Missglückte Tier-Diplomatie in Mali Familie isst Hollandes Kamel auf

Februar dieses Jahres: Malis Interimspräsident Dioncounda Traore empfängt Frankreichs Präsident François Hollande am Flughafen von Timbuktu - der furchtsame Blick des Kamels deutet die kommenden Ereignisse an.

(Foto: AFP)

Ein ungewöhnliches Präsent, ein erschreckend gewöhnliches Ende. Ein Kamel, das François Hollande im Januar in Mali geschenkt bekam, ist ohne die Zustimmung des französischen Präsidenten aufgegessen worden. Nun versuchen Malis Behörden, die Situation zu retten.

Von Nadia Pantel

Es gibt Geschenke, die sind zum Verzehr gedacht. Pralinen zum Beispiel. Und es gibt Geschenke, die sind nicht zum Verzehr gedacht. Kamele zum Beispiel. Und wenn es dann doch dazu kommt, dass ein geschenktes Kamel verzehrt wird, dann sollte das wenigstens der Beschenkte tun. Keine dieser Geschenk-Regeln wurde im Fall des Kamels von François Hollande beachtet. Es wurde gegessen. Und zwar nicht von Hollande.

Aber von vorn: Als Dankeschön für den französischen Militäreinsatz in Mali bekam Frankreichs Präsident im Januar bei einem Besuch von Vertretern des Landes ein Kamel geschenkt. Ein teures und zugegebenermaßen sehr großes Präsent. So groß, dass Hollande darauf verzichtete, es nach Paris zu nehmen.

Tiere verschenken ist ja nichts Ungewöhnliches. Auf die Mitnahme des geschenkten Tieres zu verzichten hingegen schon. Als Helmut Schmidt beispielsweise 1980 von Deng Xiaoping zwei chinesische Pandas geschenkt bekam, übergab er sie dem Berliner Zoo. In den prä-knutischen Zeiten war so ein Bär im Zoo auch noch keine Weltsensation, sondern einfach eine schöne Sache. Wenn auch vielleicht nicht für die Pandas.

Schöner als das Schicksal von Hollandes Kamel war das der Schmidt'schen Bären jedenfalls allemal. Kaum verschenkt, gab Hollande es auch schon ab. Pflegefamilie lautete das Konzept. Das Kamel zog in Mali aufs Land.

Ein schöneres Kamel für Hollande

Doch ob der Familie die Idee der Pflege wirklich erklärt wurde, scheint zu zweifelhaft. Denn statt allabendlich mit feinen französischen Weinen und Anekdoten über Hollandes Vorgänger als Truppenbefehlshaber - von Napoleon bis Charles de Gaulle - verwöhnt zu werden, wurde das Tier: geschlachtet. Und gegessen. Vermutlich mit Reis und Spinat als Beilagen, wie in der malischen Küche üblich.

Hollande hielt offenbar so spärlichen Kontakt mit dem Kamel, dass der Präsident dessen Fehlen erst bemerkte, als ihn der französische Verteidigungsminister vom Tod des Tieres unterrichtete. Doch mit der schlechten Nachricht kam auch gleich die gute. "Wir haben das tote Kamel durch ein größeres und schöneres Kamel ersetzen lassen," ließ ein malischer Beamter am Dienstag mitteilen.

Sowohl für Hollande als auch für das Kamel ist das natürlich ein Affront. Wie kann es sein, dass dem französischen Präsidenten nicht von Anfang an das beste Kamel im Stall zugedacht war? Dem verzehrten Tier gegenüber ist es zudem unnötig beleidigend, es im Nachhinein als nicht ganz so groß und schön darzustellen. War es am Ende gar eine ästhetische Notschlachtung?

Keine Ausreden mehr

Um sicher zu gehen wird Hollandes neues Ehrenkamel jedenfalls direkt nach Frankreich geschickt, Ausreden will man dem französischen Präsidenten dieses Mal nicht mehr durchgehen lassen. Es böte sich möglicherweise an, den Teilabzug französischen Truppen aus Mali, der in diesen Tagen begonnen hat, mit dem Transport des Kamels abzustimmen. Richtung Paris müssen sie schließlich alle.

"Chameau", das französische Wort für Kamel, ist übrigens ebenso wie im Deutschen eine populäre Bezeichnung für einen Menschen beschränkter Intelligenz. Neben der Tatsache, dass Kamele sperrig und offenbar nur schwer vor der Verwurstung zu schützen sind, ist dies womöglich ein weiterer Schwachpunkt der Kamel-Diplomatie.