Militäraktion im Gaza-Streifen Angriffe gehen weiter

Israel setzt seine Angriffe auf Ziele der Hamas aus der Luft fort. Auch die Bodenoffensive geht weiter.

Israel hat seine Offensive gegen Kämpfer der radikal-islamischen Hamas im Gaza-Streifen fortgesetzt. Der israelische Rundfunk meldete, in der Nacht zum Montag seien 30 Ziele in dem Palästinensergebiet angegriffen worden. Bislang zeige Hamas keine Anzeichen einer Schwächung.

Von Israel aus sind die Explosionen über dem nördlichen Gazastreifen gut zu sehen.

(Foto: Foto: AP)

Die Nachrichtenagentur AFP zitierte eine Militärsprecherin, wonach in der Nacht 130 Ziele im Gaza-Streifen angegriffen wurden. Auch die Bodentruppen hätten mit Unterstützung aus der Luft ihren Vormarsch fortgesetzt. Die israelische Kriegsmarine bombardierte offenbar Gaza-Stadt. Laut Augenzeugen wurden auch die wichtigsten Verkehrsachsen im Gaza-Streifen bombardiert.

Während der israelische Präsident Shimon Peres einen Waffenstillstand mit der Hamas ausschloss, bemühten sich Frankreich und Ägypten um ein Ende der Kämpfe. Der israelische Hörfunk berichtete, in Gaza-Stadt sei es am Montagmorgen zu Schießereien zwischen israelischen Soldaten und militanten Hamas-Angehörigen gekommen. Im Norden der Stadt waren Explosionen zu hören, als die Soldaten vorrückten. Sie forderten die Bewohner auf, ihre Häuser zu verlassen, damit sie bei den Kämpfen nicht verletzt würden. Einige Familien suchten Zuflucht in einer von den UN geführten Schule.

Die israelische Armee teilte bei ihrem Vormarsch den Gazastreifen in zwei Zonen. Truppen kreisten Gaza-Stadt ein. Seit Israel am 27. Dezember seine Offensive mit Luftangriffen gestartet hat, wurden nach UN-Angaben mehr als 500 Palästinenser getötet, mindestens ein Viertel von ihnen Zivilisten. Nach Palästinenserangaben starben allein seit Beginn der Bodenoffensive mindestens 50 Palästinenser, 200 seien verletzt worden.

Im Gaza-Streifen gibt es nur 2500 Krankenhausbetten, in vielen Kliniken ist der Strom ausgefallen, weshalb die Ärzte auf Generatoren angewiesen sind. Diese werde mit Diesel betrieben. Vier Israelis kamen seither bei Raketenangriffen der Hamas ums Leben. Bei der am Samstagabend begonnenen israelischen Bodenoffensive wurden ein Soldat getötet und 48 verletzt.

Delegation der Hamas reist nach Kairo

Die Hamas wollte am Montag eine Delegation nach Kairo schicken und die ersten diplomatischen Gespräche seit Beginn der israelischen Offensive vor zehn Tagen führen. Die Delegation folge einer Einladung Ägyptens, sagte ein Hamas-Sprecher. Am Freitag hatte ein führender Palästinenser erklärt, Ägypten habe Kontakt zur Hamas aufgenommen, um eine Waffenruhe zu erreichen.

Der Besuch der Hamas-Delegation in Kairo fiele mit der geplanten Ägyptenreise des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zusammen. Er bemüht sich um eine Waffenruhe im Gaza-Streifen und wollte von Montag an unter anderem nach Kairo, Ramallah, Jerusalem und Damaskus reisen. Sarkozy will auch nach der Übergabe der EU-Ratspräsidentschaft an Tschechien im Nahost-Konflikt vermitteln. Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg bereist seit Sonntag mit einer EU-Delegation die Krisenregion.

Die israelische Armee war am Samstagabend mit Panzern und Infanteristen in den Gaza-Streifen vorgerückt, nachdem sie acht Tage lang Luftangriffe auf Ziele in der Region geflogen hatte. Die Armee will den Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen heraus auf israelische Orte stoppen.

Israels Präsident Peres sagte am Sonntag in einem Fernsehinterview, es wäre inakzeptabel, dass die Hamas ihren Raketenbeschuss fortsetze und Israel eine Feuerpause verkünde. "Die Hamas braucht eine echte und ernsthafte Lektion und die bekommt sie jetzt." Eine erneute Besetzung der Küstenregion schloss Peres aus. "Wir beabsichtigen nicht, den Gaza-Streifen einzunehmen oder die Hamas zu vernichten; wir wollen lediglich den Terror vernichten."