Erstens verschärft sich durch den negativen Wanderungssaldo das demographische Problem. In Deutschland sterben seit Anfang der siebziger Jahre mehr Menschen, als Babys geboren werden. Einwanderung ist die einzige Möglichkeit, diesen Trend kurz- und mittelfristig umzukehren, da sich eine familienfreundlichere Politik erst langfristig auszahlt.

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Die Zahlen sind auch ein Indiz dafür, dass weiterhin massenhaft hochqualifizierte Arbeitskräfte Deutschland verlassen. Mehr als 24.000 Deutsche haben im vergangenen Jahr Deutschland Richtung Schweiz verlassen, mehr als 13.000 sind in die USA gezogen - beides Länder mit hohen Lebenshaltungskosten und selektiven Einwanderungsregeln.

Problem: Neidkultur

Klaus J. Bade, Vorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration, diagnostiziert deshalb qualitative Wanderungsverluste. Mit anderen Worten: Deutschland verliert seine klügsten Köpfe. Durch Zuwanderung von Hochqualifizierten könne das derzeit nicht kompensiert werden, so Bade. Deshalb fordert der Migrationsforscher: "Deutschland muss im Innern attraktiver werden für Qualifizierte, die erwägen, abzuwandern, und solche, die zögern, zuzuwandern."

Sicher ist, dass jeder qualifizierte Auswanderer ein schmerzlicher Verlust für die Gesellschaft ist. Beispiel Ärzte: Ostdeutschland beklagt schon heute einen Ärztemangel. Zudem entgehen dem Fiskus auf die Lebenszeit eines Arztes gerechnet etwa 300.000 Euro Steuereinnahmen, wenn dieser nach dem Studium im Ausland arbeitet.

Um den Braindrain zu stoppen, müssen Politik und Gesellschaft sich fragen, was qualifizierte, mobile und hochmotivierte Arbeitskräfte veranlasst, dieses Land zu verlassen beziehungsweise in andere Länder einzuwandern.

Mögliche Antworten auf diese Frage kennt der Migrationsforscher aus Untersuchungen: Auswanderer klagten über steile Hierarchien, unzureichende Aufstiegschancen und mangelnde Leistungsgerechtigkeit, lähmende Steuerreglements und eine obsessive Neidkultur gegenüber sogenannten Besserverdienenden, so Bade.

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(sueddeutsche.de/gba)