Mexiko, die USA und das Deutsche Kaiserreich Wie Pancho Villa den Ersten Weltkrieg prägte

Mexikanischer Revolutionär im Konflikt mit den USA: Pancho Villa

Um die Kräfte der USA fern von Europa zu binden, unterstützte das Deutsche Kaiserreich mexikanische Revolutionäre. Doch damit erreichte Berlin genau das Gegenteil: den Eintritt der Amerikaner in den Ersten Weltkrieg.

Von Sebastian Schoepp

Western-Fans ist Pancho Villa wohlbekannt: Alan Reed, Telly Savalas und Antonio Banderas haben ihn gespielt, kurze Zeit spielte der mexikanische Revolutions-General sich sogar selbst, weil Hollywood seine Geschichte noch zu Lebzeiten verfilmte. Heute würde man sagen als Live-Revolutions-Doku-Soap.

Weniger bekannt ist, dass Pancho Villa, wenn auch indirekt, Einfluss auf den Ausgang des Ersten Weltkriegs genommen hat. Dies beschreiben im Detail historische Dokumente aus den Archiven der US-amerikanischen National Security Agency (NSA), die wegen der großen zeitlichen Entfernung der Ereignisse beizeiten "unclassified" wurden, also von Geheimhaltung befreit sind.

Folgendermaßen schildert das Cryptographic Quarterly aus dem NSA-Archiv die Geschichte, wie das revolutionäre Mexiko die USA wider Willen in den Weltkrieg trieb: "1917, als der Erste Weltkrieg in Europa tobte, wollten der neutralistisch gesinnte (US-)Präsident (Woodrow) Wilson und eine größtenteils apathische Öffentlichkeit wenig mit dem europäischen Konflikt zu tun haben. Tatsächlich hatte Wilson erst kurz zuvor die Wahlen mit dem Slogan 'Er hat uns aus dem Krieg herausgehalten' gewonnen. Jedoch änderte ein überaus bedeutungsvolles Ereignis in diesem Jahr die Haltung des gesamten Landes zum Krieg und zu Deutschland."

Berliner Angebote an die Mexikaner

Das Ereignis war ein verschlüsseltes Telegramm, das der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Arthur Zimmermann, im Januar 1917 an die deutsche Gesandtschaft in Mexiko schickte, und das an den Revolutionspräsidenten Venustiano Carranza gerichtet war. In dem als Zimmermann-Depesche bekannt gewordenen Schreiben bietet der deutsche Außenbeauftragte dem neutralen Mexiko ein Bündnis mit dem Deutschen Kaiserreich für den Fall an, dass die USA ihre Neutralität aufgäben.

Wörtlich heißt es im Telegrammstil: "Gemeinsam krieg führen stop gemeinsam friedenschluss stop reichliche finanzielle Unterstützung." Zimmermann offeriert Mexiko unter anderem Hilfe bei der Rückeroberung von Texas, Neu-Mexiko und Arizona, der Gebiete also, die das Land 1848 an die USA verloren hatte.

Als die Welt brannte

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Dem britischen Geheimdienst, damals bereits ein fleißiger Helfer der Amerikaner, gelang es, das Telegramm abzufangen und von Kryptoanalytikern entschlüsseln zu lassen, wie das NSA-Dokument berichtet. London war äußerst interessiert an einem Kriegseintritt der Amerikaner an seiner Seite, also wurde das Papier direkt dem US-Außenminister Robert Lansing, einem ausgewiesenen Kriegstreiber, zugespielt.

Lansing rannte damit sofort zu dem immer noch zögernden Präsidenten Wilson. Die amerikanische Historikerin Barbara Tuchmann, die ein Buch über die Zimmermann-Depesche geschrieben hat, misst ihr allergrößte Bedeutung für den Kriegseintritt der USA zu: "Würden die Amerikaner ohne das Telegramm kriegsbereit sein? Wahrscheinlich nicht."

In der Tat hatte Präsident Wilson schon länger erwogen, die Neutralität aufzugeben. Er war verstimmt, weil das Deutsche Reich seinen Vermittlungsvorschlag für eine Friedenslösung abgelehnt hatte. Schwerer noch wog, dass Berlin den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder aufgenommen hatte, der auch US-Schiffe bedrohte. Die öffentliche Meinung in den USA begann zu kippen.