Sie setzten große Hoffnungen in Landwirtschaftsministerin Aigner. Doch ein Treffen von Regierung, Industrie und Handel endet für die Bauern enttäuschend.
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) erwägt Bürgschaften, um Bauern in der Krise zu helfen. Über die Landwirtschaftliche Rentenbank könne der Staat Kredite für Landwirte absichern, denen andernfalls wegen der derzeit niedrigen Preise die Zahlungsunfähigkeit drohe, sagte die Ministerin am Dienstag in Berlin. Konkrete Pläne für solch ein "Anti-Insolvenz-Programm" müssten allerdings noch ausgearbeitet werden. Auch die Höhe sei offen.
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. (© Foto: Reuters)
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Zuvor hatte sich Aigner mit Vertretern aus Industrie, Einzelhandel, Landwirtschaft und mit Verbraucherschützern zu einem runden Tisch getroffen. Nach einer fast vierstündigen Diskussion, die von Teilnehmern als "durchaus kontrovers" bezeichnet wurde, versprach die Ministerin, die Bundesregierung unternehme "alles, was wir in diesem Bereich von staatlicher Seite aus machen können".
Aigner kündigte an, sich für verschiedene Maßnahmen zugunsten der Landwirte einzusetzen. So wolle sie auf EU-Ebene dafür kämpfen, dass die Direktzahlungen für die Bauern nicht wie üblich erst im Dezember, sondern bereits Mitte Oktober ausbezahlt würden. Die EU-Kommission habe in dem Punkt Gesprächsbereitschaft signalisiert. Überlegungen, die Auszahlungen sogar auf Juli vorzuziehen, sind dagegen vom Tisch. Das würde die EU-Kommission als "unzulässige Betriebsmittelbeihilfe" werten, sagte Agrarstaatssekretär Gert Lindemann.
Aigner will nun Arbeitsgruppen bilden, die für jeden einzelnen Sektor Lösungen aufzeigen. Dabei müssten auch Fragen der Absatzförderung und steuerliche Erleichterungen für die Bauern diskutiert werden.
Zugleich verwies die Ministerin darauf, dass bereits in den vergangenen Monaten konkrete Hilfen beschlossen worden seien. So habe sie beim europäischen Konjunkturprogramm "90 Millionen Euro zusätzlich beschafft, die überwiegend in den Milchsektor fließen können". Die Aufteilung sei jedoch Sache der Länder.
Die etwa 20 Teilnehmer des runden Tisches waren schon mit gedämpften Erwartungen zu dem Treffen gekommen. Die größten Hoffnungen hatten sich noch die Milchbauern gemacht, die derzeit sehr unter dem niedrigen Milchpreis leiden.
Doch nach dem Treffen zeigten sie sich unzufrieden. "Es ist nichts dabei herausgekommen", sagte Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbands deutscher Milchviehhalter (BDM). Keiner der Gesprächsteilnehmer sei bereit gewesen, über die Hauptforderung der Milchbauern zu diskutieren, nämlich die Frage, wie man das Angebot reduzieren könne. "Das enttäuscht uns natürlich", sagte Schaber. "Denn das wäre die einzige Maßnahme, die sofort wirken würde."
Nach Ansicht der Milchbauern müsste die Produktionsmenge wieder stärker staatlich reguliert werden. Wenn weniger Angebot auf dem Markt ist, erholen sich auch die Preise, so ihre Überlegung. Doch dieser Forderung erteilte Aigner am Dienstag eine klare Absage. Weder auf EU-Ebene noch national in den Bundesländern gebe es dafür eine Mehrheit, sagte die Ministerin.
Stattdessen appellierte sie an den Lebensmitteleinzelhandel, "Abstand von Lockvogelangeboten zu nehmen", um dem Preisverfall entgegenzuwirken. Traditionell werben Discounter gern mit Billigpreisen für Milch und Butter. Doch sowohl der Einzelhandel als auch die Verbraucher müssten ein Interesse daran haben, dass die Landwirte faire Preise erhalten, sagte Aigner.
Der Einzelhandel sieht sich zu Unrecht beschuldigt. Man sei den Kunden verpflichtet, sagte Josef Sanktjohanser, Präsident des Hauptverbands des deutschen Einzelhandels. "Gegen alle Marktmechanismen die Preise zu erhöhen, lehnen wir ab." Zumal es in Zeiten der Rezession dafür wenig Spielraum gebe.
Sein Sprecher ergänzte, dass die vorübergehende Preiserhöhung durch die Discounter im vergangenen Jahr das Problem "eher noch verschärft" habe. "Damals ging die Nachfrage zurück und die Bauern kurbelten ihre Produktion kräftig an."
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(SZ vom 29.04.2009)
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Liebe Leser:
Auch bei Frau oder Herrn Minister zeigt sich,
die wirklich guten "Jobs" bekommt man durch Netzwerke d.h. Beziehungen -, nicht weil einer der beste oder am besten geeignet für die Tätigkeit ist.
Das ist was immer wieder man den unteren zehntausend erzählt. Personalchefs die im Leben nie gearbeitet haben, stellen Menschen ein oder nicht. Hauptsache dass Bewerbungsfoto ist schön und originell! Siehe auch den Psychologen Rüdiger Hossiep Es kommen immer die Falschen nach oben, (Die Zeit,30.04.2009).
Somit bewahrheitet sich: Beziehungen sind das halbe Leben. Gerade in der Politik.
Die - die an dieser politische Tragödie hingearbeitet haben, bieten auch die neuen Rezepte an"!" Die Politik arbeitet problemorientiert, anstatt lösungsorientiert.
Beim problemorientierten Arbeiten verdient man jedoch mehr!
