Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz Ackermann Wie der Bischof sich verteidigt

Ausgerechnet der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche muss sich rechtfertigen: Opfer werfen Bischof Stephan Ackermann vor, erschreckend fahrlässig mit verurteilten Sexualstraftätern umzugehen. Wohin aber mit ihnen, wenn sie ihre Strafe verbüßt haben? Dient es dem Kinderschutz, sie einfach zu entlassen?

Von Matthias Drobinski

Ausgerechnet er muss sich nun verteidigen: Stephan Ackermann, an diesem Dienstag 49 Jahre alt gewordener Bischof von Trier, Beauftragter der Bischofskonferenz für Fälle von sexuellem Missbrauch. Ausgerechnet er, der nicht müde wird zu erklären, dass es keine Toleranz gegenüber sexueller Gewalt geben dürfe und die katholische Kirche eine "Kultur der Achtsamkeit" lernen müsse.

Stephan Ackermann: Der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte der Katholischen Kirche steht in der Kritik.

(Foto: dapd)

Missbrauchsopfer werfen im Spiegel dem Bistum Trier vor, erschreckend fahrlässig mit verurteilten Sexualstraftätern umzugehen. Sieben von ihnen würden wieder in der Seelsorge eingesetzt, in Altenheimen oder Krankenhäusern, manchmal aber auch zur Aushilfe in den Pfarreien.

In der Sache geht es um einen schwierig zu lösenden Konflikt: Wohin mit verurteilten Tätern, die ihre Strafe verbüßt haben? Experten sagen, dass es auch nicht dem Kinderschutz dient, sie einfach zu entlassen und sich nicht mehr um sie zu kümmern. Aber kann man sie einfach wieder als Seelsorger einsetzen? Keiner dieser Pfarrer arbeite in der Kinder-und Jugendarbeit, wehrt sich Ackermann.

Alle seien forensisch-psychiatrisch begutachtet worden, überhaupt dürfe es kein "Guantanamo für kirchliche Täter" geben. Das ist im Prinzip nicht falsch, es stockt einem aber schon der Atem, wenn einer der Geistlichen berichtet, er sei 1996 in eine Auslandsgemeinde in der Ukraine versetzt worden und habe dort erneut Kinder missbraucht.

Doch hinter dem konkreten Konflikt steht das Grundsätzliche: Immer noch ist der Missbrauchsskandal unerledigt, den Reuebekundungen und Besserungsbeteuerungen, Präventionskatalogen, Leitlinien und Entschädigungszahlungen zum Trotz.

Das alles heilt ja nicht die Verletzungen; es verhindert auch nicht, dass immer wieder Fälle auftauchen, in denen die Verantwortlichen himmelschreiend falsch handelten. Im Februar, am Rande einer Tagung in Trier, hat Ackermann gesagt, es breche nun die Zeit der strittigen Einzelfälle an, egal, wie viel Mühe sich die Kirche gebe - weil das Vertrauen zerbrochen ist. Er wird geahnt haben, dass das besonders auf ihn zutreffen wird.

Mit zögerndem Mut

Dabei hat er sich tatsächlich viel Mühe gegeben, sich dem Mediensturm und mehr noch den furchtbaren Berichten der Opfer ausgesetzt, während erfahrenere Mitbrüder sich wegduckten. So, wie er einst mit zögerndem Mut vom heimatlichen Nickenich bei Andernach ins ferne Rom ging, an die päpstliche Elite-Universität Gregoriana.

Wie er, mehr aus Gemeinschaftssinn als aus Karrierebewusstsein, Leiter eines Priesterseminars wurde. Als 2009 Reinhard Marx, der Macher, Erzbischof in München wurde, machte Papst Benedikt XVI. den leisen Ackermann zu dessen Nachfolger.

Leise hat er seitdem Akzente gesetzt: Damit die evangelische Kirche mitfeiern kann, wird es bei der traditionellen Heilig-Rock-Wallfahrt in diesem Jahr keinen Ablass geben; mancher Katholik ist erzürnt. Doch zu viel Zugewandtheit zur Welt ist auch ihm nicht ganz geheuer: Das Interview, mit dem er sich gegen die Vorwürfe verteidigt, gab er nicht etwa dem SWR mit seinem Millionenpublikum - sondern dem kircheneigenen Domradio in Köln.