Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Der Mann, der die NRW-SPD wieder aufrichten soll

Michael Groschek.

(Foto: dpa)
  • Michael Groschek wird neuer Vorsitzender der nordrhein-westfälischen SPD.
  • Als Verkehrsminister der abgewählten Landesregierung verantwortete ein zentrales Wahlkampfthema.
  • Mit Spannung wird nun erwartet, wer künftig SPD-Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag und damit das zweite Gesicht der neuen Doppelspitze wird.
Von Benedikt Peters, Düsseldorf

Als die historische Niederlage Gewissheit wurde, wirkte er tief getroffen. Vergangenen Sonntag zeigte sich Michael Groschek nur kurz auf dem Wahlabend der SPD in Düsseldorf. Er sprach nicht viel, und nach wenigen Minuten war er wieder weg. Die Partei hatte ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt in Nordrhein-Westfalen eingefahren, Parteichefin Hannelore Kraft war zurückgetreten. Einem Journalisten, der Groschek fragte, wer nun die Partei führen solle, beschied er knapp: "Das ist noch kein Thema."

Fünf Tage später ist die Nachfolgefrage sehr wohl ein Thema, und wie sie beantwortet wird, dürfte Groschek freuen. Wie die NRW-SPD heute bekanntgab, wird er selbst ihr neuer Chef. Es ist eine Entscheidung, die die einen für folgerichtig halten - und die anderen für völlig falsch.

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Der Vorwurf: Groschek steht zu sehr für das Alte

Michael "Mike" Groschek aus der Ruhrgebietsstadt Oberhausen ist 60 Jahre alt und kennt die nordrhein-westfälische SPD so gut wie kaum einer. Als er 15 Jahre alt war, habe er in die Partei eintreten wollen, erzählt er gern. Wegen des Mindestalters von 16 Jahren sei er aber abgewiesen worden. Später wurde Groschek Juso-Chef in Oberhausen, später Landtags- und Bundesabgeordneter und schließlich NRW-Verkehrsminister. Als langjähriger Generalsekretär verantwortete er zudem die Landtagswahlkämpfe 2010 und 2012, die Hannelore Kraft das Amt der Ministerpräsidentin einbrachten.

Seine Befürworter schätzen den früheren Zeitsoldaten Groschek als einen, der um klare Worte nicht verlegen ist. Als einen, der attackieren kann. Im Wahlkampf 2010 warf er dem später abgewählten CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers vor, sich wie ein "Halbstarker" zu gebärden und nannte ihn "Rüpel-Rüttgers". 2013, als die NRW-SPD nach der Bundestagswahl Stimmung gegen eine große Koalition im Bund machte, sagte er noch ein paar typische Groschek-Worte: "Lasst euch nicht bekloppt machen. Es kann auch Vaterlandspflicht sein, auf den Oppositionsbänken zu landen." Das passt auch 2017, schließlich hat die SPD kürzlich eine große Koalition am Rhein ausgeschlossen.

Wer wird das zweite Gesicht der Doppelspitze?

Trotzdem bezweifelt manch einer, dass der 60-Jährige der Richtige ist, um die am Boden liegende Partei wieder aufzurichten. Groschek stehe zu sehr für das Alte, lautet der Vorwurf, nicht nur wegen seines langen Engagements in der Partei. Sondern auch, weil er als NRW-Verkehrsminister der abgewählten Landesregierung angehörte und ein zentrales Wahlkampfthema verantwortete, das die SPD viele Stimmen gekostet haben dürfte. Nahezu täglich kritisierten die CDU und die anderen Oppositionsparteien die vielen Staus auf den Autobahnen, die so lang seien wie in keinem anderen Bundesland in Deutschland.

Die Kritik war zwar nicht ganz fair, da NRW auch die höchste Bevölkerungsdichte in Deutschland aufweist. Außerdem hat die rot-grüne Landesregierung massiv in Straßenbau investiert. Aber ihr gelang es nicht, mit diesen Botschaften durchzudringen - ein Versäumnis, das man gerade auch Groschek anlasten muss.

Mit Spannung wird nun erwartet, wer künftig SPD-Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag und damit das zweite Gesicht der neuen Doppelspitze wird. Die besten Chancen werden Thomas Kutschaty eingeräumt. Der ist mit 48 Jahren zwar deutlich jünger als Groschek - als Justizminister der abgewählten Landesregierung steht aber auch er nicht gerade für einen Neuanfang.

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