Ein US-Regierungsvertreter hat den Angriff auf ein syrisches Dorf bestätigt, bei dem acht Menschen getötet wurden. Syrien bestellte die diplomatische Vertretung der USA ein.

Die USA haben einen Hubschrauberangriff in Syrien bestätigt, bei dem nach syrischen Angaben acht Menschen ums Leben kamen. US-Streitkräfte seien am Sonntag in syrisches Gebiet vorgedrungen, sagte ein Regierungsvertreter, der ungenannt bleiben wollte, in Washington.

Bild vergrößern

Wer ist verantwortlich für die Attacke auf ein ziviles Gebäude in Syrien? Das syrische Fernsehen zeigte Bilder des angegriffenen Rohbaues. (© Foto: AP)

Anzeige

Der Einsatz habe sich gegen ausländische Kämpfer gerichtet, die nicht näher bezeichnet wurden und sei "erfolgreich" gewesen. Zuvor hatte die irakische Regierung mitgeteilt, der Angriff auf ein syrisches Dorf sei gegen Aufständische und Terroristen gerichtet gewesen.

Iraks Regierungssprecher Ali el Dabagh sagte in Bagdad, in dem angegriffenen Gebiet seien Aufständische aktiv, die Syrien als Basis für Aktionen gegen den Irak nutzten. Erst kürzlich hätten Rebellen 19 irakische Sicherheitskräfte im syrisch-irakischen Grenzgebiet getötet. Die irakische Regierung habe wegen des Angriffs mit den USA in Verbindung gestanden.

Der für das Grenzgebiet verantwortliche US-General John Kelly hatte vergangene Woche erklärt, nach irakischen Erkenntnissen könnten sich Extremisten von al-Qaida und anderen Gruppen auf der syrischen Seite der Grenze relativ offen bewegen. Der syrische Innenminister Bassam Abdel Madschid bestritt solche Vorwürfe.

Offiziellen syrischen Angaben zufolge waren US-Soldaten am Sonntag mit Hubschraubern in einem Dorf an der Grenze zum Irak gelandet und hatten dort acht Menschen getötet. Die Soldaten hätten ein im Bau befindliches ziviles Gebäude angegriffen und auf die Bauarbeiter geschossen. Anschließend hätten die Helikopter Syrien in Richtung Irak verlassen.

Der Regierungsvertreter in Washington war der erste US-Offizielle, der sich zu dem Vorfall äußerte. Die US-geführten Koalitionstruppen im Irak hatten zuvor auf Anfrage erklärt, sie hätten "keinerlei Informationen" über den Vorfall. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, hatte die syrischen Vorwürfe zunächst nicht kommentieren wollen.

Diplomatische Vertreter der USA und des Iraks einbestellt

Syrien bestellte die diplomatischen Vertreter der USA und des Irak ein. Die staatliche syrische Zeitung Techrin bezeichnete den Vorfall als "Kriegsverbrechen" und "kaltblütigen Mord" und machte die US-Regierung unter Präsident George W. Bush für den Angriff verantwortlich. Das syrische Außenministerium forderte Bagdad auf, den Vorfall zu untersuchen und zu verhindern, dass der Irak als Ausgangspunkt für Angriffe gegen Syrien genutzt werde.

Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora verurteilte den Angriff als gefährliche und inakzeptable "Verletzung der syrischen Souveränität". Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas sprach von einem "barbarischen Angriff".

"Schreckliches Verbrechen"

Ein Nachbar des angegriffenen Gehöfts al-Sukkari in der Region Albu Kamal nahe dem wichtigsten syrisch-irakischen Grenzübergang berichtete, die vier Hubschrauber seien aus unterschiedlichen Richtungen gekommen. Zwei davon seien gelandet, Soldaten seien herausgesprungen und hätten das Feuer eröffnet. "Sie blieben etwa vier Minuten lang und flogen dann wieder fort."

Ähnlich schilderte die mit Verletzungen im Krankenhaus liegende Frau eines Wächters den Vorfall dem syrischen Fernsehen. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana waren alle Getöteten Syrer. Unter ihnen seien ein Mann und seine vier Kinder sowie ein Ehepaar. Der syrische Botschafter in Großbritannien, Sami al-Chijami, bezeichnete den Vorfall als "schreckliches Verbrechen".

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(AP/dpa/Reuters/AFP/gal/cgu/ssc/bosw)