Gegen diese Annahme könnte sprechen, dass nicht-pädophile Priester, die ihre Zölibatsverpflichtung nicht länger einhalten wollen, es dann wohl vorziehen werden, jemanden aus ihrer eigentlichen Zielgruppe zu finden - also erwachsene Frauen oder Männer. Zudem dürfte dieser Weg für sie mit weniger Ängsten besetzt sein als der sexuelle Kontakt zu Kindern, weil sie dadurch kein strafrechtliches Risiko eingehen.
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Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (© Foto: dpa)
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Kirche der USA als Vorreiter
Aber sicher ist das keineswegs. Wir verfügen leider zu dieser wichtigen Frage über keine empirischen Befunde. Der Kirche ist deshalb zu empfehlen, dass sie die Hypothese empirisch überprüfen lässt, wonach nicht-pädophile Priester sich teilweise aus einer zölibatsbedingten sexuellen Notlage heraus vergangen haben, oder ob andere Motive dafür ausschlaggebend waren. Die katholische Kirche der USA könnte hier ein gutes Vorbild sein. Sie hat 2006 ein Team von unabhängigen Wissenschaftlern mit einer breiten Untersuchung zum sexuellen Missbrauch durch Priester beauftragt. Dabei wird dort auch die hier aufgeworfene Frage behandelt.
Und was ist der Kirche sonst noch anzuraten? Im Hinblick auf den Umgang mit Tätern und Opfern hat sie einen respektablen Kurswechsel eingeleitet, der nun konsequent umgesetzt werden muss.
Aber wie steht es um die Prävention? Die Kirche sollte hier zwei Erkenntnisse nutzen. Erstens: Potentielle Täter fürchten am meisten das Risiko der Entdeckung ihrer Tat. Daher ist alles gut, was die Anzeigebereitschaft der Opfer fördert. Zum Beispiel wäre das ein Angebot an alle Schülerinnen und Schüler - auch an katholischen Schulen -, unter ihren Lehrerinnen und Lehrern eine Vertrauensperson als Ansprechpartner/in für sexuellen Missbrauch zu wählen. Diese müsste dann die erforderliche Fortbildung erhalten.
Sexuelle Impulse unter Kontrolle bringen
Zweitens: Potentielle Täter brauchen Hilfe. Das von Beier und seinem Team an der Charité eingerichtete Projekt "Kein Täter werden" ist hierfür ein geeignetes Modell. Seit 2005 können sich dort pädophile Männer anonym und angstfrei melden - oder auch solche, die die Sorge haben, dass sie aus anderen Gründen in Gefahr sind, sich sexuell an Kindern zu vergehen. Sie erhalten kostenlos Beratung und therapeutische Hilfe, und dies auch dann, wenn sie bereits Missbrauchstäter geworden sind.
Ziel ist, den Betroffenen zu vermitteln, wie sie ihre sexuellen Impulse kontrollieren können. Die Ergebnisse der begleitenden Forschung sind sehr ermutigend. Die Kirche könnte nach diesem Konzept, vielleicht in Partnerschaft mit der Charité, für Priester eine Hotline einrichten - eine telefonische Anlaufstelle, die den Ratsuchenden auch konstruktive Hinweise dafür gibt, wo sie sich therapeutische Hilfe holen können.
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(SZ vom 15.03.2010/dmo)
Bundespräsident Gauck
Das ist aber eine sehr eigenartige Statistik die hier aufgestellt wird. Das ist so als würde man die Morde des 48-fachen Frauenmörders Gary Ridgway, in Verhältnis zu der Gesammtanzahl der Morde in den USA setzen und dann feststellen, daß der Anteil nur im Promillebereich liegt und Herr Ridgway deshalb offensichtlich kein besonderes Problem mit Frauen hat.
Sie müssen das ganze schon ins Verhältnis setzen. Wenn wir das überschlagen, dann wären 147 tatverdächtige Priester einer Anzahl von 15.000 katholischen Priestern in Deutschland gegeüber zu stellen. Das macht ca. einen Tatverdächtigen auf 100 Priester.
Auf der anderen Seite sind das 138.000 Tatverdächtige, die wir nun ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung setzen. Das wäre 61 Mio. über 18 jährige, die Hälfte davon Männer: Ca 30 Mio.
Wobei man noch davon ausgehen müsste, daß unter Ihren 138.000 Tatverdächtigen sicherlich auch unter 18 jährige und Frauen sind. Die folgende Quote ist also eher noch geringer sein. Daraus ergibt sich ein Tatverdächtiger auf 220 Bürger.
Die katholischen Priester haben also im Vergleich zur Gesamtbevölkerung eine mehr als doppelt so hohe Quote an Tatverdächtigen. Da sieht das doch schon ganz anders aus Herr Pfeiffer. Ein vergleich mit evangelischen Priestern wäre vielleicht noch aussagekräftiger. Wer nun behauptet der Zölibat wäre nicht ein Teil des Problems, der glaubt sicher auch an die Unfehlbarkeit des Papstes oder die unbefleckte Empfängnis.
Ich hoffe die Arbeit am Forschungsinstitut für Kriminologie ist etwas weniger tendenziös, als das was hier von Herrn Pfeiffer verbreitet wird.
1,3 Mrd.Dollar Wiedergutmachungszahlungen der Heilgen Katholischen Kirche an die Mißbrauchsopfer (überwiegend Kinder und Jugendliche) in den USA !
Und 2,3 Mrd. Euro im kleinen Irland !
Da kommen Sie aber in Erklärungsnot mit Ihren 0,1 Prozent, Herr Pfeiffer. Zusammen rund 3,3 Mrd.Euro , das hat schon gewaltige Ausmaße,da können Sie noch soviel abwiegeln.