Vor kurzem rechnete der ehemalige Unionsfraktionschef öffentlich mit seiner Partei ab - jetzt poltert er gegen den Parlamentarismus: Merz sieht Deutschland auf eine Krise zusteuern - und präsentiert Vorschläge, wie diese abgewendet werden könne.

Der CDU-Politiker Friedrich Merz fordert eine "Grundsatzdebatte über die Zukunft unseres Parlamentarismus".

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In einem Beitrag für das Magazin Cicero (Märzausgabe) machte sich Merz für das Mehrheitswahlrecht und eine konsequente Gewaltenteilung stark: "Wer Mitglied der Regierung ist, der sollte nicht gleichzeitig Abgeordneter sein."

Der frühere Unionsfraktionschef, der vor kurzem seinen Rückzug aus der Bundespolitik angekündigt hatte, warnte: "Unser Parlament leidet unter einem dramatischen Ansehens- und Einflussverlust, der geradewegs in eine Krise der parlamentarischen Demokratie mündet, wenn nicht schnell etwas unternommen wird."

Das Mehrheitswahlrecht stärke die Bindung der Abgeordneten an ihre Wahlkreise und mache die Abgeordneten unabhängiger von ihren politischen Parteien.

Scharf kritisierte Merz die Beratungen zur Gesundheitsreform: "Selten zuvor hat sich eine solche Vielzahl insbesondere von jüngeren Kolleginnen und Kollegen in beiden Koalitionsfraktionen von ihrer Regierung und ihren Fraktionsführungen so massiv unter Druck gesetzt gesehen wie bei dieser Abstimmung."

Einzelnen Abgeordneten sei mit dem Ende ihrer Karriere gedroht worden, die SPD erwäge den Austausch gleich mehrerer kritischer Abgeordneter im Gesundheitsausschuss. "Bei allem Verständnis für die notwendige Funktionsfähigkeit der Arbeit im Parlament, der Fraktionen und vor allem der Regierungsmehrheit: Das war zu viel", kritisierte Merz.

Neuer Job

Wie am Wochenende bekannt wurde, will Merz künftig die Berliner CDU-Fraktion ungeachtet seines angekündigten Rückzugs aus der Bundespolitik als Berater unterstützen.

Merz, der 2009 nicht mehr für den Bundestag kandidieren will, werde Vorsitzender des wirtschafts- und finanzpolitischen Beraterkreises des Berliner CDU-Fraktionschefs Friedbert Pflüger, berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Der Beraterkreis aus 12 Personen werde derzeit gebildet und solle der Opposition bei der Erarbeitung von Strategien für die Entwicklung der Hauptstadt helfen.

Pflüger sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, er verspreche sich durch die Teilnahme von Merz auch eine Aufwertung des Standorts. Ein Schwerpunkt solle die Umweltpolitik sein: "Wie aus grünen Produkten schwarze Zahlen werden, wird eine der Hausaufgaben für den Zirkel um Merz sein."

Am Wochenende hatte der frühere DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden auch als Nachfolger des am 28. Januar verstorbenen Präsidenten des Fußball-Ligaverbandes Werner Hackmann vorgeschlagen. Merz lehnt dies allerdings ab: "Ich sitze zwar bei Borussia Dortmund im Beirat. Aber ich sehe meine berufliche Zukunft nicht im Fußball. Ich stehe definitiv nicht zur Verfügung", sagte er der Bild-Zeitung.

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(dpa/sid/sueddeutsche.de)