Bei ihrer Zwischenbilanz erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel abermals die Senkung der Arbeitslosenzahlen zu ihrem wichtigsten Ziel. Einen flächendeckenden Mindestlohn lehnte sie erneut ab.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) strebt mit dem Koalitionspartner SPD eine Einigung beim Investivlohn an. Bei der traditionellen Pressekonferenz der Kanzlerin vor der Sommerpause plädierte sie für eine deutlich stärkere Beteiligung von Mitarbeitern an Unternehmensgewinnen und betonte Verständigungsbereitschaft zum SPD-Konzept.
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Es müsse auf jeden Fall eine Risikoabsicherung für Arbeitnehmer geben. Die Koalition wolle das Thema gemeinsam und nicht im Streit lösen. Deutschland müsse die "Kultur der Kapitalbildung stärker ausprägen". Das Konzept der Union sei zwar "etwas näher" an den Betrieben; die Differenzen seien aber überbrückbar. Im internationalen Vergleich sei Deutschland hier im Rückstand.
Die Zunahme sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse ist für Merkel eines der wichtigsten Ziele der Regierung in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode. Der Erfolg der Regierung müsse auch an der Teilhabe der Menschen am Arbeitsmarkt gemessen werden. Dabei dürfe es nicht nur darum gehen, "die nackte Zahl der Arbeitslosen" zu senken.
Einen flächendeckenden Mindestlohn lehnte sie erneut ab. Auch die Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation für junge Menschen müsse besser werden, sagte Merkel weiter. Dasselbe gelte für die Integration älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt. Die Debatte über den Fachkräftemangel müsse daher "klug" geführt werden, betonte die Kanzlerin.
Gegen ausländische Hochqualifizierte dürfe Deutschland sich nicht sperren, aber zugleich seien andere Maßnahmen wie etwa die Qualifizierung Älterer nötig. Statt eines einheitlichen und flächendeckenden Mindestlohns müssten die Tarifpartner wo immer möglich gestärkt werden, sagte die Bundeskanzlerin. Dies werde "mit Sicherheit" auch zu einer Ausweitung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes führen.
Keine Denkverbote
In der knapp anderthalbstündigen Pressekonferenz äußerte Merkel sich zu allen aktuellen Themen, legte sich aber bei kaum einem fest. In der Debatte über etwaige weitere Maßnahmen zur Verbesserung der inneren Sicherheit wiederholte sie, dass es keine Denkverbote geben dürfe.
Ausdrücklich räumte sie Innenminister Wolfgang Schäuble das Recht und die Pflicht ein, über solche Fragen nachzudenken. Inhaltlich fiel aber auf, dass sie zu keiner konkreten Maßnahme Stellung bezog, sondern sich nur hinter das neue Gesetz zu den Aufgaben des Bundeskriminalamts stellte, in dem diesem die Möglichkeit zur Online-Durchsuchung von Computern eingeräumt werden soll.
Außenpolitisch setzte sich Merkel für die Verlängerung aller drei Bundeswehr-Mandate in Afghanistan ein, über die der Bundestag im Herbst entscheiden wird. Hingegen lehnte sie eine Beteiligung der Bundeswehr an einem möglichen Militäreinsatz der EU im Tschad ab. Sie reagierte damit auf die Ankündigung Frankreichs, zum Schutz von Flüchtlingen Truppen für den Tschad bereitzustellen. Das zentralafrikanische Land grenzt an die sudanesische Krisenregion Darfur.
Statik des Grundgesetzes
Angesichts der SPD-Kritik an ihrer Führung betonte Merkel, es tue diesem Kabinett sehr gut, dass Meinungsunterschiede nicht übertüncht, sondern Sachprobleme diskutiert und dann entschieden würden, ohne dass die Debatte sofort mit Abriegelungsmechanismen unterbunden werde.
"Wir sind damit gut gefahren", sagte sie. Allerdings müsse man in einer Koalition auch mit Unterschieden leben können. Merkel fügte hinzu, sie arbeite mit den Ministern gerne zusammen. Im Unterschied zu Stimmen aus der Union und auch der SPD, dass nach der nächsten Wahl wegen der Differenzen keine Große Koalition mehr geben werden, ließ Merkel Sympathien für diese Konstellation erkennen.
