Das Erzbistum habe dem Opfer therapeutische Hilfe angeboten. Auf eine Anzeige aber habe man verzichtet: "Wir wollten den Pfarrer nicht in den Tod treiben. Und wir waren davon überzeugt, dass wir mit einer Anzeige große Unruhe in die Gemeinde tragen würden - bis hin zur Entzweiung von Familien." Heute wisse man, dass dies falsch gewesen sei; bei einem Treffen hat Zollitsch das am Freitag vergangener Woche auch den Opfern selber gesagt und sie "von ganzem Herzen um Verzeihung" gebeten.

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Nicht nur in der katholischen Kirche wurde damals so mit Missbrauchsfällen umgegangen. Umso schwerer ist verständlich, warum das Bistum im März die Sache anders darstellte. Warum? Um abzuwiegeln und um zu vertuschen - das ist, grob gesagt, der Vorwurf des SWR-Beitrags und der Opfer, die dort zu Wort kommen: "Man merkt, dass immer nur auf den Tisch kommt, was bewiesen werden kann", sagt einer der Männer. Zollitsch erklärt dagegen, er habe im März "unter enormem Zeitdruck formulieren" müssen, ohne die Unterlagen genau zu kennen: "Die Vorgänge von 1992 und die von 1995 hatten sich nach so vielen Jahren in meinem Gedächtnis ineinander verschoben."

Der Fall erinnert an den der Maria Jepsen

Im März, nach sechs Wochen Missbrauchskrise und einer Bischofskonferenz zum Thema, hat der Vorsitzende dieser Konferenz nicht die wichtigsten Unterlagen zum schlimmsten Missbrauchsfall in seinem Bereich zur Hand? Es drängt sich die Parallele zu jenem Fall auf, dessentwegen die nordelbische Bischöfin Maria Jepsen am Freitag zurücktrat: Auch dort wurde ein Pastor zwar aus der Gemeinde in Ahrensburg genommen, als Gerüchte über ihn auftauchten, aber niemand hat ihn wirklich zur Rechenschaft gezogen. Und als alles an die Öffentlichkeit kam, hat die Bischöfin, bei allem Bedauern, nicht die ganze Wahrheit gesagt. Von Maria Jepsen heißt es, sie sei auch amtsmüde gewesen, das ist Zollitsch offenkundig nicht, aber es wird ihm schwerer fallen als bisher, sich als Vorsitzender der Bischofskonferenz an die Spitze der Aufklärer zu stellen.

Ähnlichkeiten mit Maria Jepsens Fall sieht Bistumssprecher Robert Eberle jedenfalls nicht. Die Vorwürfe seien "weder neu noch gerechtfertigt". Und er fügt hinzu: "Es sind Fehler passiert, aber von Rücktritt redet hier niemand."

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  1. Zweifel an Zollitsch
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(SZ vom 20.07.2010/mob)