Bei den Christdemokraten ist man darum bemüht, schnell wieder einig und schlagkräftig zu wirken. Dabei weiß jeder in der Union, dass es schwere Fehler gegeben hat - politischer, aber auch persönlicher Art.
Dass die Union im Allgemeinen, im Besonderen aber die CDU und sie selbst in der Krise sind - das würde Angela Merkel niemals sagen, jedenfalls nicht laut. Wer zu ihrer Führungsmannschaft gehört, hält es ebenso, zumindest in der Öffentlichkeit.
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Am Dienstag äußerten sich zum Beispiel der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Volker Kauder (CDU), und CSU-Landesgruppenchef Michael Glos - jene beiden, die in jeder Sitzungswoche des Bundestages die Journalisten für ihre politische Weltsicht zu gewinnen suchen.
Hörte man ihnen zu, konnte man zu dem Eindruck gelangen, es sei nichts passiert in der vergangenen Woche: kein Fiasko wegen der Unterschriftensammlung gegen den EU-Beitritt der Türkei, kein Rückzug von Friedrich Merz, kein Personalproblem, kein Gesundheitsstreit, keinerlei Verschwörungsgerede.
Über Krisen sprachen die beiden schon - aber nur über die Krisen bei Opel und Karstadt-Quelle, die von der Bundesregierung mitverursacht worden seien. Die Unionsführung habe sich selbst keine Fehler und Schwächen zuzurechnen bei diesem wohl schlimmsten Debakel seit der CDU-Spendenaffäre, befand der ansonsten meist um Ehrlichkeit bemühte Kauder: "Ich erkenne keine."
Das stimmt so natürlich nicht, denn von Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber abwärts weiß jeder in der Union, dass es schwere Fehler gegeben hat - politischer, aber auch persönlicher Art.
Auch bei internen Treffen im größeren Kreis wurde - abgesehen vom Ausbruch der Abgeordneten Vera Lengsfeld in der Fraktionssitzung am Dienstag - keine Schadensbilanz gezogen oder Selbstkritik geübt: im CDU-Präsidium nicht, auch nicht bei den Sitzungen der Fraktionsspitze oder bei Abgeordnetentreffen.
Die ebenso überraschende wie erklärungsbedürftige Entscheidung Merkels, Justiziar Ronald Pofalla zum halben Merz-Nachfolger zu machen, wurde im Fraktionsvorstand nach Angaben von Teilnehmern frag- und widerspruchslos akzeptiert.
Beim Treffen der CSU-Landesgruppe, die über geübte Lästermäuler verfügt, gab es, wie Teilnehmer berichten, keine Fragen zu den jüngsten Geschehnissen, keine Häme über die CDU, keine Debatten über Versäumnisse. "Es wird nicht an den Themen gerührt - aus Furcht, es könnte eine neue Katastrophe geben", sagt jemand, der sich in den Schwesterparteien gut auskennt.
Angststarre nennt man so ein Verhalten wohl: Verunsichert und bange sind die erfolgsverwöhnten Christdemokraten und die Christsozialen; sie scheinen nicht verstanden zu haben, was da über sie und die Union gekommen ist.
Nichts ist dieser Tage mehr zu spüren von der fast aufdringlich lauten Selbstherrlichkeit, mit der sich viele Unionspolitiker die Serie der Wahlerfolge bis einschließlich 2006 im Vorhinein ausgemalt hatten.
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