Man muss immer nur so tun, als ob man schwer zu Verhandeln hätte. - Versprochen wird ständig alles und gegeben wird nichts.
Ein nationaler Landwirt, kann niemals mit einen anderen konkurrieren, dessen Staat eine niedrigen BIP hat. Wir brauchen ZÖLLE, um für eine wirkliche Chancengleichheit, im Europa der Regionen zu gewährleisten. Auch würden die Transporte weniger werden und somit auch der CO2 Ausstoß.
Die Vertretung der Landwirte hat über Jahrzehnte versagt, diesen geht es nicht mehr um die Landwirtschaft, sondern um die großzügige Geld Wirtschaft, die sich die Landwirtschaft mit Hilfe der Politik, zum Unterteten gemacht hat. Die einstigen Stiere der Landwirte, hat man zu willenlosen Ochsen gemacht.
Deutschland, Deutschland ist nun wirklich kein Land der Revolutionen, sondern das Land der Arbeit macht energielos.
Man sagt zurecht, dass die Kirche nichts in der Politik zu suchen hat, dass gleiche muss gerade für die Wirtschaft gelten! -
Die Wähler sind politikverdrossen und merken dabei nicht, dass es auf ihre Kosten geht. Die Verursacher steuern das Land gegen einen Eisberg. Nächstes Jahr kommen wir dem Eisberg noch näher.
Der Wähler hätte bei der Europawahl eine Chance - jedoch fehlen die Alternativen.
Gerardo Señoráns Barcala
Politologue - Politik & Trade Berater - Freelance Journalist
["Doch sowohl der Einzelhandel als auch die Verbraucher müssten ein Interesse daran haben, dass die Landwirte faire Preise erhalten, sagte Aigner." ]
Eigentlich hat es doch dann nichts mit Wirtaschaft zu tun, sondern von der CSU verhasstem linken Gedankengut, oder irre ich mich?
Fast kann sie einem leidtun, die Ilse Aigner. Auf dem Foto in dem Artikel sieht sie aus wie ein Reh im Scheinwerferlicht - und so agiert sie auch, getrieben von Seehofer. Dazu kommt noch dass sie von ihrem Portfolio nicht die geringste Ahnung hat.
"Über die Landwirtschaftliche Rentenbank könne der Staat Kredite für Landwirte absichern, denen andernfalls wegen der derzeit niedrigen Preise die Zahlungsunfähigkeit drohe,..."
Das ist nett von der Ilse - gilt das auch fuer KFZ-Werkstaetten, Moebellaeden, Baeckereien oder Anwaltbueros denen die "Zahlungsunfähigkeit" droht?
"Keiner der Gesprächsteilnehmer sei bereit gewesen, über die Hauptforderung der Milchbauern zu diskutieren, nämlich die Frage, wie man das Angebot reduzieren könne. "Das enttäuscht uns natürlich", sagte Schaber. "Denn das wäre die einzige Maßnahme, die sofort wirken würde."
Hm, das ist aber auch eine knifflige Frage - wie kann man nur das Angebot reduzieren? Vllt in dem der Herr Schaber und ein paar Kollegen weniger Milch produzieren?
"Nach Ansicht der Milchbauern müsste die Produktionsmenge wieder stärker staatlich reguliert werden"
Also Milchquote? haben nicht genau gegen diese Quote die Bauern immer gewettert, sie erlaube ihnen nicht zu expandieren etc? Das ist jetzt offenbar alles anders?
Probleme ueberall fuer Ilse und die Baueren - aber dann doch ein Lichtstreif: Ein Suendenbock ist gefunden:
"Stattdessen appellierte sie an den Lebensmitteleinzelhandel, "Abstand von Lockvogelangeboten zu nehmen", um dem Preisverfall entgegenzuwirken. Traditionell werben Discounter gern mit Billigpreisen für Milch und Butter"
Die Dsicounter sinds, das war doch klar. Denn Preissenkungen sind dort "Lockvogelangebote", im Gegensatz natuerlich zu bspw Strom und Gas wo die Preissenkungen (wenn es sie gibt) traditionell nicht schnell genung weitergegeben werden an die armen Verbraucher.
"Doch sowohl der Einzelhandel als auch die Verbraucher müssten ein Interesse daran haben, dass die Landwirte faire Preise erhalten, sagte Aigner."
Aha. Ich bin ein Verbraucher, warum sollte ich ein Interesse daran haben (muessen) dass "die Landwirte faire Preise erhalten"? Ich habe auch kein Interesse daran dass meine KFZ-Niederlassung "eine fairen Preis erhaelt" fuer den Neuwagen den ich dort kaufe. Ich habe ein Interesse daran so wenig wie moeglich dafuer zu zahlen - und fuer Strom und Gas uebrigens auch.
dass das mit dem freien unregulierten Markt in der Landwirtschaft nicht so perfekt funktioniert. So wie halt auch in der Finanzwirtschaft und in der Energiewirtschaft und dem Arbeitsmarkt zum Beispiel.
So richtig funktioniert unsere unregulierte Marktwirtschaft eigentlich nur bei den Gewinnen aus Unternehmen und Kapital.
dann was hier passiert ist stinknormale marktwirtschaft, eine sache von angebot und nachfrage. ein knappes gut auf dem markt, das stark nachgefragt wird ist teuer, bei der milch ist es genau andersrum und das wissen die bauern nicht erst seit heute. viele von ihnen pochen heut noch auf ihre lange tradition. quatsch, auch bauern müssen heut mit der zeit gehen und sich neue geschäftsfelder erschließen. der markt bestimmt den preis, nicht der anbieter (ausser bei strom+energie).
Paging