Von Ingrid Schiller

Die deutschen Wirtschaftsverbände sind unzufrieden mit der Afrika-Tour von Kanzlerin Angela Merkel - zu Unrecht, findet Hans Meier-Ewert vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft.

Im Vorfeld der großen Afrika-Reise von Angela Merkel war das Geschrei bei den Wirtschaftsverbänden groß. Sie zeigten sich unzufrieden mit der Reiseroute der Kanzlerin. Doch die Auswahl der zu bereisenden Länder erntet bei den Industriellen nicht nur Kritik.

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Angela Merkel auf Afrika-Reise - hier beim Empfang in Pretoria: Noch macht der Handel mit dem Schwarzen Kontinent nur zwei Prozent des deutschen Außenhandels aus. Dies könnte sich in Zukunft ändern. (© Foto: ddp)

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"Die Auswahl der bereisten Länder von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist eine gute Mischung", sagt Hans Meier-Ewert, geschäftsführender Vorstand des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft.

Gerade Südafrika als wirtschaftliche Lokomotive des Kontinents und Äthiopien mit Sitz der Afrikanischen Union seien wichtige Länder für deutsche Unternehmen, sagt Meier-Ewert.

Über 600 Firmen aus Deutschland investieren derzeit in Afrika, immerhin 500 davon in Südafrika. Dazu gehören neben großen Namen wie Siemens und BMW auch viele mittelständische Unternehmen. Kritik an der Reise könne er nicht nachvollziehen.

Die Wirtschaftsverbände hatten bemängelt, das Programm sei erarbeitet worden, ohne die Industrie einzubinden.

Chinesen äußerst aktiv

Nicht nur deutsche Investoren haben den Schwarzen Kontinent für sich entdeckt. Seit einigen Jahren erhöht die Volksrepublik China ihre Wirtschaftskontakte und ist in vielen Ländern aktiv. Diese Tatsache sieht Meier-Ewert als Weckruf für die deutschen Unternehmen. "Wenn die Chinesen in Afrika Geschäfte machen und die Deutschen nicht, dann läuft etwas falsch."

In Teilbereichen wie dem Bauwesen sei es jedoch für deutsche Firmen schwierig gegen die billigen Arbeitskräfte und die Dumpingpreise aus China mitzuhalten. Doch deutsche Firmen würden auch von chinesischen Investitionen profitieren. "Die Chinesen bauen die Infrastruktur aus, die deutsche Firmen nutzen können."

Meier-Ewert hat sogar schon eine Vision für eine Zusammenarbeit von deutschen und chinesischen Firmen in Afrika parat: Sie könnten Kooperationen eingehen, wobei deutsche Unternehmen Qualitätskontrollen übernähmen, während chinesische Firmen Arbeitskräfte stellten.

Um die wirtschaftlichen Beziehungen weiter voranzubringen, seien Delegationsreisen von großer Bedeutung. Der Afrika-Verein arbeite dabei eng mit Regierung und Ministerien zusammen, um Kontakte für Abordnungen herzustellen. Darüber hinaus bietet der Verein auch eigene Reisen mit Vertretern aus der Wirtschaft an. Die Reisen mit Delegationen hätten zwar keinen unmittelbaren Erfolg, helfen aber dennoch Türen zu öffnen.

"Natürlich würden wir gerne sehen, wenn die Delegation beim jetzigen Besuch der Bundeskanzlerin größer wäre, aber auch andere Interessen spielen bei solchen Reisen eine Rolle. Das muss man akzeptieren", fügt Meier-Ewert an. Zudem müsse man bedenken, dass die Beziehungen mit Afrika lediglich zwei Prozent des deutschen Außenhandels ausmachen.

Dies könnte sich aber bald ändern. "Wir sehen die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas positiv bis sehr positiv und erwarten ein überdurchschnittliches Wachstum", sagt der geschäftsführende Vorstand des Afrika-Vereins für die nächsten Jahre voraus.

Der Kontinent werde Anschluss an die Weltwirtschaft finden, die Konflikte reduzierten sich, ein engeres Zusammenrücken finde statt. Zudem habe Deutschland einen ausgezeichneten Ruf auf dem Kontinent - eine gute Basis für weitere Investitionen.

"Algerien, Angola und Mauritius können als positive Ausreißer Afrikas angesehen werden, aber auch Ghana, Ruanda und Tansania ziehen nach." Vielleicht stehen diese Staaten ja als nächste Reiseziele auf Angela Merkels Liste.

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(sueddeutsche.de)