Migranten in Deutschland Türken am wenigsten integriert

Türkischstämmige Migranten sollen deutlich schlechter integriert sein als andere Zuwanderergruppen. Der Hauptgrund dafür liegt einer Studie zufolge in mangelnder Bildung.

Aussiedler sind einer Studie zufolge am besten, Türken am schlechtesten in Deutschland integriert. Hauptursache für das negative Abschneiden der Gruppe von 2,8 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln ist eine geringe oder teils gar nicht vorhandene Ausbildung, wie das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in Berlin erklärte.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), nannte die Zahlen der Integrationsstudie "dramatisch". Allerdings stammten die Daten aus dem Jahr 2005, betonte sie im ZDF.

Die Studie des Berlin-Instituts ananlysierte den Stand der Integration von acht Herkunftsgruppen: Aussiedler, Türkischstämmige, Europäer aus Ländern der EU-25 (ohne Südeuropa), Migranten aus den südeuropäischen Ländern, dem ehemaligen Jugoslawien, dem Fernen und Nahen Osten sowie aus Afrika.

Die Aussiedler stellen dabei mit etwa vier Millionen Menschen die größte Gruppe. Es folgen die Türken, von denen mittlerweile fast die Hälfte bereits in Deutschland geboren ist.

30 Prozent der Türken haben keinen Schulabschluss, nur 14 Prozent haben Abitur, nicht einmal halb so viele wie in der deutschen Bevölkerung, weniger auch als bei den anderen Zuwanderergruppen. Selbst in der zweiten Generation verbessern sich die Werte nur geringfügig.

Die Gruppe der Aussiedler schneidet dagegen bundesweit gut ab: Nur drei Prozent sind ohne Abschluss, 28 Prozent haben die Hochschulreife. Die drittgrößte Gruppe stellen mit 1,9 Millionen Menschen die Migranten aus den EU-25-Ländern. Das Schlusslicht bilden mit 502.000 Menschen afrikanischstämmigen Migranten.

Der Studie des Berlin-Instituts zufolge gelingt Bundesländern wie Hessen und Hamburg die Integration von Ausländern am besten, Defizite haben das Saarland, Niedersachsen und Bremen. In der Städtewertung des Instituts sind München, Bonn, Frankfurt am Main und Düsseldorf Spitze. Dortmund, Nürnberg, Duisburg liegen auf den letzten Plätzen.

"Versäumnisse der Vergangenheit"

Berlin kommt auf einen Mittelwert, gleichzeitig widerspricht die Studie dem verbreiteten Urteil, in der Hauptstadt lebe die größte türkische Gemeinschaft außerhalb der Türkei. "Berlin ist nicht die Hochburg der Migration in Deutschland", sagte Instituts-Direktor Reiner Klingholz. Dies seien vielmehr Frankfurt und Stuttgart. Insgesamt ist Deutschland mit seinen 15 Millionen Migranten Europas Einwanderungsland Nummer eins.

Bildung sei der Schlüssel für Integration, sagte die Integrationsbeauftragte Böhmer im ZDF. Nach dem Willen der Bundesregierung sollten die Kinder von Zuwanderern bis 2012 das Bildungsniveau ihrer deutschen Altersgenossen erreicht haben.

Die jetzige Lage führte Böhmer auf "Versäumnisse der Vergangenheit" zurück. Zur Lage der türkischen Migranten sagte Böhmer: "Ich glaube, viele haben eine Voraussetzung eben nicht gehabt, als sie nach Deutschland kamen, sie hatten sehr geringe Bildungsabschlüsse, das heißt, sie waren bildungsfern." Deshalb sei dies eine besondere Situation.

Die Gruppe der Aussiedler komme hingegen mit einer besseren Ausbildung hier an. Aber auch in der jüngeren Gruppe der Aussiedler gebe es "mangelnde deutsche Sprachkenntnisse, sich noch nicht im Land angekommen fühlen".

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, zeigte sich von den Ergebnissen überrascht. Als "Leuchttürme" wertete er aber die hohe Bereitschaft der Türken in zweiter Generation, einen akademischen Grad anzustreben. "Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren im Mittelfeld stehen", sagte er und forderte gleichzeitig, den Nationalen Integrationsplan ernsthaft anzugehen.

Der Islamwissenschaftler Bekir Alboga kritisierte hingegen die Ergebnisse der Studie. Die Behauptung, wonach türkische Einwanderer schlechter in Deutschland integriert seien als andere Zuwanderergruppen, sei wissenschaftlich noch zu bestätigen, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. Er verwies darauf, in Deutschland lebten viele erfolgreiche türkische oder türkischstämmige Unternehmer, Mediziner, Schauspieler, Autoren und Journalisten.