Nach Bekanntwerden des Drogen-Verdachts gegen Michel Friedman sind weitere Einzelheiten der Ermittlungen ans Licht der Öffentlichkeit gekommen. Demnach soll der TV-Moderator und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland unter dem Decknamen "Paolo Pinkel" Prostituierte angefordert haben.

Michel Friedman schweigt. So kannte man Deutschlands mit Abstand aggressivsten TV-Talker bisher nicht, der in seinen Shows die Gäste gleichsam auffraß. Ein Auftritt im intimen Friedman-Sofa galt für manche Person des öffentlichen Lebens als masochistischer Akt - so bissig feuerte der Moderator seine Unterbrechungen in jeden Redefluss seiner Gäste.

Stets smart, die Haut gebräunt, das Haar nach hinten gegelt, die Krawatte glänzend: Michel Friedman. (© DPA)

Anzeige

Sein Ziel war stets, etwas Wahrheit hinter den alltäglichen Polit-Floskeln hervorzuzerren. Dieser hochintelligente, schnelle, stets moralisierende Mann wurde in den vergangenen Tagen fürchterlich demontiert. Die Drogenrazzia, der Kokainverdacht und dessen Bestätigung - das reichte eigentlich schon.

Doch in den Medienberichten von diesem Wochenende geht es um Prostituierte und Menschenhändler, mit denen der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden Umgang gehabt haben soll.

Nach Informationen des Spiegel soll Friedman unter dem Namen "Paolo Pinkel" Prostituierte angefordert haben. Diese hätten dann belastende Aussagen über den vermeintlichen Drogenkonsum des Moderators gemacht.

Eigentlich ist es nur die Geschichte, wie Ermittler der Berliner Justiz dem Drogenkonsum Friedmans auf die Schliche kamen. Doch allein dies könnte dessen Ruf als moralischer Wächter wohl endgültig ruinieren. Der Spiegel fragt, wie sich ein Mann seines Verstandes so leichtfertig in eine derartige Situation bringen konnte. Unklar bleibt, wie er sich nun aus dem Abseits heraus manövrieren will.

Friedman selbst soll unter den Anfeindungen durchaus gelitten haben, wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Freunde berichtete. Äußerlich ließ er sich jedoch nichts anmerken. In seiner letzten Show am späten Mittwochabend rückte er dem Außenpolitik-Experten Peter Scholl-Latour gewohnt aggressiv zu Leibe. Hinterher soll Friedman zusammengebrochen sein.

(sueddeutsche.de/AP/AFP)

Leser empfehlen