentiert. In den kommenden Tagen wird sich die Zahl der Fälle weiter erhöhen; das Bistum Rottenburg-Stuttgart hat etwa einen Zwischenbericht seiner internen Recherchen angekündigt und auch das Bistum Fulda untersucht zur Zeit neue Vorwürfe gegen fünf Priester und Kirchenmitarbeiter.