Missbrauch in der Kirche Psychiater warnte vor Phädophilem - vergebens

Ein pädophiler Priester wechselte in die Diözese München - und sein Psychiater beschwor, dem Pfarrer den Umgang mit Kindern zu verbieten. Ohne Erfolg, wie sich jetzt zeigt.

Er warnte sie eindringlich - doch seine Einschätzungen wurden in der katholischen Kirche in München und Freising nicht gehört und nicht gelesen.

Es war Psychiater Werner Huth, der sich eingemischt hatte. Laut New York Times beschwor er die katholische Kirche Anfang der 80er JAhre geradezu: Der wegen Kindesmissbrauchs vorbelastete Pfarrer aus dem Bistum Essen, der bei ihm in Behandlung war, dürfe auf gar keinen Fall wieder mit Kindern arbeiten. Doch die Erzdiözese München und Freising habe ihn ignoriert. Die Süddeutsche Zeitung hatte den Fall vergangene Woche publik gemacht.

"Um Gottes willen, er muss dringend von der Arbeit mit Kindern ferngehalten werden", sagt Huth der New York Times. Die aktuelle Geschichte habe ihn sehr unglücklich gemacht.

Nach seiner Versetzung aus Essen sollte sich der Pfarrer im Erzbistum München und Freising einer Therapie unterziehen. Das wurde vom damaligen Erzbischof Joseph Ratzinger befürwortet: Der heutige Papst Benedikt XVI. saß damals im Ordinariatsrat des Bistums. Dieses Gremium stimmte schließlich dem Umzug zu.

Psychiater Huth stellte drei Bedingungen auf: Kein Alkohol, kein Kontakt zu Kindern - und ein weiterer Priester zur ständigen Aufsicht.

Doch der gefährdete und gefährdende Pfarrer durfte kurz nach Beginn der Therapie parallel wieder Gemeindearbeit leisten - und er hatte erneut Kontakt zu Kindern.

Davon allerdings soll Kardinal Ratzinger, der seit 2005 als Heiliger Vater den Katholiken vorsteht, aber nichts gewusst haben. Fünf Jahre später wurde der pädophile Priester erneut wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt.

Vergeblich Einzeltherapie empfohlen

Die Aussagen von Psychiater Huth werfen ein Licht auf die Arbeit mit dem pädophilen Priester. Huth empfahl eine Einzeltherapie, doch der Pfarrer lehnte ab. Er wollte lieber an den Gruppentherapien mit acht Leuten teilnehmen. Gegen sein Alkoholproblem verschrieb ihm Huth Medikamente. Doch der pädophile Geistliche kam ihm in den Therapiestunden nicht sonderlich motiviert vor.

"Er machte die Therapie aus Angst, seinen Posten zu verlieren - und aus Angst vor Strafe", sagt Huth der New York Times.

Der 1929 geborene Huth hat die Kirche nach eigenen Angaben regelmäßig über den Verlauf der Therapie unterrichtet. Doch die Gebote, die er aufgestellt hatte - kein Kontakt zu Kindern, kein Alkohol und jederzeit ein weiterer Priester zur Aufsicht - wurden nur sporadisch beachtet.

Für den Prozess 1986 holte das Gericht das Gutachten eines weiteren Therapeuten ein. Auch Therapeut Johannes Kemper schrieb bei dem Delinquenten dem Alkohol eine "große Rolle" zu: "Vor dem sexuellen Missbrauch trank er, und unter dem Einfluss des Alkohols sah er sich zusammen mit Jugendlichen Pornovideos an."

Internationales Medienecho

Der Fall hat international großes Aufsehen erregt. Papst Benedikt XVI. äußerte sich am vergangenen Wochenende nicht zu den Fehlern, die auch unter seiner Führung in München geschehen sind. Der Vatikan kündigte für den morgigen Samstag einen Hirtenbrief des Papstes an die irischen Bischöfe an - aufgrund der dortigen Missbrauchsfälle.

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