Migration Länder auf dem Balkan weisen dunkelhäutige Flüchtlinge ab

Flüchtlinge aus Iran, Pakistan und Marokko warten an der Grenze zwischen Mazedonien und Serbien auf ihre Weiterreise.

(Foto: dpa)

Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien lassen nur noch Syrer, Afghanen und Iraker einreisen. Die Trennung nehmen Grenzbeamte offenbar nach dem Aussehen der Flüchtlinge vor.

Von Nadia Pantel, Belgrad

Hunderte Flüchtlinge haben sich am Freitag im Niemandsland zwischen Griechenland und Mazedonien gesammelt. An der Grenze bei dem griechischen Ort Idomeni hat die Polizei begonnen die Flüchtenden in Ländergruppen zu sortieren. Den Menschen, die aus Pakistan, Sudan, Sri Lanka, Marokko, Liberia und der Demokratischen Republik Kongo kommen, wird die Einreise verweigert. Auch wer über keinen gültigen Pass verfügt, oder nicht in Griechenland registriert wurde, kann nicht einreisen.

Die neue Praxis wird seit der Nacht auf Donnerstag angewendet und scheint in Absprache mit Serbien, Kroatien und Slowenien stattzufinden. Die Einreise von Serbien nach Kroatien ist nun nur noch für Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Irak möglich. Alle anderen werden von den serbischen, kroatischen und slowenischen Behörden als "Wirtschaftsmigranten" bezeichnet. Eine Prüfung der Fluchtgründe findet nicht statt. Die Ablehnung erfolgt allein auf Basis der Staatszugehörigkeit.

Freiwillige Helfer vor Ort berichten außerdem, dass die Trennung der Flüchtlinge entlang der Logik des Racial Profiling vorgenommen werde: Wer für die Grenzbeamten "afrikanisch" aussehe, werde abgewiesen.

"Wir sind kein Land, in dem Menschen bleiben wollen"

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) sagt, dass es über die neuen Bestimmungen im Vorfeld nicht informiert worden und anfangs auch daran gehindert worden sei, die abgewiesenen Flüchtenden zu versorgen. Im November kamen laut UNHCR zehn bis 15 Prozent der Flüchtlinge auf der sogenannten Westbalkanroute, die aktuell durch Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien führt, aus Ländern, die nicht Syrien, Afghanistan oder Irak sind. Die Sprecherin von UNHCR-Serbien, Melita Sunjic sagte, die neue Regelung sei inakzeptabel, da sie das Menschenrecht auf Asyl einschränke.

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Serbien begründete seine neue Grenzpolitik damit, dass es sein Land schützen müsse. Sozialminister Aleksandar Vulin sagte am Donnerstag in Šid an der Grenze zu Kroatien: "Wir werden niemanden nach Serbien einreisen lassen, der seine Reise nicht fortsetzen kann. Wir sind kein Land, in dem Menschen bleiben wollen."

Mazedonien hat laut der Nachrichtenagentur Balkan Newsbeat mit dem Bau eines mit Stacheldraht verstärkten Zauns entlang seiner Grenze zu Griechenland begonnen. Entgegen der Versicherung der mazedonischen Regierung, dass das Land seine Grenze nicht schließen wolle, sei der Grenzübergang von Griechenland nach Mazedonien in der Nacht von Donnerstag auf Freitag geschlossen gewesen.

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