Merkel lehnte eine von Horst Köhler ins Gespräch gebrachte Direktwahl des Bundespräsidenten ab. Die Statik des Grundgesetzes sei sehr fein ausgewogen. Bei einer Verschiebung an einer Stelle würde die gesamte Balance außer Kraft gesetzt. "Deswegen bin ich persönlich gegen die Direktwahl des Bundespräsidenten. Das würde eine völlige Umorganisierung der Gesamtarchitektur unseres Landes bedeuten", sagte die Kanzlerin.
Köhler hatte die Direktwahl des Staatsoberhaupts als kein schlechtes Modell bezeichnet und vorgeschlagen, die Amtszeit zu verlängern und auf eine Periode zu beschränken. Die häufigen Einmischungen Köhlers in die aktuelle Politik kommentierte Merkel indirekt: "Jeder Bundespräsident entwickelt sein typisches Amtsverständnis, so wie jeder Kanzler und jede Kanzlerin das tut."
Tätigkeiten und Äußerungen des Bundespräsidenten bewerte sie nicht. Sie treffe sich regelmäßig mit Köhler und berate sich mit ihm. "Ansonsten macht jeder sein Amt in dem Verständnis, das er für richtig hält."
(SZ vom 19.7.2007)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
"Die Statik des Grundgesetzes sei sehr fein ausgewogen" Diese
Worte aus dem Munde dieser Kanzlerin dieser Partei sind eine Hohn.
...zu beobachten, wie sie die von oben-nach-unten
Verteilung stemmen will, vor allem wenn sie gleichzeitig
schon die simpelsten, fairsten und weltweit gängigen
Methoden, wie etwa den Mindestlohn, verteufelt.
Wer weiß wie lange das wirtschaftliche Strohfeuer
überhaupt noch lodert, imho trübt sich der Konjunkturindex
doch bereits wieder? Und mit weniger Wachstum müsste
sie sich umso mehr gegen das brutale zins-und-zinseszins-
Gesetz unseres Geldmarktes stemmen. Denn nach oben fließt
das Geld automatisch:
http://pax.pro-lamer.net/freiwirtschaft-freigeld-gogos/108/
Aber weder erwarte ich das unsere Politiker das (rechtzeitig)
erkennen, noch das sie in der Lage sind auch nur das geringste
dagegen zu tun. Die nächste Krise kommt so sicher wie Regen
auf Sonnenschein...
AKu
ich würde auch gerne die "bereinigte" Statistik sehen.
Der Wirtschaftsaufschwung macht sich nur bei den Großen bemerkbar die die Politk von Merkel stützen und bestimmen.
Das Sterben der Mittelständler geht verstärkt weiter, und von vielen Arbeitslosen vor Angie sind immer noch viele arbeitslos.
... wo man auch steigenden Zuzahlungen zu den Jobs per Hartz4 und die ein Euro Jobs getrennt aufgeführt findet. Ich habe so das dumpfe Gefühl dass die Sache dann um einiges misserabler aussieht und damit wieder die Einzelhändler bei denen auch nichts vom Aufschwung ankommt bestätigt.
mehr oder weniger lebenslang befristete Stellen oder via Personalverleiher ist heute schon nicht mehr die Ausnahme sondern wird nach und nach die Regel. Was dies für die Lebensplanung junger Menschen bedeutet, mag jeder sich selbst ausmalen.
Seinen Kindern sollte man unter Androhung von Enterbung (falls es da noch etwas geben könnte) untersagen, selbst Kinder in die Welt zu setzen und jede Unterstützung bei ggf. längerfristiger Verschuldung ablehnen. Kinder sind Armutsrisiko Nr. 1 und Verschuldung bedeutet lebenslange Abhängigkeit. Fängt für viele schon zunehmend mit Studienkrediten an um überhaupt noch halbwegs an bessere Bildung zu kommen.
Satire, übertreibung ? Vieleicht, aber wenn, dann schon recht real.
Paging