Erzbischof Joachim Zollitsch erklärt sich bei einem Treffen mit der Justizministerin bereit, über finanzielle Entschädigungen für Missbrauchsopfer zu diskutieren.
Die katholische Kirche ist grundsätzlich bereit, bald über die Frage finanzieller Entschädigung von Opfern sexuellen Missbrauchs zu diskutieren. Bei einem Treffen mit Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erklärte sich der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Joachim Zollitsch, bereit, an dem runden Tisch zum Kindesmissbrauch, der nächste Woche erstmals tagt, über eine, wie es hieß "angemessene Anerkennung des Leides der Opfer" zu reden.
Bei einem Treffen mit Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erklärte sich Erzbischof Joachim Zollitsch, bereit, an dem runden Tisch über eine "angemessene Anerkennung des Leides der Opfer" zu reden. (© Foto: dpa)
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Konkrete Formen der Entschädigung seien bei dem Gespräch im Justizministerium kein Thema gewesen, sagten Teilnehmer. Aus Kirchenkreisen hieß es, die Missbrauchsfälle der vergangenen Jahrzehnte seien sehr unterschiedlich, ebenso die Bedürfnisse der Opfer. Es gebe keine Patentlösungen, die einst missbrauchten Kinder bräuchten individuelle Unterstützung. Auch müsse geklärt werden, welche Entschädigungen die einst in Heimen misshandelten Kinder erhielten; diese beiden Gruppen dürften nicht fundamental unterschiedlich behandelt werden.
Zollitsch sagte der Ministerin nach Teilnehmerangaben auch zu, in Missbrauchsfällen eng und schnell mit der Justiz zusammenzuarbeiten. Die innerkirchlichen Leitlinien aus dem Jahr 2002 zum Umgang mit Verdachtsfällen würden präzisiert. Darin heißt es bislang, in solchen Fällen werde "gegebenenfalls das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht". Das Wort "gegebenenfalls" solle gestrichen werden, teilte Zollitschs Sprecher Matthias Kopp mit. Die katholische Kirche möchte sich aber weiter vorbehalten, die Justiz nicht einzuschalten, wenn die Opfer darauf bestehen. Sei Gefahr im Verzug sei, solle dies aber nicht gelten.
Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, forderte die katholische Kirche auf, in Deutschland bald einheitliche Regelungen zum Umgang mit Missbrauchsfällen durchzusetzen. "Es muss, unabhängig vom Kirchenrecht, einen klaren einhelligen Weg geben", sagte Glück mit Blick auf den viel beachteten Beschluss der bayerischen Bischöfe, in Zukunft bei jedem Missbrauchsverdacht die Justiz einzuschalten.
Konkreter Anlass des Treffens Leutheusser-Schnarrenbergers mit Zollitsch war ein Streit der beiden am Jahresanfang. Die Justizministerin hatte der katholischen Kirche vorgeworfen, die Strafverfolger nicht zügig genug zu informieren. Zollitsch hatte dies empört bestritten und Leutheusser-Schnarrenberger ein Ultimatum zur Rücknahme ihres Vorwurfs gestellt. Teilnehmer beider Seiten sprachen nun von einem sachliches Treffen in guter Atmosphäre. Die frühere Verwerfung sei nicht mehr zur Sprache gekommen.
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(SZ vom 16.04.2010/segi)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
Liebe Frau Höll, zu Ihrem obigen Artikel sowie Ihrem Kommentar in der SZ (16.04.), S. 4:
1. Erzbischof Zollitsch heißt mit Vornamen Robert, nicht Joachim, wie von Ihnen in beiden Artikeln geschrieben. Bitte informieren Sie sich zukünftig besser.
2. In Ihrem Kommentar schreiben Sie, Zollitsch wehre sich noch immer dagegen, "künftig jedweden Missbrauchsfall anzuzeigen ... mit dem Argument, manche Opfer wollten sich nicht den Behörden offenbarean." Demgegenüber sind Sie der Ansicht: "Die Justiz kann und wird Wege finden, solche Opfer zu schützen." - Wissen Sie eigentlich, was es für ein Missbrauchopfer bedeutet, wenn in einer derartigen Sache ein Prozess geführt wird, und der mutmaßliche Täter die Tat bestreitet? Jede Ungenauigkeit der Angabe durch das Opfer kann zum Problem werden. Wenn das Opfer einen Tatzeitpunkt angibt, und der Täter für diesen Zeitpunkt ein Alibi nennt, kann das als fehlende Glaubwürdigkeit des Zeugen ausgelegt werden. Zu diesen Problemen kommt es gerade dann, wenn die Tat - wie so oft - bereits Monate oder Jahre zurückliegt. Mitunter wird daraus dann umgekehrt der Vorwurf der Verleumdung. Ist es nicht nachvollziehbar, dass zahlreiche Opfer selbst erwarten, dass ihnen ein derartiges Verfahren erspart bleibt? Vielleicht haben Sie recht, dass die Justiz Wege finden wird, derartige Probleme zu vermeiden. Dann ist allerdings die Justiz in der Bringschuld, entsprechende Wege auch aufzuzeigen.
Auch in dieser Hinsicht würde ich mich mir als Leser gründlichere Abwägungen in einer ansonsten von mir sehr geschätzten Zeitung wünschen.
Aber halten Sie sich da bitte an die päpstlichen Vorgaben: "Nur in unermesslichen und überwältigen Fällen!"
Also chronischer Steuerhinterzieher interessiert es mich nur am Rande: "Wer bezahlt eigentlich die Entschädigungen?"